Jugendhaus Horn wieder geöfnet

Zwischen Hygiene-Auflagen und Kostendruck

Nach zwei Monaten Corona-Zwangspause hat das Jugendhaus Horn wieder geöffnet. Doch bei den jüngeren Besuchern wächst das Unverständnis über die Hygiene-Auflagen.
02.07.2020, 06:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter
Zwischen Hygiene-Auflagen und Kostendruck

Eva Bärwolf und Denis Kedzierski vom Jugendhaus Horn sind wieder persönlich für die Besucher da.

PETRA STUBBE

Anmelden, Hände waschen, desinfizieren, in die Teilnehmerliste eintragen – so sind jetzt die Abläufe im Jugendhaus Horn. Seit der Wiedereröffnung Mitte Juni gelten im Zuge der Corona-Pandemie strenge Auflagen an der Curiestraße. Immerhin aber könne überhaupt wieder etwas stattfinden, betonen Leiterin Eva Bärwolf und ihr Kollege Denis Kedzierski.

Auf dem Tisch in der Sofaecke stehen zwei Kaffeekannen, daneben eine Sprühflasche mit Desinfektionsmittel und eine Rolle Küchenpapier. An jedem der drei Sofas hängt ein Schild, das darauf hinweist, dass hier nur jeweils eine Person Platz nehmen darf. Die Sofas haben einen glatten Lederbezug. Alle Möbel, die mit Stoff bezogen sind, hat das Team vorübergehend verbannt. „Weil sie sich nicht abwischen lassen“, sagt Bärwolf. Hygiene und Abstand haben im Jugendhaus zurzeit wie überall Priorität. Außerdem ist das Angebot stark heruntergefahren.

Pro Tag können sich nachmittags nur noch zwei Gruppen mit höchstens vier Teilnehmern im Jugendhaus treffen – allerdings nicht gleichzeitig, sondern von 16 bis 17.30 Uhr und von 18 bis 19.30 Uhr. Dazwischen wird geputzt und gelüftet. So steht es im hauseigenen Hygiene-Konzept, das die Mitarbeiter auf Grundlage der Corona-Verordnung speziell für ihre Einrichtung erarbeitet haben und vor der Wiedereröffnung beim Gesundheitsamt vorlegen mussten.

Was den Gruppen in den eineinhalb Stunden jeweils angeboten wird, ist im Fenster neben der Eingangstür weithin sichtbar nachzulesen. Tischtennis steht dort, außerdem Playstation, Hausaufgabenhilfe, Kino, Freundschaftsbänder knüpfen und Fitness. Und es gibt die Rubrik „Was möchtet Ihr?“. Hier dürfen eigene Vorschläge gemacht werden – sofern sie sich mit den geltenden Corona-Auflagen vereinbaren lassen. Heute wäre so ein Was-möchtet-Ihr-Nachmittag, aber es ist niemand da. Das Wetter ist zu gut. „Die Kinder und Jugendlichen wollen natürlich lieber etwas in einer größeren Gruppe unternehmen“, sagt Bärwolf. Sofern das Wetter es zulasse, träfen sie sich deshalb bevorzugt draußen. „Wenn das Wetter schlecht ist, haben wir dann oft das Problem, dass sich zu viele anmelden“, sagt sie.

Dass der Start nach der zweimonatigen Schließung nicht einfach sein würde, war den Mitarbeitern bewusst, erzählt Kedzierski. Mittlerweile arrangiere sich zwar ein Teil der Kinder und Jugendlichen mit den veränderten Bedingungen im Jugendhaus. „Aber die Nachfrage könnte gerne noch steigen“, sagt er. Neben dem Frust darüber, „dass man so vieles nicht darf“, wachse bei den Jüngeren derzeit außerdem das Unverständnis über die Auflagen im Jugendhaus angesichts der aufgehobenen Abstandsregelungen in den Grundschulen, berichtet Bärwolf.

Die Sporthalle bleibt für Besucher zu

Einen einzigen Raum gibt es im Jugendhaus, in dem sich bis zu zehn Personen gleichzeitig aufhalten dürfen: die kleine Sporthalle. Doch die ist für die Kinder und Jugendlichen zurzeit gesperrt. Um das Jugendhaus zu finanzieren, ist der Träger Alten Eichen unter anderem auf Mieteinnahmen angewiesen. Die Halle werde regelmäßig von einer Tanzschule genutzt, die allerdings nicht nach jedem Training eine komplette Desinfektion der Halle gewährleisten könne, erzählt Bärwolf. „Das wäre schlicht zu teuer.“ Um auf die Mieteinnahmen nicht verzichten zu müssen, könne die Halle daher im Moment nicht von den Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Mit Beginn der Ferien werde sich das aber wieder ändern. Dann gebe es kein Tanztraining und die Halle stehe dem Jugendhaus wieder zur Verfügung.

Zu den Eltern ihrer Klientel halten Bärwolf und Kedzierski im Moment vor allem Kontakt übers Telefon. „Insbesondere für Alleinerziehende ist die Situation eine große Herausforderung“, sagt Bärwolf. Da werde ein Gesprächsangebot oft gerne angenommen. Ebenso wie ihre Kinder hofften die Eltern auf eine baldige Rückkehr zur Normalität.

Die anstehenden Ferien sind zurzeit ein Thema, dem sich das Team besonders intensiv widmen muss. Die jährliche Sommerferien-Freizeit auf Schiermonnikoog in den Niederlanden sei fürs Erste auf die Herbstferien verschoben worden, erzählt Bärwolf. 16 Anmeldungen hat sie für die Fahrt vorliegen. „Das ist total schade, und wir hoffen sehr, dass wir die Freizeit im Herbst nachholen können“, sagt sie. In den Sommerferien werde es aber auf jeden Fall ein Ferienprogramm in leicht abgespeckter Form geben.

Bislang haben die Mitarbeiter vom Jugendhaus einen Hip-Hop-Kurs (ab sechs Jahren) vom 20. bis 23. Juli geplant und parallel dazu ein Kanu-Angebot (ab zehn Jahren) auf dem Unisee. Beide Kurse kosten jeweils 15 Euro. Am 30. Juli steht eine Städtetour nach Hamburg (ab 14 Jahren) auf dem Programm. Kosten pro Teilnehmer: zehn Euro. Am 5. August bietet das Team eine begleitete Fahrradtour zum Unisee an.

Weitere Informationen

Alle Angebote sind auf maximal zehn Kinder und Jugendliche begrenzt. Anmeldungen sind unter konatkt@jugendhaus-horn-lehe.de oder telefonisch unter 4 60 42 70 möglich.

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