Universität eröffnet Fotoausstellung: Hochschullehrerinnen in Führungspositionen Julia Baier porträtiert Bremer Professorinnen

Horn-Lehe. Sie stehen ganz oben auf der Karriereleiter: Professorinnen an der Universität Bremen in Führungspositionen. Die Fotografin Julia Baier hat die Wissenschaftlerinnen porträtiert und die Bilder in der Ausstellung "Unispitzen" zusammengestellt. Initiatoren der Schau sind das Rektorat und die Arbeitsstelle Chancengleichheit an der Uni. Die großformatigen Fotografien sind bis Ende Januar im Foyer des Mehrzweckhochauses (MZH) zu sehen.
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Von Silja Weisser

Horn-Lehe. Sie stehen ganz oben auf der Karriereleiter: Professorinnen an der Universität Bremen in Führungspositionen. Die Fotografin Julia Baier hat die Wissenschaftlerinnen porträtiert und die Bilder in der Ausstellung "Unispitzen" zusammengestellt. Initiatoren der Schau sind das Rektorat und die Arbeitsstelle Chancengleichheit an der Uni. Die großformatigen Fotografien sind bis Ende Januar im Foyer des Mehrzweckhochauses (MZH) zu sehen.

Professorin Helga Gallas sieht sich kritisch ins Gesicht. Überlebensgroß ist ihr Porträt, wie das von 19 Kolleginnen, in der Ausstellung "Unispitzen - Spitzenuni", auf Stelen im gläsernen Foyer des MZH präsent. Und das mit beachtlichen Einheitsmaßen: 120 Zentimeter Breite, 215 Zentimeter Höhe. Gallas ist im repräsentativen Dreiviertelporträt abgebildet und sitzt schräg zum Betrachter. Das Kinn erhoben, den Mund zu einem souveränen Lächeln geöffnet, der Blick interessiert. "Mir fehlt in dem Bild ein wenig das Durchsetzungsvermögen und die Entschlossenheit", lautet dennoch das kritische Urteil, das die Professorin für Deutsche Literaturwissenschaft und ehemalige Konrektorin für Strukturreform, ohne zu zögern der Fotografin mitteilt.

Und schon ist sie in eine rege Diskussion mit Julia Baier vertieft, über die eigene Wahrnehmung und das wahrgenommen werden. Genau diese Fragestellungen können Frauen zu einer bodennahen Einschätzung verhelfen - der Basis für eine Karriere. Darin sind sich die Porträtierten einig, die im Katalog der Ausstellung nicht nur ihre persönliche Motivation für ihre beeindruckenden Leistungen beschreiben, sondern aus ihrer erfolgreichen Vita heraus auch Tipps für Nachwuchswissenschaftlerinnen geben.

Gerd-Rüdiger Kück, Kanzler der Universität Bremen, betont mit Blick auf die führenden Professorinnen: "Sie nehmen eine Vorbildfunktion innerhalb der Uni ein und sind wichtig für ihre Gestaltung, Kompetenzen und Perspektiven." Anneliese Niehoff, Leiterin des Referats Chancengleichheit/Antidiskriminierung und Ideengeberin der Schau, betont, dass es sich bei den abgebildeten Frauen nicht um die einzigen Professorinnen an der Universität Bremen handelt. Mit einem Professorinnenanteil von 25 Prozent im bundesweiten Hochschulvergleich nimmt die Universität Bremen einen Spitzenplatz ein. Von mehr als 65 Hochschullehrerinnen haben 19 eine Führungsrolle inne - als Konrektorin, Dekanin oder Sprecherin eines Forschungsverbundes.

Keine leichte Aufgabe für Julia Baier, sich diesen Ausnahmeerscheinungen zu nähern. Die Berliner Fotografin hat 13 Jahre in Bremen gelebt, studierte hier Psychologie, Romanistik und Kunst an der Universität und Grafikdesign an der Hochschule für Künste mit dem Schwerpunkt Fotografie.

Die mehrfach ausgezeichnete Fotografin arbeitet für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die "Zeit", die taz, den Spiegel und begleitet die Bremer Kammerphilharmonie bis nach Südamerika.

Im Vorfeld der Ausstellung, im Herbst dieses Jahres, ging Baier mit klaren Zielvorgaben ans Werk: "Ich wollte keine Heldinnen schaffen. Die Bilder sind auf Begegnungen ausgerichtet", erzählt sie. Um nicht das Gefühl der Erhabenheit aufkommen zu lassen, bringt sie die Professorinnen trotz der Größe der Bilder auf Augenhöhe mit dem Betrachter. Die Auswahl der Kleidung als weiteren Ausdruck der Persönlichkeit überließ sie den Porträtierten. Ebenso die Posen, bei denen sie nur hier und da ein paar Vorschläge gemacht habe.

Für Baier sind die dargestellten Personen Frauen, die führen und forschen, die sie in einem ruhigen Moment einfangen wollte. So verzichtete sie bewusst auf Attribute oder Symbolik, auf Computer, Rednerpult oder Bücherberge. Sie stellt die Frauen auf neutralen Boden, an Orte, die für jeden in der Universität zugänglich sind.

Anne Levin lehnt an einer grauen Säule, Edda Wesslau vor einer bunten Wand und der Hintergrund von Kerstin Schill ist gänzlich neutral in Grau gehalten. Zusammen mit Niehoff und der Kuratorin Birgit Wingrat wählte Baier die Fotografien für die Schau aus, die von den Professorinnen am Ende autorisiert wurden.

"Zuerst war ich irritiert, weil ich nicht direkt nach vorne schaue", sagt Katrin Huhn, Professorin am Fachbereich 5 Geowissenschaften/Marum. Auf der Fotografie blickt sie lachend in die obere linke Bildecke - ein ebenso forscher wie entspannter Blick. Ein Blick einer Frau, die ganz oben auf der Karriereleiter steht.

Die Ausstellung ist bis zum 31. Januar im MZH, Bibliotheksstraße 1, zu sehen. Sie ist montags bis sonntags von 8 bis 24 geöffnet, der Eintritt ist frei. 2012 wird die Schau mehrere Monate an weiteren Orten auf dem Campus präsentiert. Die Stationen finden sich unter www.unispitzen.de

Zur Ausstellung ist ein 64 Seiten starker Bildband erschienen. Im Katalog werden zwei weitere Professorinnen in Führung vorgestellt. Die Bremer Professorin Grete Henry-Hermann, Gründungsrektorin der Pädagogischen Hochschule Bremen und Vordenkerin der Uni Bremen, sowie die 2008 verstorbene Professorin Helga Krüger.

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