Personelle Situation Leitungsposten an Bremer Schulen weiter vakant

Zahlreiche Anrufe gingen im Ortsamt ein. Besorgte Eltern klagten, die personelle Situation an den Schulen habe sich massiv zugespitzt. Dies führte jetzt zu einer vorzeitigen Sitzung des Bildungsausschusses.
09.02.2020, 21:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Ursprünglich war die nächste Sitzung des Fachausschusses Bildung erst im März geplant. Dass die Mitglieder nun bereits am vergangenen Donnerstag tagten, war laut Jessica Jagusch zahlreichen Anrufen besorgter Eltern im Ortsamt geschuldet. „Offenbar hat sich die personelle Situation an den Schulen massiv zugespitzt“, erklärte die Ortsamtsmitarbeiterin.

Neben Elternsprechern waren der Einladung auch nahezu alle Schulleitungen oder deren Stellvertreter gefolgt – zumindest soweit vorhanden. Genau darin nämlich besteht an mehreren Schulen derzeit das Problem. An der Grundschule Horner Heerstraße sei seit den Herbstferien sowohl die Stelle der Schulleitung als auch deren Stellvertretung vakant, berichtete Elternsprecherin Ulrike Dadachanji. Die Leitung des Zentrums für unterstützende Pädagogik (ZuP) der Schule sei derzeit als kommissarische Leitung eingesetzt. Aktuell laufe für beide Leitungsstellen die dritte Bewerbungsrunde. „Uns leuchtet nicht ein, weshalb das alles so lange dauert“, so Dadachanji. Den Eltern fehle dadurch seit geraumer Zeit ein konkreter Ansprechpartner, wenn es Probleme gebe, erklärte sie. Als Beispiel nannte sie die anhaltende Kritik der Eltern an der Qualität des Mittagessens.

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Zum aktuellen Stand des Besetzungsverfahrens teilte Pascal Berke vom Bildungsressort mit, dass die Bewerbungsfrist für die Leitungsstelle Mitte Februar ablaufe, und die für den Konrektorenposten einen Monat später. Gründe für Verzögerungen gebe es bei einem Besetzungsverfahren grundsätzlich viele, erläuterte er außerdem. Neben diversen Fristen, die einzuhalten seien, zögen manche Anwärter ihre Bewerbung auch kurzfristig zurück. Klagen von unterlegenen Bewerbern führen laut Berke ebenfalls häufig zu Verzögerungen bei der Stellenbesetzung.

Hoffen auf Nachbesetzung

Auch an der Grundschule Philipp-Reis-Straße ist der Schulleitungsposten derzeit ausgeschrieben. Momentan leite der Konrektor die Schule kommissarisch, berichtete Elternsprecherin Petra Katzorke. Mit Sorge blickten die Eltern nun auf das kommende Schuljahr, da im Sommer die ZuP-Leitung der Schule in den Ruhestand verabschiedet werde und die Schule zudem einen vierten Zug bekomme. Daher hoffe man, dass beide Stellen bis zum Sommer nachbesetzt werden.

Auch an der Wilhelm-Focke-Oberschule ist die Stelle der Schulleitung zurzeit vakant. Dass dennoch alle Stunden abgedeckt seien, verdanke sie dem überaus engagierten Lehrerkollegium, berichtete Konrektorin Susanne Helm. Allerdings seien die Arbeitstage dadurch für viele Kollegen entsprechend lang, weshalb sie auf eine baldige Nachbesetzung hoffe. Die Grundschule an der Curie-Straße hat aktuell zwar eine Schulleiterin und eine Konrektorin – dafür aber keine ZuP-Leitung. Die Stelle sei derzeit ausgeschrieben, berichtete Schulleiterin Andrea Barthe.

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Von einem erheblichen Personaldefizit berichtete Thomas Hohenhinnebusch, Leiter der Förderschule für Hören an der Marcusallee. Derzeit seien fünf Lehrerstellen unbesetzt, teilte er mit. Das Problem sei allerdings kein Bremer Phänomen, sondern existiere bundesweit, da es schlicht zu wenige Fachpädagogen mit dem Schwerpunkt Hören in Deutschland gebe. Für die Arbeit an der Marcusallee bedeute das Stundendefizit, dass unter anderem im mobilen Dienst eingespart werden müsse. Neben den 85 Schülern vor Ort betreut das Lehrerkollegium temporär 85 weitere Kinder und Jugendliche, die in Inklusionsklassen unterrichtet werden. Hier habe das Kollegium das Stundenpensum in den vergangenen Jahren teilweise halbiert, um über die Runden zu kommen, so Hohenhinnebusch. Entlastung brächten in dieser Situation aber vor allem Referendare und Studierende, die in der Regel anschließend auch an der Schule gehalten werden könnten, erzählte er.

Keine Dauerlösung

Auch an der Oberschule Ronzelenstraße funktioniere die Zusammenarbeit mit Studierenden bestens, berichtete Konrektor Peter Lüttmann. Angesichts ihres engagierten Vertretungsunterrichts habe die Schule aktuell keine nennenswerten Stundenausfälle zu beklagen, berichtete er. Hermann Pribbernow (FDP) betonte in diesem Zusammenhang allerdings, dass dieses Modell seiner Meinung nach auf keinen Fall zur Dauerlösung werden dürfe. Der Fachausschuss forderte das zuständige Ressort abschließend einstimmig dazu auf, die offenen Stellen in der Leitungsebene zügig zu besetzen.

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