Regisseur Franz Eggstein plant ambitionierte Inszenierungen und probt Ibsens „Nora“

Neues Theater-Ensemble an der Universität

Der Regisseur und Ex-Rennfahrer Franz Eggstein plant den Aufbau eines gehobenen Amateurtheaters. Zurzeit probt das Ensemble den Klassiker "Nora" von Ibsen. Parallel inszeniert er an der Uni Bremen ein Stück mit dem Theater Incognito
09.08.2012, 05:00
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Neues Theater-Ensemble an der Universität
Von Andreas D. Becker
Neues Theater-Ensemble an der Universität

Franz Eggstein, der seit längerem das Theater Incognito an der Uni Bremen betreut, plant nun den Aufbau eines weiteren gehobenen Amateurtheaters an der Universität.

Roland Scheitz

Der Regisseur und Ex-Rennfahrer Franz Eggstein plant den Aufbau eines gehobenen Amateurtheaters. Zurzeit probt das Ensemble den Klassiker "Nora" von Ibsen. Parallel inszeniert er an der Uni Bremen ein Stück mit dem Theater Incognito

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Horn-Lehe. Zurzeit ist alles nur ein Traum, aber wenn die "Nora" ein Erfolg wird, könnte daraus bald Wirklichkeit werden. Der Bremer Regisseur Franz Eggstein plant, mit talentierten Studenten ein gehobenes Amateurtheater mit festem Ensemble auf die Beine zu stellen. Seit sechs Wochen probt er mit fünf Schauspielern und einem technischen Team den Klassiker von Ibsen. Premiere ist im November.

Damit erweitert Eggstein seine Regieaktivitäten um eine zweite Schiene. Ansonsten ist er an der Uni Bremen tätig, wo er die interdisziplinären Aufführungen des Theaters Incognito betreut. "An dem neuen Ansatz reizt mich die Frage, wie weit man mit Amateurschauspielern kommen kann", begründet der 57-Jährige sein Engagement mit dem zweiten Ensemble.

Sechs Wochen hat er mit dem Team bereits an der "Nora" geprobt, und mit den bisherigen Fortschritten ist er zufrieden. "Das Stück ist sehr schwer zu spielen, weil wir fünf Charakterrollen haben, die sich im Laufe der Handlung verändern." Das sei für Schauspieler ohne professionelle Ausbildung eine große Herausforderung. Trotzdem will der Regisseur von seinem professionellen Anspruch nicht abrücken. "Wenn die Inszenierung nicht gut genug ist, können wir sie nicht auf die Bühne bringen", betont er.

Bei seinen Regiearbeiten sieht Eggstein durchaus Parallelen zu seinem früheren Beruf. Bis 1998 verdiente er seinen Lebensunterhalt als professioneller Autorennfahrer. Zuerst in der Formel 3, später in der Formel 2 und in der Folge in der Formel 3000. Zu seinem ungewöhnlichen Beruf kam er durch einen Rallyefahrer, der Eggstein zunächst als Beifahrer anheuerte. "Als sich herausstellte, dass ich schneller war als der eigentliche Pilot, habe ich eben als Fahrer weitergemacht", erinnert sich Eggstein.

Rennleiter in Modena

Auch jetzt noch verdient er seine Brötchen im Rennsport – als Rennleiter ist er für einen Rennstall im italienischen Modena tätig, der in der Formel Renault startet. "Damit verdiene ich genug, um mir das Theater leisten zu können", sagt der gebürtige Heidenheimer, der seit seinem Studium in der Neustadt lebt. Obwohl beide Bereiche ansonsten nichts miteinander zu tun hätten, sei sowohl beim Autorennen als auch beim Theater ein bisschen Wagemut erforderlich. "Es kann viel schiefgehen, und man weiß nicht, ob man am Ende Erfolg haben wird", sagt er. Mit der Schauspielerei fing er während seines Studiums der Sozialpädagogik in Berlin und Bremen an.

Damals beteiligte er sich an einem Praxisprojekt Theaterspielen, lernte zusätzlich Jonglieren und Feuerspucken und begann mit Straßentheater und Clownerie. Aus diesen Anfängen entstand eine selbstständige Theatergruppe. "Das war etwas Neues, was ich vorher nicht gemacht hatte", so Eggstein. Viel gelernt hat er nach eigenen Angaben von Renato Grünig von der Bremer Shakespeare Company. "Dort habe ich in der Anfangszeit viel mittrainiert", erinnert sich der Regisseur.

Am Ende seines Studiums erhielt Eggstein seinen ersten Lehrauftrag an der Uni für praktische Theaterarbeit. 1989 legte er wegen der Rennfahrerei zunächst eine Pause ein, bevor er 2005 wieder mit ersten Inszenierungen anfing. 2006 wurde Faßbinders Stück "Das Kaffeehaus" unter der Regie von Franz Eggstein auf die Bühne gebracht. Mittlerweile sind im Theatersaal der Uni Bremen zehn Inszenierungen entstanden. Parallel zur "Nora" von Ibsen inszeniert er als Theater InCognito mit den Teilnehmern der Lehrveranstaltung bis Ende Januar das Stück "Das Leben auf der Praca Roosevelt", das in Sao Paulo spielt. In den vergangenen Jahren hat er sich einen Namen als experimenteller Regisseur gemacht. "Ich bin experimentierfreudig. Es motiviert mich, wenn nicht von vornherein feststeht, was am Ende auf der Bühne passiert", beschreibt er seinen künstlerischen Ansatz. Dabei sei es oftmals nicht einfach, alleine mit Studenten eine Inszenierung auf die Beine zu stellen. "Bislang hat es aber immer geklappt", sagt er zufrieden.

Nur für eine Sache hat Franz Eggstein keine Zeit mehr: selbst als Schauspieler auf der Bühne zu stehen. "Das würde ich wirklich gerne machen. Vielleicht ergibt sich bald die Gelegenheit dazu", hofft er.

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