Gemüseanbau und Hühnerhaltung

Öffentliches Grün bleibt öffentlich

Fachausschuss folgt CDU-Antrag gegen private Nutzung von Flächen entlang der Lilienthaler Heerstraße.
16.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Privater Gemüseanbau und Tiergehege im Grünzug entlang der Lilienthaler Heerstraße haben jetzt den Horn-Leher Verkehrsausschuss beschäftigt. Dabei ging es zum einen um die Grünfläche nördlich des Autobahnzubringers, die sich zwischen der Straße Im Hollergrund und der Lilienthaler Heerstraße erstreckt. Hier werde der öffentliche Park teilweise für Gemüseanbau und Hühnerhaltung genutzt, heißt es in einem Antrag der CDU-Fraktion, die diesem Zustand gerne ein Ende bereiten wollte. Die Nutzung sei nicht genehmigt und habe im Sinne der Gleichbehandlung der Horn-Leher Bürger zu unterbleiben, befand die CDU.

Was die Hühnerhaltung betraf, bekam der Ausschuss Hintergrundinformationen aus erster Hand, da die Halterin unter den Zuhörern saß. Zur Erweiterung des Geheges in den Park habe sie sich nicht entschlossen, weil die Tiere in ihrem Garten nicht genügend Platz hätten, betonte sie, sondern weil sie von Parkbesuchern und deren Kindern immer wieder gebeten worden sei, die Hühner aus nächster Nähe anschauen zu dürfen. Der Einfachheit halber habe sie den Auslauf deshalb irgendwann so erweitert, dass man die Tiere auch vom Park aus beobachten konnte. Da es aber inzwischen Konflikte mit Hunden und Katzen gegeben habe und sie das Argument der Gleichbehandlung nachvollziehen könne, werde sie den Auslauf wieder abbauen, kündigte sie an.

Michael Koppel (Grüne) plädierte hingegen für mehr Toleranz in der Angelegenheit – immerhin seien vor allem Hühner eine Bereicherung für Parkbesucher mit Kindern. Solange die private Parknutzung nicht „ausufere“, sehe er sie als unproblematisch für die Allgemeinheit an, sagte er. Gerhard Amenda (CDU) argumentierte indes, dass auch andere Anwohner – ohne direkten Gartenanschluss an den Park – gerne Gemüse im Grünzug anbauen würden. Für diese Anwohner sei es schwerlich akzeptabel, dass sich einige wenige dieses Recht aufgrund der baulichen Gegebenheiten einfach nehmen würden. Am Ende der Diskussion setzte sich der CDU-Antrag mit drei zu zwei Stimmen bei zwei Enthaltungen durch.

Auch über die Grünfläche südlich des Autobahnzubringers zwischen der Lilienthaler Heerstraße und Haferwende wurde im Ausschuss diskutiert. Mitte Februar hatte die Naturschutzbehörde den Beirat um Stellungnahme gebeten, wie es mit dem Gelände perspektivisch weitergehen soll. Hinter den Wohngrundstücken an der Lilienthaler Heerstraße 132 bis172 befinde sich gemäß Bebauungsplan eine öffentliche Grünanlage, die von den Anliegern über die Jahrzehnte verstärkt genutzt und den Privatgrundstücken mittlerweile „quasi angegliedert“ worden sei. Die Untere Naturschutzbehörde plane nun die Herstellung eines ordnungsgemäßen Zustandes, hieß es in einem Schreiben an den Beirat. Da die Grünanlage über einen vergleichsweise geringen Erholungswert verfüge, könne den Anwohnern in diesem Fall eine Sondernutzungserlaubnis in Aussicht gestellt werden, schlug die Behörde vor. Diese Erlaubnis würde unter einem jederzeit möglichen Widerruf und gegen eine angemessene Sondernutzungsgebühr erteilt werden.

Der Beirat hatte das Ansinnen der Unteren Naturschutzbehörde einstimmig befürwortet. Vorschnell, wie Gerhard Amenda in der Ausschusssitzung kritisierte. Er berichtete von Zäunen, Gewächshäusern, Carports und Unterständen für Nutztiere in der Grünanlage und forderte den Ausschuss auf, sich seinem Antrag anzuschließen, wonach die ursprünglichen Grundstücksgrenzen wiederherzustellen seien, sofern sich die Erweiterungsflächen nicht im Besitz der jeweiligen Anwohner befänden. Das sei nicht zuletzt auch im Sinne des Deichverbands, der durch die baulichen Eingriffe der Anwohner nicht mehr ungehindert ans angrenzende Fleet gelangen könne.

Laut Ortsamtsleiterin Inga Köstner habe die Behörde dazu mitgeteilt, dass das Fleet über die vergangenen Jahre zugewachsen und zugemüllt worden sei, weshalb man dort nun alsbald mittels schwerer Gerätschaften tätig werden müsse. Geplant sei der Einsatz zwischen Herbst 2020 und Frühjahr 2021. Im Vorfeld werde man die Anwohner anschreiben und um den Abbau von Schuppen, Zäunen und dergleichen bitten. Die geplante Sondernutzungserlaubnis beziehe sich ohnehin nur auf eine kleingärtnerische Nutzung, die keine baulichen Anlagen zulasse.

Der Ausschuss verständigte sich am Ende darauf, Amendas Antrag eine Anfrage ans Ressort vorzuschalten, die Peter Müller formuliert hatte. Der Grünen-Politiker hatte einen Ausdruck des Bebauungsplans des besagten Abschnitts der Lilienthaler Heerstraße dabei. Demzufolge sei der Grünbereich zwischen Autobahnzubringer und der Straße Im Leher Felde als zu erschließende Grünanlage ausgewiesen, so Müller. Somit müsse zunächst geklärt werden, inwieweit Fläche dieser ausgewiesenen Grünanlage durch die geplanten Sondergenehmigungen in Anspruch genommen werden soll.

Außerdem stelle sich die Frage, ob unmittelbar nach Fertigstellung der ausgewiesenen Gewerbebauten an der Straße Haferwende geplant sei, mit der Herrichtung der öffentlichen Grünanlage zu beginnen. In diesem Zusammenhang interessiere den Verkehrsausschuss Horn-Lehe vor allem, welche Befristung in den Sondergenehmigungen vorgesehen sei, um die private Nutzung bei Bedarf vorzeitig beenden und die Grünanlage erschließen zu können.

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