Umweltschützer kämpft für Erhalt der niederdeutschen Sprache Platt snacken mit Gerold Janssen

Horn-Lehe. Bremens bekanntester Naturschützer kämpft nun auch für die Niederdeutsche Sprache. Gerold Janssen will an jedem zweiten Mittwoch im Monat in einer plattdeutschen Klönrunde in der Stiftungsresidenz Luisenthal die plattdeutsche Sprache pflegen.
17.01.2010, 08:30
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Platt snacken mit Gerold Janssen
Von Andreas D. Becker

Horn-Lehe. Es hätte ihm wohl niemand übelgenommen, wenn er wegen der eisglatten Straßen zu Hause geblieben wäre. Aber er ist da. Gerold Janssen, Bremens bekanntester Umweltschützer, stapft in Gummistiefeln ins Foyer der Stiftungsresidenz Luisental in der Brucknerstraße. Seine Augen blinzeln wegen der Kälte über seiner Lesebrille, die ihm tief auf die Nasenspitze gerutscht ist. Der 86-Jährige ist nicht nur überpünktlich, er ist auch mit dem Fahrrad gekommen.

'Ich hab?s mal wieder geschafft', sagt er und wirft erstmal einen Blick ins Café, wo er in der nächsten Stunde Platt snacken und die Zuhörer unterhalten will. Im Rahmen einer monatlichen Klönrunde, die vor allem einen Zweck hat: die plattdeutsche Sprache pflegen.

Junge Menschen lernen kein Platt mehr

Das ist keine leichte Aufgabe', sagt der gebürtige Ostfriese. Denn ganz überwiegend seien nur noch ältere Leute des Niederdeutschen mächtig. 'Junge Menschen lernen das heutzutage nicht mehr', weiß er und will ein Zeichen setzen, dass Platt nicht tot ist.

Wie zum Beweis ist das Café gut gefüllt. 'Ich dachte schon, hier sitzen nur fünf Leute bei dem Wetter', zeigt er sich erleichtert. Fast ausschließlich muttersprachliche Plattsnacker älteren Semesters haben sich eingefunden, um Janssens Erzählungen zu lauschen und etwas über die Unterschiede zwischen der bremischen und der ostfriesischen Variante der Sprache zu erfahren.

Das macht Janssen an ein paar willkürlich ausgewählten Beispielen deutlich - ein trockenes Proseminar hat der 86-Jährige glücklicherweise nicht vorbereitet.So startet er mit einem Text des Sängers Hannes Flessner, um seine Verbundenheit mit der Sprache zu verdeutlichen.

'Wenn ick dat hör, dann lopn mi de Tranen de Wangen hendal. Un dann weet ick, worum mi dat plattdüts so vol bedüdn deit: Mien Heimatspraak, warmit ick as Kind groot wordn bün', sagt er.

Hochdeutsch war für ihn zuerst eine Fremdsprache Hochdeutsch sei für ihn zunächst eine Fremdsprache gewesen. Zuhause in der Nähe von Emden habe die Familie nur Platt gesnackt. Erst in der Schule musste er Hochdeutsch sprechen. 'Die Eltern hatten Angst, dass es Nachteile haben würde, wenn man Plattdeutsch spricht', erzählt er.

Doch das Niederdeutsche ließ ihn nicht los, ebenso wenig wie seine Begeisterung für unberührte Naturlandschaften. Dass er sich seit den 1970er Jahren erfolgreich gegen eine Bebauung des Hollerlandes eingesetzt habe, begründet Janssen auch durch Erfahrungen, die er in Ostfriesland machen musste. '

Dort wurde der giftige Aushub, der bei der Vertiefung der Ems anfiel, einfach auf die Feuchtwiesen gekippt. Die Landschaft wurde dadurch komplett vernichtet', erzählt der Horner. Um so etwas in Bremen zu verhindern, habe sich nicht gescheut, Dinge zu tun, die ein braver Bürger wohl nicht unbedingt machen würde.

Platt am besten beim Singen lernenEinig sind sich Janssen und die Zuhörer darin, dass man eine Sprache ganz besonders gut beim Singen lernt. Und deshalb steht jetzt ein Lied auf dem Programm. 'Englisch und skandinavische Sprachen sind mir aufgrund meiner Kenntnisse des Plattdeutschen leicht gefallen. Und in Holland haben sie mich für einen aus Groningen gehalten', erzählt der Referent stolz.

Zum Abschluss liest Gerold Janssen einen witzigen Text über den Diebstahl der Horner Kirchenglocke nach dem Motto: Wie du mir, so ich dir... Und dann ist die Klönschnack-Premiere auch schon gelaufen.

Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann jeweils am zweiten Mittwoch im Monat - das nächste Mal am 10. Februar - ohne Anmeldung an der plattdeutschen Runde in der Stiftungsresidenz Luisental, Brucknerstraße 15, kostenlos teilnehmen. Beginn ist jeweils um 16 Uhr.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+