Nach zweijähriger Sanierungsphase

Pumpwerk Horn nimmt Betrieb auf

Zwei Jahre hat es gedauert, nun ist die Generalsanierungs des Pumpwerks Horn abgeschlossen. Für den Bauherren Hansewasser und auch die Umweltbehörde ist es ein Vorzeigeprojekt.
11.09.2019, 18:58
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Pumpwerk Horn nimmt Betrieb auf
Von Lisa-Maria Röhling
Pumpwerk Horn nimmt Betrieb auf

Staatsrat Ronny Meyer (links) und Hansewasser-Geschäftsführer Jörg Broll-Bickhardt sind zufrieden mit dem Sanierungsergebnis.

Fotos: Koch

Neun Millionen Euro und zwei Jahre Bauzeit hat es gekostet, um das Pumpwerk Horn zu sanieren und für die kommenden 20 Jahre fit zu machen. Ein gelungenes Projekt, zumindest aus Sicht des Bauherren, der Abwasser- und Umweltdienstleister Hansewasser. Geschäftsführer Jörg Broll-Bickhardt zeigte sich bei der offiziellen Neueröffnung des Pumpwerks am Mittwoch zufrieden. „Das war vorerst die letzte Sanierung“, erklärte er. Auch Umweltstaatsrat Ronny Meyer sagte, das abgeschlossene Bauprojekt sei ein Meilenstein: „Wir haben das Abwassersystem für die Zukunft gesichert.“

Eine besondere Herausforderung war das Projekt von Anfang an: Alle Baumaßnahmen fanden im Bestand statt, das erforderte besondere Koordination, nicht nur zwischen den Planern und dem Bauherren, sondern auch mit Ortsamt und Beirat. Am Ende ist alles glatt gelaufen, so beschrieb die Horn-Leher Ortsamtsleiterin Inga Köstner das Bauprojekt bei der Eröffnung. Allerdings habe es in der Planungsphase der Generalsanierungen des Pumpwerks vor knapp vier Jahren erhebliche Bedenken gegeben – vom Beirat, vom Ortsamt und auch von den betroffenen Anwohnern. Viele fürchteten ein Verkehrschaos rund um die Großbaustelle, auf der das Pumpwerk und die Regenüberlaufbecken saniert und im Anschluss die Druckrohrleitungen erneuert wurden.

Aufschub für Horner Spange

Zudem war ein Projekt des Beirats direkt von den Sanierungsarbeiten betroffen: Der geplante Radweg zwischen Horn und Schwachhausen, Horner Spange genannt, musste vorerst aufgeschoben werden. Denn auf der anvisierten Strecke zwischen Riensberger Straße und Hinter dem Riensberg war eine Baustraße nötig, auf der parallel zur Achterstraße Lkw und andere schwere Geräte anrücken konnten.

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Allerdings, lobte die Ortsamtsleiterin, durch die gute Vorbereitung seien die Bauphasen ohne Probleme abgelaufen. Das habe zum einen mit der guten Zusammenarbeit mit den Vertretern von Hansewasser zu tun, zum anderen mit dem Einsatz des Verkehrssachbearbeiters der Polizei, Kai Koopmann, der im engen Austausch mit dem Abwasserdienstleister über Baustellen, Umleitungen und die Verkehrssicherung stand. „Durch diese Vorarbeit ist das Chaos ausgeblieben“, betonte Köstner. Auch der eingehaltene Zeitplan sei ein Erfolg, das komme in Bremen bei Großbaustellen äußerst selten vor.

Die Horner Spange hat der Stadtteil mit der Generalsanierung dann auch noch bekommen: Seit dem Ende der Sommerferien ist die ehemalige Baustraße komplett mit Laternen ausgestattet und asphaltiert und dient damit als langersehnter Fahrradweg. „Endlich haben Sie unseren Wunsch erfüllt“, sagte Köstner an die Bauherren gewandt.

2500 Liter pro Sekunde

Das Pumpwerk ist ein wichtiger Baustein des städtischen Abwassernetzes: Unweit der Achterstraße in Horn gelegen, passieren über drei Zuleitungen täglich immense Mengen von Mischwasser aus den Stadtteilen Horn, Horn-Lehe, Vahr und Sebaldsbrück das Werk; knapp 2500 Liter pro Sekunde beträgt die neue maximale Förderleistung. Von dort werden sie weiter in das Pumpwerk Findorff und schließlich in die Kläranlage in Seehausen geleitet. In den zwei Jahren Bauzeit ist die Anlage mit der neusten Mess- und Maschinentechnik ausgestattet worden.

Neben dem Pumpwerk selbst wurden auch zwei Regenüberlaufbecken auf dem Gelände umgebaut und modernisiert. In Zeiten des Klimawandels eine wichtige Baumaßnahme: Acht Millionen Liter Wasser können dort nun zwischengespeichert und mechanisch vorgeklärt werden. Das sorgt bei Starkregen nach Angaben von Hansewasser für eine Entlastung des Kanalnetzes und verbessert den Gewässerschutz. Zudem hat es auch einen unmittelbaren Nutzen für die Bremer: Bei extremen Wetterlagen kann so verhindert werden, dass Kanäle überlaufen und das Wasser in die Hauskeller läuft. Außerdem sind die Becken mit einer sogenannten Schwallspülung ausgestattet, die eine energie- und umweltschonende Reinigungstechnik ist. „Für uns ist wichtig, dass wir uns mit solchen Bauwerken auf den Klimawandel vorbereiten“, erklärte Staatsrat Meyer.

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Im Mai 2018 startete die zweite Bauphase mit der Renovierung des Zulaufes zum Pumpwerk in den Straßen Achterstraße und Am Herzogenkamp. Während der Bauarbeiten wurde das Wasser zum Pumpwerk überirdisch durch 60 Zentimeter dicke Rohre umgeleitet, die parallel zur Straße lagen. Auch die Druckrohrleitungen zwischen dem Pumpwerk und der H.-H.-Meier-Allee wurden erneuert.

Obwohl Bauarbeiten dieser Größenordnung normalerweise eher schädlich für die umliegende Wiesen und Baumbestände sind, ist die Sanierung des Pumpwerkes sogar schon fast umweltfreundlich: Auf dem Gelände rund um die Überlaufbecken wurden zahlreiche Blumenwiesen und Kräuterterrassen angelegt, auch „ökologisch besonders wertvolle Bäume“ ließ Hansewasser nach eigenen Angaben dort pflanzen. Auch eine Fassadenbegrünung für das Pumpwerk ist geplant. Mit dieser umfassenden Pflanzoffensive soll die Umgebung insekten- und vor allem bienenfreundlicher werden. Auch ein Nebeneffekt, den besonders Ronny Meyer begrüßt: „Das erfreut das Herz des Staatsrates.“

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