Runder Tisch Horn-Lehe Horn-Lehe hilft

Das Ortsamt, der Beirat und die Kirchengemeinden Horn-Lehe haben einen Runden Tisch „Hilfe für geflüchtete Menschen aus der Ukraine“ ins Leben gerufen. Das erste Treffen hat nun stattgefunden.
07.04.2022, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Silja Weisser

Grausame Bilder aus der Ukraine erschüttern. Sie machen Angst und nachdenklich, aber sie lähmen nicht. Das zeigt das Engagement der Teilnehmenden am Runden Tisch in Horn-Lehe. Wie kann man den Geflüchteten helfen? Welche Möglichkeiten gibt es in der näheren Umgebung, Projekte und Organisationen zu unterstützen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Runde mit der Überschrift „Hilfe für geflüchtete Menschen aus der Ukraine“.

Über 80 Interessierte aus dem Stadtteil Horn-Lehe kamen zur Auftaktveranstaltung in den Saal der Horner Kirchengemeinde. Sie folgten der Einladung von Pastor Stephan Klimm von der Evangelischen Kirchengemeinde, Saskia Schultheis und Gabriele Petrausch-Warnecke von der Evangelischen Andreas-Gemeinde, Florian Schneider von der Pfarrei St. Katharina von Siena – Kirche St. Georg, dem Beirat und dem Ortsamt Horn-Lehe.

Suche nach Wohnraum

An erster Stelle steht die Suche nach geeignetem Wohnraum. Schätzungsweise die Hälfte der Ankommenden sind bei Freunden, Verwandten oder hilfsbereiten Bürgerinnen und Bürgern untergekommen. Rund 2450 Personen, darunter überwiegend Frauen und Kinder, wurden von Land und Kommunen untergebracht, berichtet Inga Köstner, Ortsamtsleiterin von Horn-Lehe. Stetig werden neue Immobilien gesucht – auch in Horn-Lehe. Der Plan, eine Sporthalle im Stadtteil zu belegen, wurde verworfen. Die Turnhalle in der Curiestraße stand ursprünglich auf der Vorschlagsliste, dient aber nun wegen Ausfalls einer anderen Halle als Ersatz. Stattdessen soll ein Wohnheim an der Leher Heerstraße von den Geflüchteten genutzt werden können. Nach kleineren Reparaturen und Renovierungen ist mit Ende Juli, Anfang August mit einer Unterbringung zu rechnen.

Auch für die Gebäude Horner Eiche und Deutsche Eiche gibt es Gespräche mit dem Sozialressort. Sollten bei Letzterem die erforderten Brandschutzmaßnahmen ohne großen Aufwand nachgerüstet werden können, ist auch hier der Eigentümer bereit, das Haus für Geflüchtete zur Verfügung zu stellen. Ebenso in der Anne-Conway-Straße, wo schon seit Jahren Geflüchtete untergebracht sind, ist geplant, Menschen aus der Ukraine in den noch freien Appartements unterzubringen.

Privatsphäre schaffen

Die Dringlichkeit, Privatsphären zu schaffen, unterstreicht der Bericht von Barbara Schneider, Koordinatorin der trägerübergreifenden Initiative der Awo „Gemeinsam in Bremen“. Aktuell sind 1200 Personen in den Messehallen 6 und 7 untergebracht, 40 Prozent davon Kinder. Sie leben in abgeteilten Kabinen, die nach oben hin offen sind, teilweise mit Personen, die sie nicht kennen. Ziel sei eine maximale Aufenthaltsdauer von zwölf Tagen. Diese einzuhalten sei jedoch leider nicht möglich.

Nicht nur das Thema Wohnraum stand beim Runden Tisch auf der Agenda. Detlev Busche vom Verein Fluchtraum stellt sich als Koordinator für ein Begegnungscafé zur Verfügung. Er wünscht sich, im Jugendhaus Horn-Lehe in der Curiestraße einen Austausch von Geflüchteten und Horner Bürgerinnen und Bürger. Hier befinden sich nicht nur Spielmöglichkeiten für Kinder. Auch die benachbarten Plätze von Eiche Horn stehen zur Verfügung. Bälle stehen zum Ausleihen bereit. Das Haus ist von Montag bis Freitag ab 16 Uhr geöffnet.

Angebote für Kinder und Eltern

Zu Wort meldete sich eine Vertreterin des Elternvereins Kinder, Wald und Wiese. Auch dort seien Eltern mit Kindern willkommen, an den Angeboten teilzuhaben. Der TV Eiche Horn bietet Geflüchteten eine kostenlose Mitgliedschaft an, gefördert von der Bremer Sportjugend. Auch Sprach- und Integrationskurse in Kombination mit Kinderbetreuung sind in Horn-Lehe geplant, berichtet Pastor Klimm. Die umliegenden Schulen stellen in Aussicht, dass ihre Räumlichkeiten nach Absprache genutzt werden können.

Eine von mehreren Schulen, die Vorkurse anbietet, ist das Gymnasium Horn. Derzeit gibt es hier noch 15 freie Plätze. Koordiniert werden die Kurse von Tatjana Luehrs. Bei ihr können sich Interessierte anmelden. Sie informiert: Normalerweise ist ein Vorkurs integrativ ausgelegt, also dass ein Teil des Unterrichts in den Klassen stattfindet. Dies sei von der ukrainischen Botschaft jedoch nicht erwünscht, weil die Hoffnung besteht, dass die Familien bald zurückkehren können und weil teilweise noch digitaler Distanzunterricht stattfindet. Eine Stelle für Unterricht in ukrainischer Sprache ist am Gymnasium Horn bereits ausgeschrieben.

Betreuung für die Kleinsten

Für die sehr jungen Geflüchteten sieht es schlechter aus. Derzeit gibt es keine freien Kita-Plätze im Stadtteil, berichtet Lars Ackermann von „Zuflucht Bremen“. Abgesehen davon, dass die Anmeldephase gerade abgeschlossen ist, war die Warteliste bereits vor der Ankunft der Geflüchteten lang. Inga Köstner vom Ortsamt Horn-Lehe bekräftigt, dass gerade deswegen Betreuungsangebote im Stadtteil geplant werden müssen. Derzeit werde der rechtliche Rahmen dafür geprüft.

Ein Bürger, der auch eine Familie bei sich aufgenommen hat, regt an, Fahrradkurse anzubieten, da in der Ukraine wenig Fahrrad gefahren werde. Außerdem sei es schwer, Bücher in ukrainischer Sprache zu bekommen. Er schlägt vor, über die Bibliotheken Ausleihmöglichkeiten für ukrainische Literatur zu schaffen.

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Zur Sache

Wie können Bürger helfen?

Angebote für Wohnraum, aber auch geeignete Gewerbeimmobilien, können der Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport gemeldet werden. Für das Projekt Begegnungscafé werden noch freiwillige Helfer gesucht. Von Kaffeekochen, über Öffentlichkeitsarbeit und Kuchenspenden gibt es viele Einsatzmöglichkeiten. Über den Verein Fluchtraum kann Geld für konkret angesprochene Projekte in Horn-Lehe gespendet werden. Auf dem Überweisungsträger muss der Hinweis „Runder Tisch“ und das Projekt benannt sein. Weitere Informationen unter www.runder-tisch-horn-lehe.de. Facebook: Runder-Tisch-Horn-Lehe. Die nächste Sitzung des Runden Tisches ist für Donnerstag, 5. Mai, 18.30 Uhr, geplant.

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