Rhododendronpark Bremen Schokoladenduft auf dem Pflanzenmarkt

Jährlicher Markt im Rhododendronpark lockt mit hunderten Strauden, Nutz- und Zierpflanzen Gartenfreunde aus Bremen und Umzu
31.05.2018, 15:08
Lesedauer: 3 Min
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Von CHRISTIANE MESTER

Gartenfreunde aus Bremen und umzu trafen sich jetzt beim traditionellen Pflanzenmarkt im Rhododendronpark. Einkaufen, fachsimpeln und beim Flanieren durch den Park die duftende Blütenpracht genießen – für viele Besucher ist der Markt längst ein fester Termin im Mai geworden. Die Vielfalt, die es hier zu sehen gibt, ist vielerorts selten geworden.

Elisa Vales und Sebastian Ohm haben ein klares Konzept für die Pflanzenauswahl: „Bei uns muss alles essbar sein“, sagt der junge Vater, der gerade drei Chilipflanzen ersteht. „Schärfegrad sieben – das vertragen die meisten Leute noch“, kommentiert der Händler. Am Stand von Gernot und Marisa Sturm gibt es ausschließlich das scharfe Grün zu kaufen. Viel mehr braucht Sebastian Ohm auch nicht, denn was bei ihnen Zuhause in der Vahr noch so alles wächst, zählt seine Frau Elisa Vales auf: „Spinat, Radieschen, Buschbohnen, Hopfen, Tomaten, Paprika und Möhren.“

Dabei haben sie nur einen Balkon, aber zu dieser Jahreszeit hat Sohn Rufus oft selbst angebautes Gemüse auf dem Teller. Ganz nebenbei lernt der Zweijährige etwas über die richtige Pflege. „Er gießt ganz fleißig“, freut sich Elisa Vales. Den Familienausflug zum Pflanzenmarkt unternehmen sie jedes Jahr.

„Wir sind von Anfang an mit dabei“, erzählt Ausstellerin Minte Pöppel. Mit mehr als zehn Jahren Markterfahrung weiß die Staudengärtnermeisterin, was die Kundschaft an den Stand lockt. Minte Pöppel hält nicht nur rund 200 ausgesuchte Sorten bereit, hier verströmt auch die Schokoladenblume einen appetitlich-süßen Duft nach Vollmilchschokolade. Unter strahlendem Sonnenschein läuft das asternartige Gewächs mit seinen gelben Blüten zu Höchstformen auf und erweist sich als Verkaufstalent der besonderen Art. Es herrscht Hochbetrieb. Der Grund dafür, dass sie dem Pflanzenmarkt alljährlich die Treue halten, sei aber vor allem das Konzept der Veranstaltung, sagt Doris Pöppel. „Hier stehen noch die Pflanzen im Vordergrund und nicht die Lifestyle-Produkte, die auf vielen anderen Märkten inzwischen haufenweise angeboten werden.“

In diesem Jahr präsentierten sich auf dem Gelände am Deliusweg rund 40 Aussteller. Die meisten von ihnen haben Schmuck- und Nutzpflanzen im Programm. Es gibt unzählige verschiedenartige Stauden, bienenfreundliche Pflanzen oder ausgefallene Kakteen und Fleischfressende Pflanzen. Dazwischen finden sich vereinzelt auch gartennahe Produkte. Uwe Strüssel bietet zum Beispiel besondere Pflastersteine an. Gezielt eingesetzt, unterbrechen die bunten Kunstwerke aus Keramik das schlichte Grau einer Terassen-Pflasterung und setzen farbliche Akzente auf verschlungenen Gartenwegen. „Sie sehen aber nicht nur schön aus, sie halten auch einiges aus“, versichert Strüssel. „Den Frost haben wir bei der Entwicklung mitbedacht, wir sind hier schließlich nicht in Südfrankreich.“

Winterhärte ist bekanntlich ein wichtiges Kriterium für viele Hobbygärtner. Einjährige Saisonpflanzen sorgen vereinzelt für Abwechslung und eignen sich gut für den Balkon, aber wer möchte schon jedes Jahr völlig aufs Neue mit der Gartengestaltung beginnen. So erkundigen sich viele der Marktbesucher nach der Langlebigkeit der angebotenen Gewächse. „Ich habe mich schon oft in die Nesseln gesetzt“, berichtet Heide Stremel über ihre "Supermarkt-Fehlkäufe", wie sie sagt. „Die Massenware, die auf die Schnelle im Gewächshaus hochgetrieben wird, geht im Garten schnell wieder ein oder überlebt den Winter nicht.“ Im Frühjahr zeigt sich dann, dass das Verkaufsargument der Mehrjährigkeit nicht mehr war als ein leeres Versprechen.

Gerard Versteegh, der seine Pflanzen im niedersächsischen Vorwerk zieht, hat sich auf Mini-Steingärten spezialisiert. Die alpinen Gewächse gedeihen normalerweise zwischen kargen Bergfelsen. Norddeutsches Schmuddelwetter vertragen sie nicht so gut und spätestens bei Staunässe ist Schluss mit der Blütenpracht. Mit seinen mobilen Arrangements hat Versteegh eine einfache Lösung gefunden. Die Pflanztröge und Gefäße stellt er selbst her. „Ich achte darauf, dass sie nicht zu schwer werden, so kann man sie in der feuchten Jahreszeit woanders positionieren.“

Die Samen für seine Pflanzenproduktion bezieht Versteegh von unterschiedlichen Samenbank-Vereinen. „Man gibt mindestens 20 Sorten ab und kann sich dafür aus einer Liste bis zu 30 andere bestellen“, erklärt er das Verfahren. Das Tauschprinzip sorge für eine ganz besondere Vielfalt und oftmals auch für Überraschungen. Nicht immer kommt am Ende das raus, was drauf steht. „Die Samenbank-Mitglieder geben selbst an, was sie einschicken und bei der Pflanzenbestimmung stelle ich dann fest, da wächst was ganz anderes“. Versteegh nimmt es mit Humor und gibt sich optimistisch. Irgendwann werde er den Stauden-Lein, den er schon mehrfach vergeblich bestellt hat, schon noch bekommen. Bis dahin bereichert der Zufall sein Verkaufssortiment.

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