Jugendbeirat in Bremen Horn

Selbstverwalteten Jugendtreff angeregt

Lob, Beratung und Unterstützung aus der Bremer Senatskanzlei für den Jugendbeirat in Horn-Lehe. Da sei eine bunte Truppe zusammengekommen, die sich stark engagiere.
11.07.2018, 17:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Sie haben dem Bundespräsidenten ihre Meinung zum Thema Politikverdrossenheit gesagt, waren bei „Wem gehört die Stadt?“, besuchten das demokratische Picknick und haben der Sozialsenatorin ihre Vorschläge für einen attraktiveren Spielplatz an der Vorstraße geschickt. Die Zwischenbilanz des Horn-Leher Jugendbeirats ist damit aber noch nicht zu Ende. Auf einer gemeinsamen Sitzung mit dem Fachausschuss Zukunft und Stadtentwicklung haben die Jugendlichen ihren Wunsch nach einem selbstverwalteten Jugendtreff vorgetragen.

„Mir schwebt vor, zusammen mit der Wirtschaftsförderung zu schauen, ob sich ein freies Grundstück im Technologiepark dafür anbietet“, berichtet Jessica Jagusch, stellvertretende Ortsamtsleiterin und zuständig für die Belange des Jugendbeirats. Zayd Al Qassem sieht angesichts aktueller Entwicklungen gute Chancen für das Projekt. „Es ziehen so viele neue Studenten nach Horn-Lehe – darum braucht der Stadtteil unbedingt mehr attraktive Angebote für diese Altersgruppe“, sagt er.

Öfter getagt, als geplant

An das zusätzliche Zeitpensum, das die politische Arbeit mit sich bringt und zu dem sich häufig noch Schul- oder Abistress gesellen, habe sich so mancher im Jugendbeirat etwas gewöhnen müssen, „aber das kann man hinkriegen“, sagt Al Qassem. Unterm Strich lohne sich der Einsatz allemal. Zwei Jahre bleiben die gewählten Mitglieder im Amt. „Dazu haben wir uns verpflichtet, und das sollten wir auch durchhalten, wenn nichts Wichtiges dazwischenkommt“, sagt der 17-Jährige. „Eine von uns macht jetzt ein Freiwilliges Soziales Jahr in Afrika – solche Pläne gehen dann natürlich vor.“ Dass die jüngste Sitzung des Jugendbeirats mangels Teilnehmer entfallen ist, bringt Jessica Jagusch nicht aus der Ruhe. „Für mich ist das überhaupt nichts Ungewöhnliches“, sagt sie. In anderen Stadtteilen sei das deutlich häufiger der Fall als in Horn-Lehe. „Immerhin hat der Jugendbeirat bereits öfter getagt, als er es in seiner Geschäftsordnung selbst festgelegt hat.“

Heike Blanck, bei der Senatskanzlei zuständig für Jugendbeteiligung, kennt die Jugendlichen vom Jugendbeirat Horn aus einer Reihe von Treffen und Veranstaltungen. „Es ist eine bunte Gruppe, die da zusammengekommen ist“, sagt sie. „Einige wurden in Bremen geboren, andere leben erst seit Kurzem hier und haben Fluchterfahrungen.“ Dass mal eine Sitzung ausfalle, sei kein Grund zur Sorge, sagt auch sie. „Solche Durststrecken kommen vor.“

Um die Arbeit von Jugendbeiräten zu unterstützen, bietet die Senatskanzlei den Begleitern der Jugendbeiräte Beratung an. „Die Jugendbeiräte selbst sollten sich gleich zu Beginn ihrer Arbeit eine Kennenlernfahrt oder ein Teambildungsseminar gönnen – damit wollen wir die Gruppenbildung unterstützen“, sagt Blanck. Der Spaß stehe dabei unbedingt im Vordergrund. „Protokolle und Anträge sollten nicht das Hauptthema der Jugendlichen sein“. Unterstützung bräuchten Jugendbeiräte ihrer Erfahrung nach in der ersten Zeit manchmal, wenn es darum gehe, passende Projekte zu finden oder die Wünsche der Jugendlichen ihres jeweiligen Stadtteils zu erforschen.

Jugendbeteiligung auch ohne festes Gremium

Um die Jugendbeteiligung in einem Stadtteil zu verstärken, muss es laut Blanck aber nicht immer gleich ein festes Gremium sein, das diese Aufgabe übernimmt. „Jugendliche sind mit der Kandidatur für einen Jugendbeirat für zwei Jahre festgelegt – im Jugendalter ist das eine Ewigkeit, und in dem Alter passiert ja viel mit einem“, betont sie. Oftmals existiere anfangs noch keine Vorstellung davon, was eine Mitarbeit im Jugendbeirat praktisch bedeutet. „In einigen Stadtteilen wollen Jugendliche unbedingt einen Jugendbeirat, in anderen lieber eine Konzert-Gruppe oder ein Fußballturnier“, erzählt Blanck. Wichtig sei es, die Gruppen unbedingt zu begleiten und darauf einzugehen. „Wir müssen flexibel sein“, sagt sie. „Manchmal orientieren sich Jugendliche neu, sie haben andere Themen, die sie bewegen – es sind eben junge Leute.“

Horn-Lehe könne in jedem Fall stolz sein auf seine engagierten Jugendlichen, betont Blanck. Das gelte sowohl für die Projekte des Jugendbeirats, als auch für das Horn-to-be-wild-Festival, das sie im Hintergrund von Beginn an unterstützt habe. Das Festivalgelände ist auch der Ort, an dem der Jugendbeirat Horn-Lehe erstmals öffentlich für sich werben will. „Wir sind gerade dabei, an unserer Außendarstellung zu arbeiten“, erzählt Zayd Al Qassem. „Wenn wir es noch pünktlich fertig bekommen, soll unser Logo erstmals auf dem Festival zu sehen sein.“ Danach werde sich der Jugendbeirat dann verstärkt seinem Internetauftritt widmen.

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