Stadtteil-Check in Horn-Lehe „Ich würde von hier nicht mehr wegziehen“

Am Wochenanfang war der Stadtteil-Check in Horn-Lehe zu Gast. Was die Anwohnerinnen und Anwohner an ihrem Stadtteil mögen und was nicht, lesen Sie hier.
08.09.2022, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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„Ich würde von hier nicht mehr wegziehen“
Von Eva Hornauer

Es ist Montag, eine neue Woche beginnt und auf dem Parkplatz des Lestras in Horn-Lehe herrscht geschäftiges Treiben. Nach dem sonnigen Wochenende wollen viel Anwohnerinnen und Anwohner ihren Wocheneinkauf erledigen, die Hausapotheke aufstocken oder andere Kleinigkeiten besorgen. Also alles fast wie immer, doch ein Detail ist an diesem Morgen anders. Auf dem Parkplatz parkt das Stadtteil-Check-Mobil des WESER-KURIER und lädt die Passanten ein, an der Stadtteil-Check Umfrage teilzunehmen und zu erzählen, was sie an ihrem Stadtteil mögen und was nicht.

Sauber, gepflegt und sicher – das waren die Attribute, die Ulrike Harrendorf immer besonders an Horn-Lehe geschätzt hat. Seit rund fünf Jahren nehme sie allerdings eine zunehmende Vermüllung ihres Stadtteils wahr, kritisiert sie. Und auch in puncto Sicherheit fühle sie sich in Horn-Lehe nicht mehr so unbeschwert wie noch vor einigen Jahren. „Ich fahre schon lange nicht mehr abends alleine mit der Straßenbahn“, sagt sie. Neben den Themen Müll und Sicherheit treibt sie auch das Unibad um. „Ich finde es so schade, dass das Unibad geschlossen wird – das war Kult. Meine Kinder haben dort das Schwimmen gelernt. Das hätte man sanieren können.“

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Kritikpunkte: Müll und Verkehr

Der Großteil der Beschwerden, die im Horn-Leher Ortsamt eingehen, dreht sich um das Thema Verkehr, berichtet Leiterin Inga Köstner. Spitzenreiter seien dabei die Rückstaus und Ampelschaltungen auf dem Heerstraßenzug, Geschwindigkeitsüberschreitungen in Wohnstraßen und der Radverkehr. Letzterer allerdings aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. „Die Radfahrer wünschen sich besser ausgebaute Radwege, und die Fußgänger beschweren sich über rücksichtslose Radfahrer“, erzählt sie. Doch auch, wenn hier und da mal Unzufriedenheit herrsche, stelle sich in den Gesprächen mit den Bürgern meistens schnell heraus, dass es sich unterm Strich vergleichsweise gut in Horn-Lehe leben lasse.

Als Reinhard Pridat sein Haus in Findorff verkaufte, um mit der Familie an den Achterdiek in Horn zu ziehen, ahnte er noch nicht, wie sehr der dortige Verkehrslärm ihn belasten würde. „Es hat sich so angefühlt, als würde man neben einer Zubringerstraße zur Autobahn wohnen. Das ist eine richtige Rennstrecke geworden“, erzählt er. Er sei heute extra zum Stadtteil-Check-Mobil gekommen, um für die Menschen zu sprechen, die noch am Achterdiek wohnen. Er selbst ist mittlerweile des Lärms wegen umgezogen und wohnt jetzt in einer ruhigeren Gegend in Horn-Lehe.

Die Gemeinschaft machts

Für Klaus Tanneberg-Nullmayer steht fest: „Ich bin und bleibe Bremer“. Seit 1986 lebt er in Horn-Lehe, kommt ursprünglich aber aus Schwachhausen. In seinem Stadtteil engagiert er sich. Zum Beispiel ist er im Vorstand des Bürgervereins, der sich unter anderem um das kulturelle Angebot kümmert, weshalb er das kulturelle Angebot auch für sehr gut befindet. „Die Gemeinschaft macht Horn aus. Man ist gut vernetzt“, sagt er.

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Dass der Gemeinschaftssinn hier sehr ausgeprägt ist, spürt man an diesem Montag auch auf dem Lestra-Parkplatz. Das Stadtteil-Check-Mobil wird schnell zum Treffpunkt, an dem Freunde, Bekannte und Nachbarn zufällig aufeinander treffen und einen Plausch halten. Auch Helga Kesting-Rathmann fällt das Stadtteil-Check-Mobil auf. Die gebürtige Berlinerin zog es 1997 – der Liebe wegen – nach Horn-Lehe. „Ich bin gerne hier, der Stadtteil erinnert mich an den Berliner Vorort, aus dem ich komme. Nur vermisse ich hier manchmal das pulsierende Leben, das ich noch aus Berlin kenne“, sagt sie. Nach dem Tod ihres Mannes sucht sie momentan noch nach einem Projekt für ihren Lebensabend. Sie ist zuversichtlich, dass sie dieses auch in Horn-Lehe finden wird.

Michael Koppel gefällt es in Horn-Lehe sehr gut. „Ich würde von hier nicht wegziehen, auch wenn der Stadtteil etwas dezentral aufgebaut ist. Es fehlt uns ein Kulturzentrum, in dem die verschiedenen Vereine zusammen kommen können“, sagt er. Ein Kultur- oder Stadtteilzentrum wünscht sich auch Axel Lüders, der 2001 ein Haus in Horn-Lehe gefunden hat.

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