Jugendhaus Buchte Ständig im Wartestand

Eine wirkliche Lobby hat Jugendarbeit laut David Kostial vom Jugendhaus Buchte nicht. Das macht sich bemerkbar beim Budget. Es fällt so knapp aus, dass an allen Ecken und Enden gespart werden muss.
07.03.2019, 17:25
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

„Jugendarbeit hat keine Lobby“, bedauert David Kostial vom Jugendhaus Buchte in der Buchtstraße. Und das ist aus seiner Sicht ein Dilemma: Wird die offene Jugendarbeit auch von der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport als wichtig und hilfreich empfunden, so steht dieser Empfindung ein Haushalt entgegen, der den gestiegenen Anforderungen an qualifizierte Jugendarbeit in keiner Weise Rechnung tragen kann.

Um die 15 Gruppen nutzen regelmäßig die Räume des Jugendhauses, sagt David Kostial: „Räume, für die keine Miete gezahlt werden muss, sind bei Jugendlichen gefragt.“ Neben dem Jugendcafé und dem offenen Beratungscafé, das die Arbeit mit geflüchteten Jugendlichen zum Schwerpunkt erklärt hat, gibt es auch die Konzertgruppe, die Bandauftritte organisiert, und viele Schulungen wie zum Beispiel für die Jugendleitercard (Juleica) oder die „Schuleica“, eine Jugendleiterausbildung für Schülerinnen und Schüler ab der achten Klasse.

Daneben sind noch Seminare zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) im Angebot, und der Humanistische Verband nutzt das Haus ebenso wie die Naturfreundejugend. „Man muss nicht in der Naturfreundejugend sein, um hier Räume nutzen zu können“, stellt ­David Kostial klar. „Wenn nur die Naturfreundejugend das Haus nutzen würde, wären die Räume nicht voll. Von daher haben wir ­beschlossen, das Haus für alle zu öffnen. Das bringt aber auch mit sich, dass das Haus bunt wird.“ Und wer dieses bunte Haus nutze, sei auch dafür verantwortlich, sagt Lisa Sendzik, hauptamtliche Mitarbeiterin im Jugendhaus Buchte. „Selbstorganisation heißt auch, aufzuräumen.“

Wenig Mittel im Stadtteilbudget

Eine Praxis, die funktioniert – trotz der fehlenden Gelder: „Wir haben wenig Programmmittel aus dem Stadtteilbudget, wir brauchen immer auch Drittmittel“, betont sie. Dieses Stadtteilbudget vom Amt für Soziale Dienste beläuft sich auf etwa 25 000 Euro, die Stellen der hauptamtlichen Mitarbeiter werden aus Jugendverbandsmitteln der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport bezahlt.

Üppig fließen jedoch auch diese Gelder nicht. „Wir zahlen 14 Euro brutto und damit 50 Prozent unter Tarif“, sagt David Kostial, und Lisa Sendzik ergänzt: „Wir könnten natürlich auch nach Tarif bezahlen, doch dann dürften wir nur noch zehn Stunden pro Woche arbeiten. Dann würde hier aber nichts mehr funktionieren.“

Ohne die Drittmittel, die über Stiftungen, Wettbewerbe oder Bundesmittel hereingeholt werden, wäre klassische Jugendarbeit oft nicht möglich. Das sei sonst oft nicht zu stemmen, sagt Lisa Sendzik. Wenn es zum Beispiel vor Fahrten heißen würde, dass die Kinder und Jugendlichen erst mal 100 Euro bezahlen müssten, dann würde keiner mitkommen.

„Jugendförderung ist eine ‚Kann’-Förderung, und in der Jugendverbandsarbeit werden wir bezuschusst. Bis vor drei Jahren war das ein Festzuschuss, der sich seit 2003 nicht verändert hat. Seit drei Jahren wird der Betrag jährlich zwar um drei Prozent angehoben, doch davon müssen wir alles bezahlen“, sagt David Kostial. „Wir sind ein kleiner Verein und haben nicht den Rückhalt, da ist die Finanzierung äußerst problematisch.“ Lisa Sendzik wundert sich: „Alles soll perfekter werden, nur wird es nicht unterfüttert.“ Es habe Zeiten gegeben, in denen es sowohl Kinder- als auch Jugendfreizeiten gegeben habe, erinnert sich David Kostial. „Doch das geht nicht mehr.“

Wünsche für die Buchte

„Gerne hätten wir eine auskömmliche Finanzierung, und wir würden gerne ordentliche Gehälter zahlen“, antwortet Lisa Sendzik auf die Frage, was sie sich für die Buchte wünschen würde. „Denn an Ideen, was wir noch machen könnten, mangelt es uns nicht.“ ­David Kostial konkretisiert: „Das muss radikaler ausgedrückt werden: Wir brauchen Kohle!“ Das, was sie machen, müsse vernünftig finanziert werden. „Die Gelder, die wir haben, sind zweckgebunden. Neue Sachen anzuschieben, ist nicht denkbar.“ Seit 15 Jahren sei keine ­Bewegung erkennbar, der Controllingausschuss betreibe eine Mangelverwaltung, seit Jahrzehnten erfolgten die Kürzungen schleichend.

Das sei zu bemerken, sagt FSJler „Lucky“: „Ich bekomme natürlich die mangelnden finanziellen Möglichkeiten mit und dass jeder Cent umgedreht werden muss. An der Atmosphäre im Haus merkt man es auch, wenn Kollegen frustriert sind, wenn etwas nicht stattfinden kann.“ Lisa Sendzik bringt es auf den Punkt: „Man kann keine vernünftige Jahresplanung machen und muss erst einmal abwarten, ob die Finanzierung steht.“

Weitere Informationen

Dieser Beitrag über das Jugendhaus Buchte bildet den Auftakt zu einer Serie über die
Jugendzentren im Stadtteil Mitte. Die Beiträge erscheinen in loser Folge, als Nächstes wird das BDP-Haus Hulsberg vorgestellt.

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