Offizieller Beginn des Wintersemesters

Bremer Studenten starten ins neue Semester

Alles anders – so wird auch das kommende Wintersemester an den Bremer Hochschulen sein. So starten nicht nur die Vorlesungen später, auch die Orientierungswoche dürfte weniger ausgelassen ausfallen.
01.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Chantal Moll
Bremer Studenten starten ins neue Semester

Auf dem Campus und in den Gebäuden gelten die üblichen Hygienevorschriften: Abstand halten, Maskenpflicht, Lüftungspausen und Kontaktrückverfolgungen.

Christina Kuhaupt

Das wird wieder kein normales Semester. Es wird anstrengend, aber wir wollen es noch besser machen als im Sommersemester.“ Das sagt Thomas Hoffmeister, der sich als Konrektor der Universität Bremen ein großes Ziel gesetzt hat: Er will den Studienanfängern die Chance geben, den Campus vor Vorlesungsbeginn persönlich kennenlernen zu können. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber was ist in einem Wintersemester zu Corona-Zeiten schon normal? An diesem Donnerstag geht's los.

Üblicherweise beginnen die Vorlesungen gut zwei Wochen später. Dass auch dieses Semester eine Mischung aus Präsenzlehre und Online-Veranstaltungen werden wird, hatte das Wissenschaftsressort nach Gesprächen mit den Leitungen der Universität Bremen, der Hochschule Bremen, der Hochschule Bremerhaven sowie der Hochschule für Künste bereits im Juni beschlossen. Dabei sollen Studierende des ersten Semesters an die Hochschulen kommen und Präsenzveranstaltungen besuchen können. „Wir versuchen alles, um Präsenzlehre bereitzustellen“, sagt Hoffmeister, „aber es muss sich innerhalb der Hygienevorschriften des Landes bewegen.“ Klar ist aber schon jetzt, dass das Semester nach wie vor in erster Linie aus digitalen Veranstaltungen bestehen wird.

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Das gefällt den wenigsten Studenten. Linda Swers etwa sagt: „Studieren bedeutet für mich nicht, jeden Tag stundenlang einsam in meinem Zimmer zu sitzen und mit dem Computer zu reden.“ Ihr habe das Uni-Leben in den vergangenen Monaten sehr gefehlt. Sie gehe vor allem für den Austausch mit den Kommilitonen an die Hochschule. Swers studiert einen Zwei-Fach-Bachelor in Public Health und Philosophie. Und sie fürchtet, dass es in Zukunft nur noch Online-Veranstaltungen geben könnte.

Für sie würde das einen großen Verlust der Uni-Landschaft bedeuten. Ihre Kritik: „Es ist besser geregelt, dass Leute wieder in Bars, Kinos und Fußballstadien gehen können, als dass Leuten ermöglicht wird, wieder ihrem Studium nachzugehen.“ Generell habe sie das Gefühl, als Studentin einfach hintenüberzufallen. „Dass uns was weggenommen wurde, können wohl nur die Leute verstehen, die selber studiert haben. Obwohl ich mir bewusst bin, dass es natürlich Schlimmeres gibt als das“, sagt sie.

Räume zum gemeinsamen Lernen

Besserung verspricht Konrektor Hoffmeister für Treffpunkte innerhalb der Uni. Eine Umfrage im vergangenen Semester habe ergeben, dass sich Studierende Räume zum Verabreden und zum gemeinsamen Lernen wünschen. Das versucht die Uni nun zu ermöglichen.

Bevor es mit den Vorlesungen losgeht, gibt es traditionell eine sogenannte Orientierungswoche, in der sich die Studienanfänger untereinander und den Campus kennenlernen können. An der Uni verschiebt sich in diesem Jahr sowohl der Start der Vorlesungen als auch die Orientierungswoche nach hinten: Die Orientierungswoche wird ab dem 19. Oktober veranstaltet, die Vorlesungen beginnen am 2. November. Dieselben Fristen gelten für die Hochschule Bremen.

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Normalerweise wimmelt es auf dem Uni-Campus in der Orientierungswoche nur so vor Studierenden. Ein Szenario, das sich in diesem Jahr so nicht erfüllen wird. Denn in die Räume passen im Vergleich derzeit insgesamt etwa ein Fünftel der Studierenden, berichtet Christina Vocke, Dezernentin für studentische Angelegenheiten. Außerdem gelten die üblichen Hygienevorschriften: Abstand halten, Maskenpflicht, Lüftungspausen und Kontaktrückverfolgungen.

Die Studierenden der Studiengänge und -fächer gestalten ihre Angebote für die Erstsemester in den jeweiligen Ausschüssen selber. Dazu gehören Einführungsveranstaltungen zum Studienverlauf und zum Stundenplan. Hier stellen sich auch die Lehrenden vor. Andere Veranstaltungen wie Campus-Rallyes ergänzen das Programm. Diese sind jedoch überwiegend auf zehn Personen begrenzt.

Keine Orientierungswoche an der Hochschule für Künste

An der Hochschule für Künste (HfK) beginnt die Praxis etwas früher als an Hochschule und Uni: Mit dem Start der Vorlesungen am Montag, 19. Oktober, läuft bei der HfK auch die Semesterbegrüßung an. Eine Orientierungswoche gebe es nicht, sagt Sprecherin Susanne Schäfer. Teilweise organisierten die einzelnen Studiengänge jedoch vorab Einführungsveranstaltungen.

Die Vorlesungen an der Jacobs University Bremen (JUB) laufen indes bereits. Anders als die staatlichen Hochschulen Bremens fährt die JUB das Konzept des hybriden Semesters andersherum: So besuchen die Studierenden höherer Semester Präsenz-Veranstaltungen, während die Studienanfänger bis Ende Oktober rein digital an den Vorlesungen teilnehmen. Danach ist auch für sie eine Präsenzlehre geplant. Aus der Orientierungswoche hat die JUB einen ganzen Monat gemacht. Hier konnten die Studierenden ihre Uni sowohl digital als auch vor Ort kennenlernen.

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Auch das Ende der Veranstaltungszeit verschiebt sich an der Universität um drei Wochen nach hinten auf Freitag, 19. Februar. Da das Wintersemester offiziell, wie immer, am 31. März aufhört, fehlen den Studierenden somit drei Wochen für die Prüfungsvorbereitungen. Außerdem könne es passieren, sagt Konrektor Hoffmeister, dass durch die Verschiebung der Vorlesungszeit Prüfungen in den April fallen, also in das Sommersemester. Ein Problem sieht er darin nicht, da das Wintersemester, wie auch das vergangene Sommersemester, nicht als Prüfungsversuch zähle.

Problematisch kann es jedoch mit den Praktika werden, da die Studierenden diese überwiegend in der vorlesungsfreien Zeit machen. Die Studentin Malin Ingendahl hat bei der Suche nach einem Praktikumsplatz Glück gehabt. Sie studiert Mathe und Physik mit Lehramtsoption. Ihr Praktikum in Physik dauert drei Wochen. Im Vergleich: Andere Studierende müssen in der Regel im Bachelor ein Praktikum von sechs bis acht Wochen absolvieren. Ingendahl sieht eher ein anderes Problem: „Mein Praktikum ist davon abhängig, wie sich die Schulen verhalten.“ Ihr Praktikum in Mathe verteile sich über das Semester, auch das ist abhängig von den Schulen. In der digitalen Lehre sieht die Studentin in ihren Fächern keine Probleme. „Ich finde es gar nicht so schlimm, die Situation ist nun mal so“, sagt sie. Nicht jeder Student sieht das so pragmatisch.

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