Neue Veranstaltung an der Universität dient dem besseren Kennenlernen der internationalen Gruppen / Auftritte in traditionellem Gewand

Studenten wollen sich vernetzen

Ausländischen Studierenden werden in Deutschland zwar viele Chancen geboten, aber der Weg in die Berufswelt ist nicht immer leicht. Das Fehlen von Perspektiven und der Heimatkultur führen oft zum Studienabbruch. Um die internationale Vernetzung zwischen den Studierenden voranzutreiben und ihnen neue Türen zu öffnen, hat die Universität Bremen zum ersten Mal den "International Day" veranstaltet. Mit großem Erfolg.
18.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Studenten wollen sich vernetzen
Von Kristin Hermann

Ausländischen Studierenden werden in Deutschland zwar viele Chancen geboten, aber der Weg in die Berufswelt ist nicht immer leicht. Das Fehlen von Perspektiven und der Heimatkultur führen oft zum Studienabbruch. Um die internationale Vernetzung zwischen den Studierenden voranzutreiben und ihnen neue Türen zu öffnen, hat die Universität Bremen zum ersten Mal den "International Day" veranstaltet. Mit großem Erfolg.

Horn-Lehe. Den Gang zur Mensa können sich die Studierenden an diesem Tag eigentlich sparen. Durch die Glashalle der Uni Bremen schwebt ein köstlicher Duft von Gewürzen und Leckereien aus der ganzen Welt. Der Grund dafür ist der "International Day", den die Universität zum ersten Mal veranstaltet. Neben einem Dinner durch die ganze Welt erwartet die Besucher dabei einiges an Programmpunkten.

Rund 30 internationale Studentengemeinschaften, "Communities" genannt, und Einrichtungen wie das Goethe-Institut oder der Islamische Hochschulverband Bremen haben ihren Stand aufgebaut, um über ihr jeweiliges Angebot zu informieren und sich miteinander zu vernetzen. Viele Studierende haben ein traditionelles Gewand als Tagesgarderobe ausgesucht, um ihr Heimatland zu repräsentieren.

So auch die Musikstudentin Quan Yang und ihr Freund, der Biologiestudent Chao Zhang aus China. Beide leben schon länger in Bremen, vergessen aber freilich nicht ihre Herkunft. An ihrem Stand zeigen sie chinesische Dekorationsgegenstände und Origami. "Wir haben außerdem eine chinesische Tanzgruppe mit dem Namen ,Speechlees’ gegründet, die sich einmal in der Woche trifft", erzählt Chao Zhang.

In der Mitte des Eingangsbereichs ist eine kleine Bühne aufgebaut, auf der regelmäßig ländertypische Tanzeinlagen gezeigt werden. Von einer bewegenden Tanzeinlage einer iranischen Einzeltänzerin bis hin zum Bollywood-Tanz, der alle Anwesenden zum Mitmachen animiert, ist alles vertreten. Besonders der Bollywood-Tanz hinterlässt bleibende Eindrücke. Nachdem eigentlich nur eine Frauengruppe den indischen Tanz aufführen sollte, kommen zum Schluss voller Euphorie die indischen und pakistanischen Männer dazu.

Programm fördert Studierende

Seit dem vergangenen Jahr gibt es an der Universität das Programm "Kompass-Forum-international". Es hat sich zum Ziel gesetzt, ausländische Studierende zu fördern. Viele von ihnen brechen immer noch frühzeitig ihr Studium in Deutschland ab. Mit der Vernetzung der internationalen Studierenden soll dem entgegengewirkt werden. Dieses Programm lieferte auch die Idee für den "International Day", der vom International Office und dem Konrektorat für Interkulturalität und Internationalität unter der Leitung von Professorin Yasemin Karakasoglu gemeinsam verwirklicht wurde. Allein im vergangenen Jahr haben sich 13 internationale studentische Communities an der Uni Bremen gebildet, was vor allem auch der Arbeit von Nurten Kurnaz zu verdanken ist. Sie ist studentische Hilfskraft bei "Kompass" und setzt sich mit viel Engagement dafür ein, dass der Kontakt zu den ausländischen Studenten entsteht.

Dass mehr für ausländische Absolventen getan werden muss, ist bis zur Politik vorgedrungen. Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Elombo Bolayela fordert beim "International Day", dass das Aufenthaltsrecht so angepasst werden muss, dass ausländische Absolventen eine Chance auf einen direkten Berufseinstieg erhalten. Bei fast 2000 ausländischen Frauen und Männern an der Uni ein berechtigter Einwand. "Gerade ihre Internationalität kann Bremens Wirtschaft beleben", meint Bolayela.

Jutta Paal, Mitarbeiterin beim International Office, freut sich sehr über die positive Resonanz und die hohe Beteiligung. "Der ,International Day’ ist ein überraschend großer Erfolg geworden. In der Mittagszeit waren bis zu 500 Interessierte da. Wir haben es geschafft, in sechs Stunden die Welt ein Stückchen näher zusammenzuführen."

Gerade wenn in den Heimatländern ein Umbruch stattfindet, schweißt das zusammen, denn die in Deutschland Lebenden wollen nicht unbeteiligt bleiben. Das zeigt das Beispiel der "Ägyptischen Akademiker Bremen", die sich während der Revolution in Ägypten 2011 gegründet haben. "Wir planen verschiedene Aktivitäten und setzen uns für mehr Demokratie ein. Wir organisieren ein Filmfestival", sagt Mitglied Mohamed Salem. Er wird unterstützt von seinem Freund Ahmed Hamed, der in einem Pharaokostüm die Besucher locken soll.

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