Theater an der Universität Bremen

Studierende inszenieren Shakespeare in 3 D

Horn-Lehe. Selbst altgediente Shakespeare-Fans werden sich verwundert die Augen reiben: So einen "Sommernachtstraum" haben die meisten noch nicht gesehen, denn das digitale Bühnenbild des "Theater Incognito" verspricht 3D-Effekte.
09.07.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Studierende inszenieren Shakespeare in 3 D
Von Andreas D. Becker
Studierende inszenieren Shakespeare in 3 D

Eine ungewöhnliche Version von Shakespeares "Sommernachtstraum" gibt es derzeit in Bremen zu sehen.

Petra Stubbe

Horn-Lehe. Selbst altgediente Shakespeare-Fans werden sich verwundert die Augen reiben: So einen "Sommernachtstraum" haben die meisten noch nicht gesehen. Liebesringelreigen um den Feenkönig Oberon, allerlei Liebespaare und den Athener König Theseus spielen sich in der neuen Inszenierung des "Theater Incognito" (TIC) in einem digitalen Bühnenbild ab, das 3D-Effekte verspricht. Statt der Feenwelt gibt es ein futuristisches Röhrengeflecht zu sehen, und Theseus herrscht nicht am Hofe, sondern im Büro eines Großkonzerns.

Zum modernen Ambiente passt, dass sich die Liebenden nicht beim Lustwandeln im Park, sondern auf Facebook kennenlernen. Erstmals sind für die Inszenierung nicht nur Regisseur Franz Eggstein und die Schauspieler verantwortlich. Einen entscheidenden Anteil haben zehn Studierende des Fachbereich Digitale Medien. Sie investierten viel Arbeit in die Programmierung des digitalen Bühnenbildes und hatten dabei viele Freiräume. "Wir haben uns das Stück angesehen und versucht, ein Bühnenbild zu entwerfen, das dem Zuschauer viele Interpretationsmöglichkeiten lässt", sagt Lars Grochla, der im Theater Incognito für die Technik zuständig ist und Digitale Medien studiert.

Um auf der Bühne eine Projektionsfläche für die digitalen Einspielungen zu schaffen, ist der weiße Hintergrund um 160 Grad gebogen. "Normalerweise ist ein Klassiker wie Shakespeare für uns ungewöhnlich, weil wir lieber moderne Autoren inszenieren", sagt Regisseur und Dramaturg Franz Eggstein. Der "Sommernachtstraum" habe sich wegen seiner vielen Wechsel beim Bühnenbild jedoch angeboten.

Abgedrehter Nachtclub in der Stadt

"Das digitale Röhrengeflecht beispielsweise kann alles sein, auch die Kulisse eines abgedrehten Nachtclubs", so Eggstein. Er lädt die Zuschauer ein, sich ein eigenes Bild zu machen. Theater entstehe im Kopf. "Das Bühnenbild ist absichtlich minimalistisch gehalten, aber spektakulär", ergänzt Lars Grochla. Das Schauspiel stehe aber trotz des technischen Aufwands im Mittelpunkt. "Das Bühnenbild soll den Zuschauer nicht ablenken, sondern die Handlung unterstützen." Für Eggstein ist die Inszenierung vor allem ein Experiment, das es in dieser Form noch nicht gegeben habe: "Ein klassisches Stück mit digitalem Bühnenbild ist Neuland." Letztlich werde das Publikum entscheiden, ob die ungewöhnliche Kombination funktioniere. Als textliche Vorlage hat sich das Ensemble an einer neuzeitlichen Übersetzung aus den 1990er-Jahren orientiert.

Das aktuelle Ensemble der interdisziplinären Studentenbühne besteht aus 18 Schauspielern. Aus den vergangenen Semestern sind nur noch wenige Erfahrene dabei. Trotzdem ist Eggstein mit dem Fortgang der Probenarbeit zufrieden: "Ich bin sicher, dass wir ein gutes Stück auf die Beine stellen werden." Eine tragende Säule sind außerdem die sieben Tanzszenen, die in Zusammenarbeit mit der Tanzpädagogin Nadja Braun aus der Neustadt einstudiert wurden. "Die meisten Schauspieler hatten keine Erfahrung. Wir haben uns über Improvisationen angenähert", sagt die 29-Jährige. Anders als die literarische Vorlage wird das Stück mit einem ekstatischen Tanz enden.

Mit der Sprache in Reimform hat Carolin Falke, die den Puck spielt, keine Probleme gehabt. "Das gefällt mir sehr gut und ist auch gut auswendig zu lernen", sagt die 22-jährige Studentin der Politik und Kulturwissenschaften. Simon Deggim verkörpert den Liebenden Demetrius und ist erstmals dabei. "Die alte Sprache vernünftig rüberzubringen, ist nicht so einfach", erzählt er. Mit dem digitalen Bühnenbild hat sich das Ensemble mittlerweile angefreundet. "Vor einer Woche haben wir das zum ersten Mal gesehen. Anfangs hat es schon Diskussionen gegeben", so Deggim. Daraufhin sei es an die Vorstellungen der Schauspieler angepasst worden. "Den meisten gefällt es jetzt richtig gut", sagt Carolin Falke.

Premiere ist am Sonnabend, 9. Juli, im Theatersaal der Uni, Bibliotheksstraße. Weitere Aufführungen sind am 12., 13., 15., 16., 19. und 20. Juli. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Der Eintritt beträgt sechs Euro, ermäßigt vier.

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