Seminar mit Praxisbezug

Die Nachhaltigen

Studierende der Uni entwerfen Plakat, das bewusst wirtschaftende Unternehmen in Bremen auflistet.
04.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Chantal Moll
Die Nachhaltigen

Jessica Bas (von links), Frieda Sandberg, Projektleiter Michael Pelzl, Greta Petersen und Katharina Kaiser präsentieren die im Seminar entwickelten Plakate.

PETRA STUBBE

„Dein Kassenzettel ist dein Stimmzettel für eine Welt, wie du sie gerne hättest. Nutze ihn“, steht umrahmt von bunten Farben auf dem Poster „Die Nachhaltigen 222+“. Das Plakat für den Appell eines Konsums mit Bedacht entwickelten 28 Studierende der Universität Bremen für die Stadt Bremen. Gemeinsam mit dem Lehrbeauftragten und Projektleiter Michael Pelzl und in Zusammenarbeit mit der „Hilfswerft Bremen“ suchten sie nach nachhaltigen Unternehmen und Initiativen.

„Die Entstehung des Posters war ein Prozess“, erklärt Projektleiter Pelzl. Dabei bot das Poster „Die Nachhaltigen 222 – nachhaltiger Konsum“ von der Hilfswerft Bremen aus dem Jahr 2019 die Grundlage. Darauf zu sehen waren nachhaltig wirtschaftende Unternehmen und Initiativen aus ganz Deutschland. Die Hilfswerft bietet entsprechende Bildungsveranstaltungen an Universitäten an.

Das Plus in dem Poster der Studierenden steht für die „Local Heroes“ aus Bremen – also den nachhaltigen, regionalen Konsum. Dabei bekam das Poster neben dem lokalen Bezug auch einen neuen Anstrich. Vorher war es von der Hilfswerft in Blau- und Grüntönen gehalten. Jetzt finden sich darauf alle Farben wieder.

Das Seminar der Universität lief rund drei Monate von November bis Februar. Das Poster will auf die Ziele zur nachhaltigen Entwicklung der Vereinten Nationen aufmerksam machen. Dazu gehören unter anderem die Maßnahmen zum Klimaschutz und nachhaltiger Konsum und Produktion. Das Poster zeigt Unternehmen, die eines oder mehrere dieser Ziele verwirklichen. Es gibt dabei konkrete Markenempfehlungen an und liest sich wie ein Spickzettel zum nachhaltigeren Konsum. So kann der Endverbraucher sich statt für ein kommerzielles Unternehmen auch für ein regionales Unternehmen für seinen nächsten Kauf entscheiden. Die Bereiche gehen dabei jedoch über Kleidung und Schuhe, Kosmetik, Bücher oder Lebensmittel hinaus. Sie beinhalten auch Stromanbieter, Versicherungen und Onlineshops aus ganz Bremen.

Beispielsweise die Gesellschaft für ökologisches Investment „Grüne Sachwerte“ aus der Neustadt, sie fand einen Platz auf dem Poster. „Unsere Mitarbeiter und wir freuen uns sehr über das tolle und wertvolle Projekt und hängen das Poster sobald wie möglich in unser Schaufenster in der Neustadt, und digital auf unsere Webseite“, sagt Geschäftsführer Michael Horling.

Doch die Auswahl, wer am Ende wirklich auf dem Poster landet, erfolgt nicht in Absprache mit den Unternehmen, stellt Studentin Julia Weber klar. „Wir haben die Unternehmen anhand ihrer Kriterien gewählt und sie nicht angesprochen“, sagt sie. Bei manchen Unternehmen sei es so, dass sie auf den ersten Blick ganz gut in das nachhaltige Konzept passten, bei genauerem Hinsehen stelle man jedoch fest, dass es nicht so sei. „Deshalb haben wir die Unternehmen bewusst nicht direkt angesprochen. Manchmal wird das auch etwas beschönigt und das wollten wir nicht“, betont Weber. Natürlich könne man sich auch die Frage stellen, warum das eine Unternehmen auf dem Poster gelandet sei und ein anderes nicht, sagt Projektleiter Pelzl. Ein gutes Beispiel dafür seien Secondhandläden, die eine der besten nachhaltigen Konsummöglichkeiten darstellten. „Alle Secondhandläden Bremens passen nicht auf das Plakat. Stattdessen findet sich auf dem Poster eine Internetseite, auf der man alle Läden in Bremen finden kann“, erklärt er.

Die Universität Bremen bietet neben dem Seminar mit Projektleiter Pelzl auch andere Kurse zum Thema Nachhaltigkeit an, beispielsweise die Ringvorlesung „Online Climate School“. Studentin Kira Samtleben zeigt sich begeistert von dem Seminar: „Viel mehr zum Thema Nachhaltigkeit konnte man fast gar nicht erfahren.“ Damit meint die Studentin vor allem die intensive Recherche nach nachhaltigen Unternehmen. Sie habe neue Läden und Bereiche entdeckt, von denen ihr gar nicht bewusst gewesen sei, dass man dort Nachhaltigkeit finden könne.

Besonders gut kam das Seminar bei den Studierenden an, weil es nicht so theoretisch gewesen sei wie andere Seminare. „Ich fand es total spannend, mal was in einem Seminar zu machen, wo man anschließend etwas in der Hand hat“, sagt Studentin Pia Reiter. Bei dem Poster „Die Nachhaltigen 222+“ sei genau das der Fall.

„Ich bin begeistert, was für ein tolles Projekt es geworden ist", sagt Sönke Burkert von der Hilfswerft Bremen über das Poster: Der Geschäftsführer findet das Projekt vor allem auch wichtig für die nachhaltig agierenden Unternehmen. „Meistens sind das genau die Unternehmen, die nicht so viel Geld für Werbung ausgeben können“, sagt Burkert. Das Plakat soll Läden in ganz Bremen schmücken. Dabei werde es nicht digital veröffentlicht, erklärt Pelzl.

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