Jugendhaus Horn-Lehe

Türen bleiben öfter geschlossen

Für die Arbeit im Jugendhaus Horn-Lehe steht ein Viertel weniger Geld zur Verfügung als kalkuliert.
22.01.2020, 23:00
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Von Maren Brandstätter
Türen bleiben öfter geschlossen

Das Geld für Bremens Jugendhäuser – und somit auch für das Jugendhaus Horn-Lehe – wird derzeit nicht angepasst, auch wenn die Kosten steigen.

STUBBE

Das Jugendhaus Horn-Lehe hat in diesem Jahr ein Budget von 19 1543 Euro zur Verfügung – die Kalkulation des Trägers Alten Eichen lag allerdings um 25 Prozent höher. Für das Jugendhaus bedeutet das unter anderem, die Öffnungszeiten perspektivisch reduzieren zu müssen.

Die Gelder für Bremens Jugendhäuser sind aktuell „eingefroren“, das bedeutet, sie werden nicht angepasst, sondern auf dem Vorjahresniveau gehalten. „Parallel dazu steigen natürlich die Gesamtkosten für die Einrichtungen“, erläutert Matthias Spöttel, Geschäftsführer von Alten Eichen. „Ein angemessenes und dringliches Mitwachsen über eine Finanzierung seitens der senatorischen Behörde findet nicht statt.“ Das laufe nun schon seit einigen Jahren so. „Die Schieflage für die freien Träger wird dabei immer größer“, betonter. „Deshalb müssen wir Kosten reduzieren.“ Perspektivisch werde der Etat für Programmmittel um die Hälfte auf 6000 Euro gekürzt, außerdem werde man die Instandhaltungskosten streichen und Personalstunden kürzen müssen. Das bedeute unterm Strich, dass mit ein bis zwei zusätzlichen Schließungszeiten pro Monat zu rechnen sei. In jedem Fall wolle man aber an der Ferienbetreuung und der Ferienfahrt des Jugendhauses Horn-Lehe festhalten, betont Spöttel.

Parallel zu den Sparmaßnahmen will Alten Eichen versuchen, die Einnahmen des Jugendhauses durch Vermietungen der Räumlichkeiten außerhalb der Öffnungszeiten „irgendwie zu erhöhen“. Durch diese zusätzlichen Vermietungen stiegen allerdings wiederum die Reinigungskosten und auch der Instandhaltungsbedarf. „So betreiben wir die Einrichtung in einer Art Notstand und können unsere pädagogische Arbeit nicht mehr in der Form ausüben, wie wir es für notwendig erachten“, erklärt Spöttel. „Die Umsetzung des 2014 im Jugendhilfeausschuss beschlossenen Rahmenkonzepts für die Offene Jugendarbeit wird durch die finanzielle Realität ad absurdum geführt“, kritisiert er.

Die unsichere Perspektive des Jugendhauses beschäftigt auch den Beirat Horn-Lehe. Im Rahmen seiner jüngsten Sitzung hat sich das Stadtteilparlament mit Nachdruck für den langfristigen Erhalt des Jugendhauses ausgesprochen und forderte das Sozialressort einstimmig dazu auf, die Einrichtung mit einem auskömmlichen Budget auszustatten. Um die laufenden Tariferhöhungen der Beschäftigten abzudecken, sprach sich der Beirat zudem dafür aus, bei der Aufstellung des Haushaltes 2020/21 das Budget für die offene Jugendarbeit in Horn-Lehe um mindestens 3,5 Prozent zu erhöhen. Darüber hinaus müsse eine jährliche Erhöhung der Mittel von zwei Prozent für die steigenden Betriebskosten des Jugendhauses einkalkuliert werden.

Die offene Kinder- und Jugendarbeit sei ein entscheidender Faktor, um junge Menschen in ihrer persönlichen, sozialen und kulturellen Kompetenz zu stärken, hieß es in der Antragsbegründung. Das gelinge allerdings nur mit einer vernünftigen Finanzierung, mit entsprechenden Angeboten und mit einer guten Personalausstattung. Das Jugendhaus habe für den sozialen Zusammenhalt in Horn-Lehe eine hohe Bedeutung, sei seit den 1970er-Jahren über Generationen im Stadtteil mitgewachsen und habe sich dabei als feste Größe etabliert. Das Jugendhaus sei nicht nur eine wichtige Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche aus Familien mit sozialen Problemlagen, sondern auch eine Einrichtung, die inklusive Angebote für Jugendliche mit und ohne Behinderung vorhalte, hieß es in der Antragsbegründung weiter.

Eva Bärwolf, seit 13 Jahren als Sozialpädagogin im Jugendhaus beschäftigt, dankte dem Beirat für seine Unterstützung. Einfach sei die Finanzierung in den zurückliegenden Jahren nie gewesen, „aber so kritisch wie jetzt war die Lage noch nie“, betonte sie.

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