Schlag für Bremer Wettkampfsport Uni sperrt Hallen für Zuschauer

Viele Jahre ist in den Erhalt der Sportanlagen der Bremer Uni zu wenig Geld investiert worden. Das rächt sich nun. Die ohnehin marode Klimatechnik ist endgültig ausgefallen, Zuschauer sind vorerst ausgesperrt.
30.04.2019, 21:07
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Uni sperrt Hallen für Zuschauer
Von Jürgen Theiner

Für den Wettkampfsport in Bremen ist das ein Schlag ins Kontor: Die Klima- und Belüftungsanlage der Uni-Sporthallen ist so marode, dass dort bis auf Weiteres keine Zuschauer mehr Platz nehmen dürfen. Das hat der Kanzler der Universität, Martin Mehrtens, am Dienstag in der Sportdeputation mitgeteilt. Der eigentliche Sportbetrieb, insbesondere von Schulen und Vereinen, kann in den nächsten Monaten aber weiterlaufen.

Hintergrund des Sachstandsberichts war der Auftrag des Senats an die Uni, die Rahmenbedingungen für eine Wiederaufnahme des 2017 eingestellten sportpädagogischen Studiengangs auszuloten. Mehrtens machte deutlich, dass ein solcher Neustart nicht auf die Schnelle möglich sein wird. Er rechnet mit einem Zeitraum von mehreren Jahren. Zum einen, weil zunächst ein in der Fachwelt anerkanntes Konzept ausgearbeitet und wissenschaftliches Personal rekrutiert werden müsste. Zum anderen, weil die Infrastruktur einen erheblichen Sanierungsbedarf aufweist. „Unsere Anlagen sind sehr in die Jahre gekommen“, sagte Mehrtens. Die Hallen und Außenanlagen stammten aus den Siebzigerjahren, „normalerweise sind die nach 25 Jahren abgängig“, so der Kanzler. Die Uni sei mit ihren beschränkten finanziellen Mitteln schon lange nicht mehr in der Lage, den Substanzverlust aufzuhalten. Für eine Grundinstandsetzung der Sporthallen veranschlagte Mehrtens etwa zwölf Millionen Euro, auf den Sportturm würde eine ähnlich große Summe entfallen.

Lesen Sie auch

Doch während dies eher Entscheidungen für die politischen Entscheidungsträger der kommenden Jahren sein werden, ist der Handlungsbedarf beim laufenden Sportbetrieb kurzfristiger Art. Laut Mehrtens hat die altersschwache Klima- und Lüftungsanlage der Uni-Sporthallen in der vergangenen Woche endgültig ihren Geist aufgegeben. Der Schul- und Vereinssportbetrieb könne vorerst aufrechterhalten werden, indem man Nottüren und Entrauchungsklappen öffnet und so für Frischluftzufuhr sorgt. Zuschauer könnten aber aus Sicherheitsgründen nicht mehr eingelassen werden. Um über den nächsten Winter zu kommen, werde für die Uni-Sporthallen eine mobile Klimaanlage benötigt. Technisch sei das bereits erörtert und als machbar eingestuft worden.

In der Diskussion waren sich die Sportdeputierten über den Handlungsbedarf einig. „Die Sportanlagen der Uni sind unverzichtbar, Punkt“, sagte die Vorsitzende des Gremiums, Ingelore Rosenkötter (SPD), und erhielt dafür Applaus. Mit ihrer Feststellung bezog sie sich vor allem auf den Schul- und Vereinssport, der die Hallen derzeit ganz überwiegend nutzt. Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) pflichtete Rosenkötter bei, setzte den Akzent aber etwas anders. „Eine Universität sollte neben Hörsälen auch Sportanlagen haben“, nicht zuletzt um den Studenten einen Ausgleich für die Kopfarbeit in den Seminaren bieten zu können. Stahmann wurde auch gefragt, wie nun kurzfristig mit bereits terminierten sportlichen Großveranstaltungen in den Uni-Hallen verfahren werden soll, zu denen Zuschauer erwartet werden. Die Senatorin konnte noch nicht mit Lösungen aufwarten. Von Fall zu Fall müsse geprüft werden, ob eine Verlegung an andere Standorte infrage komme, sagte Stahmann.

Lesen Sie auch

Info

Zur Sache

Mehr Geld für Bäder gefordert

Der Neubau des Westbades in Walle soll im Sommer 2020 beginnen und Ende 2022 abgeschlossen sein. Diesen Zeitplan hat Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) am Dienstag den Sportdeputierten vorgelegt. Als Kostenrahmen gilt ein Betrag von 18,5 Millionen Euro. Abweichend von den ursprünglichen Planungen soll unter anderem das Lehrschwimmbecken auf 100 Quadratmeter Wasserfläche vergrößert und im Kursbecken ein Hubboden eingesetzt werden, der eine flexiblere Nutzung erlaubt. Die Sportsenatorin stellte den Deputierten auch das Ergebnis einer aktuellen Expertise zum Sanierungsbedarf in den Bremer Bädern vor. Danach fallen zwischen 2019 und 2025 Kosten von bis zu 20,3 Millionen Euro für Instandhaltungsarbeiten an – über die bereits beschlossene Sanierung des Vegesacker Bades und die Bauarbeiten am Westbad sowie in Horn hinaus. Ein deutlich höherer städtischer Zuschuss an die Bremer Bäder GmbH sei deshalb mittelfristig unabdingbar.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+