Spielzeug-Firma Toby-Rich Uni unterstützt Existenzgründungen

Horn-Lehe. Die Universität fördert jährlich rund 15 Existenzgründungen von jungen Akademikern. Eine davon ist die Firma Toby-Rich, die Flugzeugmodelle mit Smartphone-Steuerung bauen will.
07.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Uni unterstützt Existenzgründungen
Von Jörn Hüttmann

Horn-Lehe. Innovative Ideen aus der Wissenschaft sollen auch in der Wirtschaft genutzt werden. Mit diesem Ziel fördert die Universität jährlich rund 15 Existenzgründungen von jungen Akademikern. Eine davon ist die Firma Toby-Rich, die Flugzeugmodelle mit Smartphone-Steuerung bauen will.

Tobias Dazenko und Ulrich Ditschler sind ihre eigenen Chefs. Direkt nach dem Studium gründeten die beiden Wirtschaftsingenieure die Firma Toby-Rich. Ihre Idee: Sie wollen kleine Flugzeuge produzieren, die mit Smartphones gesteuert werden. "Spielzeug für Erwachsene, sogenannte Gadgets", präzisiert Tobias Dazenko. Dass aus der Idee ein Unternehmen werden konnte, verdanken die beiden der Existenzgründer-Abteilung der Universität Bremen, Uni-Transfer.

Damit aus guten Ideen auch tatsächlich Unternehmen entstehen, die auf dem Markt Bestand haben, unterstützt Uni-Transfer seit 1988 systematisch junge Akademiker bei der Neugründung von Firmen, sogenannten "Start-Ups". "Der Kollege hat damals alleine angefangen", berichtet Martin Heinlein, Leiter von Uni-Transfer. "Heute sind wir zu siebt." Ziel seiner Arbeit sei es, durch die Existenzförderung Fachkräfte im Umfeld der Bremer Uni zu halten. "Außerdem bringt jede Neugründung der Stadt Steuern ein."

Die Arbeit von Uni-Transfer sei vor allem Hilfe zur Selbsthilfe, sagt Heinlein. Grundvoraussetzung sei eine innovative Idee, die sich auf dem Markt durchsetzen könne. "Es ist aber nicht immer einfach, Kunden davon zu überzeugen, für ein Produkt zu bezahlen." Sich auf deren Wünsche und Bedürfnisse einzustellen, sei eine der größten Hürden für die Existenzgründer, weiß er.

"Sie müssen viel Zeit für Wettbewerbsrecherchen mitbringen, die technische Machbarkeit prüfen und einen Finanzplan aufstellen", sagt Martin Heinlein. Daraus werde ein Businessplan erstellt, der Voraussetzung für die Bewerbung bei Förderprogrammen ist. "Das machen wir hier zusammen. Dafür haben wir ein Team aus Wirtschaftswissenschaftlern, Ingenieuren und Verwaltungsleuten." Tobias Dazenko und Ulrich Ditschler haben sich schon früh an Uni-Transfer gewandt. "Während unserer Abschlussarbeiten haben wir praktisch jedes Wochenende an unserem Businessplan gesessen", sagt Dazenko. Dann bekamen sie den Zuschlag für ein "Exist"-Gründerstipendium. Mit dem Programm unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Unternehmensinitiativen aus der Wissenschaft. Die "Start-Ups" bekommen bis zu 17000 Euro Startkapital und 5000 Euro für Weiterbildung. Zudem werden für ein Jahr maximal drei Stellen finanziert. Außerdem konnten die Toby-Rich-Gründer kostenlos Räume im Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik auf dem Campus beziehen.

Die Mitarbeiter von Uni-Transfer betreuen jährlich etwa 15 solcher "Start-Ups", sagt Heinlein. Bis 2018 soll die Zahl der Neugründungen verdoppelt werden. Dieses Ziel hat die Uni in der 2011 beschlossenen Ausgründungsstrategie festgehalten. "Und das können wir auch erreichen", glaubt Heinlein. Die hohe Erfolgsquote der jungen Unternehmer stimmt ihn optimistisch: "Von den vor fünf Jahren gegründeten Unternehmen sind heute noch 85 Prozent am Markt."

Eines der Paradebeispiele für solche Existenzgründungen ist das Softwareunternehmen Encoway. "Bei uns war es der Klassiker", sagt Mitbegründer Christoph Ranze. Als Informatiker entwickelte er in einem Pilotprojekt Software für einen Maschinenbauer. Die Ergebnisse waren so überzeugend, dass Auftraggeber und Wissenschaftler das Projekt gemeinsam in eine neue Firma überführten. Heute beschäftigt Encoway rund 80 Mitarbeiter.

Die Toby-Rich-Gründer stehen indes noch vor einer Herausforderung: Nach dem Auslaufen der Anschubfinanzierung sind sie auf der Suche nach Investoren. "Die Flugzeuge werden erst im Sommer marktreif sein", sagt Dazenko. "Unsere Steuerungsprogramme und die Elektronik sind aber schon fertig, die bieten wir jetzt schon anderen Unternehmen an."

In solch schwierigen Situationen können "Start-Ups" viel von erfahrenen Unternehmern profitieren, sagt Christoph Ranze. Deshalb ist der Encoway-Geschäftsführer immer noch Mentor bei Uni-Transfer. "Im Moment gibt es drei Unternehmen, die immer zu mir kommen können, wenn sie ein Problem oder Fragen haben." Ranze steht unter anderem den Spieleentwicklern von Enthusia-Studios zur Seite, die an einem ortsbasierten Rollenspiel für Smartphones arbeiten. "Das Spiel ist aber noch in der Entwicklung", sagt der Enthusia-Geschäftsführer, Hagen Schwiebert. "Christoph Ranze hat uns auf neue Geschäftsfelder aufmerksam gemacht." Dort verdienen er und seine Kollegen nun genug Geld, um das Spiel weiter entwickeln zu können. Die Toby-Rich-Gründer hatten weniger Glück mit ihren Ansprechpartnern: Die Betreuung beim Businessplan sei zwar gut gewesen, sagt Dazenko, und es seien auch Kontakte vermittelt worden. "In unserem Bereich sind die Erfahrungswerte aber begrenzt." So seien sie oft auf sich allein gestellt. "Bremen ist eben nicht Berlin."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+