Ensemble Incognito spielt „Das Leben auf der Praça Roosevelt“ an der Uni

Viel Theater für den Bachelor

Horn-Lehe. "General Studies" heißen Fächer im Universitätslehrplan, die allen Studierenden offenstehen und Pflichtveranstaltungen für den Bachelor-Abschluss sind. Das Theater Incognito bietet im Bereich Schauspiel solche Kurse an. Morgen, 25. Januar, um 20 Uhr feiert einer dieser Kurse mit dem Stück "Das Leben auf der Praça Roosevelt" Premiere im Theatersaal der Uni. Das bunte Episodenstück zeigt eine brasilianische Mischung aus Freude, Leid und Gewalt.
24.01.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Katharina Hirsch
Viel Theater für den Bachelor

Melanie Wichlein ist für das Bühnenbild verantwortlich.

Horn-Lehe. "General Studies" heißen Fächer im Universitätslehrplan, die allen Studierenden offenstehen und Pflichtveranstaltungen für den Bachelor-Abschluss sind. Das Theater Incognito bietet im Bereich Schauspiel solche Kurse an. Morgen, 25. Januar, um 20 Uhr feiert einer dieser Kurse mit dem Stück "Das Leben auf der Praça Roosevelt" Premiere im Theatersaal der Uni. Das bunte Episodenstück zeigt eine brasilianische Mischung aus Freude, Leid und Gewalt.

Mundo, gespielt von Thomas Ong, sitzt in jeder Szene auf der Praça Roosevelt – mitten auf der Bühne im Uni-Theatersaal. Ansonsten hat der Findorffer Geografiestudent in der Rolle des Mundo in dem Episodenstück "Das Leben auf der Praça Roosevelt" nicht allzu viel zu tun, während sich seine 18 Mitspieler in vielen kleinen und teils kuriosen Rollen an den unterschiedlichsten Facetten von Leben austoben.

Das Theater Incognito zeigt das Stück der renommierten Autorin Dea Loher im Uni-Theatersaal. Tanz und Lebensfreude gehen darin Hand in Hand zum Beispiel mit dem Auftritt eines Killers, der wild um sich schießt. Im gesamten Stück flackert Humor immer wieder in unterschiedlichen Spielarten auf.

Den roten Faden zwischen den Episoden bildet die Geschichte um Herrn Mirador, einen gesetzestreuen Polizisten und seinen mit Rauschgift dealenden Sohn. Drumherum entwickeln sich lauter kleine Geschichten – wie die von Vito, dem Waffenfabrikanten, der kein Waffenfabrikant mehr sein möchte und nun vor der moralischen Entscheidung steht, was wohl schwerer wiegt: Dutzende Menschen, die verhungern, weil er seine Arbeiter entlässt, oder Hunderte, die erschossen werden, wenn er weiterproduziert.

"Das Stück ist sehr sozialkritisch", sagt Roland Klahr, der mit Franz Eggstein Regie führt. "Aber es ist nicht belehrend." Es ist ein von Gewalt durchdrungenes Stück, Gewalt, die jedoch vor allem abstrakt in Form von Erzählungen und Erinnerungen ihren Platz auf der Bühne findet.

Die Neustädter Eggstein und Klahr bringen mit dieser Produktion die elfte Gemeinschaftsregiearbeit in sieben Jahren auf die Bühne. Das Theaterstück mit seiner großen Besetzung ist nach ihren Worten ideal für eine Universitäts-Lehrveranstaltung. "General Studies" nennen sich solche Angebote, die für Studenten aus allen Fachrichtungen offenstehen, aber ein Pflichtteil der Bachelor-Studiengänge sind. Das kann zu einer "Credit-Points-Mentalität" verführen, bei der Studenten einfach nur versuchen, sich den Stress des vollgepfropften Hörsaalalltags zu erleichtern, indem sie mal eben ein paar Punkte beim Theaterspielen abgreifen. Aber davon kann bei dieser Theatergruppe keine Rede sein.

Vanessa Krèmer schildert, die häufigen Proben neben all den anderen Leistungsanforderungen seien recht anstrengend. Doch sie machten auch Spaß: "Die große Gruppe motiviert sehr." Außerdem sei es ein guter Ausgleich zum üblichen Studienprogramm. Vanessa Krèmer, Studentin aus der Bahnhofsvorstadt, und ihre Horner Kommilitonin Doreen Thannheiser sind jedenfalls froh, mal aus dem Labor im Fachbereich Biologie herauszukommen.

Das dramaturgisch eingesetzte Element der Videoinstallation gehört mittlerweile fest zu Eggsteins Inszenierungen. Diesmal kommen Filmausschnitte aus "Fallen Angel" von Wong Kar-Wai als verbindende und ergänzende Elemente zum Einsatz.

Jens Duczmal, der einzige Mitspieler, der die Uni schon hinter sich hat, kennt die Arbeit mit filmischen Sequenzen. "Das trägt dazu bei, eine gewisse Grundstimmung zu erzeugen", sagt der Schwachhauser Softwareentwickler.

Besonders spannend finden die Studenten die Entwicklung ihrer Figuren und die vielen unterschiedlichen Facetten, die das Stück zu bieten hat. Und sie lieben es, ihre eigenen kreativen Ideen miteinbringen zu können. Das zeigt sich auch an einigen Rollen, die doppelt vergeben sind: "Jeder spielt sie anders", berichtet die Psychologiestudentin Inken Janßen. "Man muss die Spieler in ihrer Person und ihrer Sprache lassen", erklärt Eggstein. Wenn die Rollenvorgaben zu starr seien, ergänzt Klahr, würde die Spielweise hölzern und unglaubwürdig. So aber, wenn die Mitwirkenden jeweils ihre eigene Art mit einbringen könnten, entwickele sich eine Spielbegeisterung, die sich dann auch auf das Stück und die Zuschauer übertrage.

"Das Leben auf der Praça Roosevelt": Premiere ist morgen, 25. Januar, um 20 Uhr im Theatersaal der Universität, Bibliotheksstraße (unter der Mensa). Der Eintritt kostet acht Euro, ermäßigt fünf. Weitere Vorstellungen gibt es am 26., 29. und 30. Januar sowie am 1., 2. und 5. Februar, Spielbeginn ist freitags, dienstags und mittwochs um 20 Uhr, sonnabends um 19 Uhr. Reservierungen und weitere Informationen per E-Mail an die Adresse info@theaterincognito.de.

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