825 Jahre Horn-Lehe: Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kam der Aufschwung des Stadtteils Von der Pferdebahn zur neuen Linie 4

Horn-Lehe. Der Aufschwung im Stadtteil ist eng verknüpft mit der Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur, vor allem der Pferde- und Straßenbahn. Wichtig war auch die Verbindung zur Innenstadt und den umliegenden Gemeinden. Bereits 1906 gab es eine Autoverbindung zwischen Horn-Lehe und Lilienthal.
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Von der Pferdebahn zur neuen Linie 4
Von Andreas D. Becker

Horn-Lehe. Der Aufschwung im Stadtteil ist eng verknüpft mit der Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur, vor allem der Pferde- und Straßenbahn. Wichtig war auch die Verbindung zur Innenstadt und den umliegenden Gemeinden. Bereits 1906 gab es eine Autoverbindung zwischen Horn-Lehe und Lilienthal.

Startpunkt war die Endstelle der Straßenbahnlinie 4. Täglich wurden acht Fahrten unternommen, dafür standen zwei Omnibusse mit 24 Sitz- und acht Stehplätzen zur Verfügung. Betreiber der Linie waren Geschäftsleute aus Horn-Lehe, Lilienthal, Borgfeld und Lehesterdeich. Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde der Betrieb allerdings wieder eingestellt - er lohnte sich nicht mehr.

Zeitalter des Massenverkehrs

Das Zeitalter des 'innerstädtischen Massenverkehrs' begann in Bremen jedoch noch früher. 1876 wurde die erste Pferdebahnstrecke zwischen Herdentor und Vahrster Brücke (heute Bürgermeister-Spitta-Allee) eröffnet. Mit vier offenen und acht geschlossenen Wagen sowie acht Pferden wurden die Stadtteile Schwachhausen und Horn durchquert. In 40 Minuten konnten die wohlhabenden Bürger sicher und trocken den Weg von der Innenstadt zu den Landsitzen und Villen entlang der Schwachhauser und Horner Chaussee zurücklegen. An den Wochenenden erfreute sich die Bahnstrecke besonderer Beliebtheit. 1891 verhandelte die 'Actiengesellschaft Bremer Pferdebahn' mit Senat und Bürgerschaft um die Genehmigung zum Bau einer elektrischen Straßenbahn. Versuchsweise war diese bereits mit großem Erfolg während der Nordwestdeutschen Gewerbe- und Industrieausstellung ein Jahr vorher verkehrt. Trotzdem ging ein Sturm der Entrüstung durch Bremen. Viele Bremer lehnten den 'neumodischen Unsinn' ab, sie

fürchteten, dass ihre Uhren elektrisiert werden könnten und die Zeit nicht mehr richtig anzeigen würden. Der viel gerühmte, elektrische Betrieb würde - so die Bedenken - die Pferde scheumachen und die Fußgänger in Bedrängnis bringen.

Schließlich beruhigten sich die Gemüter. Die Bürgerschaft erteilte der Bremer Pferdebahn im Mai 1891 die Erlaubnis zur Elektrifizierung. Ein gelbes Horn an der Spitze des Zuges reichte, um den Fahrgästen die Endstation anzuzeigen. Gemächlich 'pingelte' die elektrische Bahn durch die Schwachhauser Chaussee. In Scharen kamen erholungsbedürftige Städter nach Schwachhausen und Horn, mieteten sich Sommerwohnungen und vergnügten sich in den Sommergärten. Service war zu jener Zeit in der Bahn groß geschrieben. Die Instruktionen für das Fahrpersonal wiesen den 'Conducteur' an, überall anzuhalten, wo Fahrgäste ein- oder aussteigen wollten. Die günstige Verkehrsanbindung führte zum weiteren Aufblühen der Stadtteile Schwachhausen und Horn. Auch viele Straßenbahner siedelten sich an.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges kam der Straßenbahnverkehr zum Erliegen. Aber bereits im August 1945 verkehrte die Linie 4 wieder. Anfangs zwischen Horn und dem St.-Joseph-Stift, ab September bis zum Domshof. Wegen der Zerstörung aller Weserbrücken war ein durchgängiger Verkehr bis Arsten erst ab 1947 wieder möglich.

Die wachsende Konkurrenz durch den Individualverkehr schmälerte die Bedeutung der Straßenbahn. Schließlich führte auch der Wunsch nach einer durchgängigen Verbindung vom Stadtzentrum bis nach Lilienthal im April 1972 zur Einstellung der Linie 4. Sie wurde durch eine durchgängige Omnibuslinie ersetzt. Am 29. April fuhr die letzte Linie 4 von Horn zum Marktplatz. Viele Einwohner Schwachhausens und Horns begleiteten 'ihre Linie 4' auf der letzten Fahrt.

Nach Jahren der Planung und der politischen Diskussion nahm die neue Linie 4 am 23. Mai 1998 ihre Fahrt durch Schwachhausen bis nach Horn-Lehe wieder auf. Am Nikolaustag des Jahres 2002 fuhr sie erstmalig bis nach Borgfeld.

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