Herbstserie Teil 5: Universum

Von Erdbeben und Laufrädern

Erdbebensofa, Sinnesparcours, Seilziehen: Im Universum Bremen wird Wissen spielerisch vermittelt. In den vergangenen Jahren wurde das Angebot stark erweitert. Warum ein Rätsel aber weiterhin ungelöst bleibt.
09.10.2018, 20:07
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Von Erdbeben und Laufrädern
Von Helge Hommers
Von Erdbeben und Laufrädern

Was das "Science Center" des Universum darstellt, ist nicht bekannt. Nach Wunsch des Architekten soll jeder das sehen, was er möchte.

Christina Kuhaupt

Manche erinnert es an ein Ufo, das vom Himmel gestürzt und in einen See gekracht ist. Andere meinen Ähnlichkeit mit einem Wal zu erkennen, dessen riesiger Kopf aus dem Wasser schießt. Wieder andere sehen im „Science Center“ des Universum Bremen eine geöffnete Pistazie, eine Auster oder zwei aufeinander liegende Wokpfannen.

Bei der Frage, was das Gebäude darstellt, gehen die Meinungen weit auseinander. Das aber sei ganz im Sinne des Bremer Architekten Thomas Klumpp, der es entworfen hat, erzählt Universum-Sprecherin Svenja Peschke: „Klumpp möchte, dass der Bau neugierig macht. Jeder soll seine eigene Meinung haben, jeder darf sehen, was er will.“ Im September 2000 hat das Universum erstmals seine Türen geöffnet. Die Idee dazu geht auf einige Universitätsprofessoren zurück, die Mitte der 1990er-Jahre beschlossen hatten, dass Bremen ein „Wissenschaftscenter mit ausgeprägtem Erlebnischarakter“ erhalten sollte, wie es auf der Homepage heißt.

Universum Science Center - Serie "Auszeit"

Sprecherin des Universums, Svenja Peschke, probiert sich an einer Plasmakugel auf der Natur-Ebene des "Science Center".

Foto: Christina Kuhaupt

„Viele Besucher kamen von weit weg“

Im Sommer 2007 kamen mit dem Außengelände „Entdeckerpark“ und der „Schaubox“, in der Sonderausstellungen gezeigt werden, zwei weitere Attraktionen zur Dauerausstellung hinzu. Von November 2014 bis März 2015 hatte das Universum wegen eines Umbaus geschlossen. Neue Themenbereiche sind entstanden, einige Exponate wurden ausgetauscht. „Das Universum ist inzwischen modular aufgebaut, womit wir uns am Puls der Zeit bewegen“, sagt Peschke.

Nachdem das Universum im Jahr der Eröffnung mehr als eine halbe Millionen Besucher verzeichnet hatte, waren es im vergangenen Jahr 213 000. „Früher gab es keine vergleichbare Einrichtung in der Region“, sagt Peschke. „Viele Besucher kamen von weit weg.“ Ein Viertel von ihnen stammt inzwischen aus Bremen, viele reisen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen an. In den Sommermonaten kommen viele Gäste von der Küste, es gibt zudem einige internationale Besucher. Gerade unter der Woche sind es Schulklassen, die auf Erkundungstour durchs Universum streifen, angeboten werden aber auch Seniorennachmittage.

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Aktuell wird in dem würfelförmigen Hauptgebäude des Universums das Fahrrad thematisiert. Noch bis Mai 2019 gibt es in der „Schaubox“ die internationale Wanderausstellung „Bike it“ zu sehen, die in einem Rundgang im ersten Stock gezeigt wird. Zu Beginn wird erklärt, wie ein Vulkanausbrauch im Jahr 1815 und die damit verbundene schlechte Ernte zur Erfindung des Fahrrads führte. Hierfür ist aber Muskelkraft nötig. Denn damit der dazugehörige Film auf einem Bildschirm flüssig läuft, muss einer der Besucher zeitgleich in die Pedale treten.

Ausgestellt sind zudem die ersten Modelle, mit denen der Mensch sich auf zwei Rädern fortbewegte. Darunter sind zum Beispiel Exemplare aus Holz, mit verschieden großen Reifen und mit Entwicklungen, die sich für den großen Markt nicht durchgesetzt haben, wie etwa Laufräder. Neben dem historischen Aspekt steht auch die Technik im Vordergrund. Was es etwa bedeutet, gegen hohen Widerstand anzutreten, macht der Windkanal nachfühlbar.

Wie Kräfte aufeinander wirken

Über einen Tunnel, der mehrere Meter über einer Asphaltstraße liegt, gelangt der Universum-Besucher zur Dauerausstellung in den „Science Park“. Dort gibt es auf drei Etagen Wissenschaft zum Anfassen. Im Erdgeschoss befindet sich zudem ein Café. Wem das Treiben in den hellblau, rosa und grün gehaltenen Stockwerken zu viel wird, kann sich hier mit einer Bionade, einem Slushy oder einem Crêpe auf Stühlen und Liegen ausruhen.

Auf der Technik-Etage wird unter anderem spielerisch vermittelt, wie Kräfte aufeinander wirken. Etwa bei einer Wettkampfstation, bei der sich zwei Menschen gegenüberstehen und jeweils das Ende eines Seiles in die Hand nehmen. Während einer von beiden ohne Probleme ein mit dem Seil verbundenes Gewicht zu sich zieht, wird der andere das unter noch so großer Kraftaufbringung nicht verhindern können. Schuld daran sind – wie eine Infotafel aufklärt – zwei Rollen, die die Seile so umlegen, dass auf der einen Seite die fünffache Kraft vonnöten ist, um das Gewicht in Bewegung zu setzen.

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Eine Etage höher steht der Mensch im Mittelpunkt. Die Besucher lernen etwa in einem vollkommen dunklen Parcours ihre Sinne besser kennen und wie diese sich gegenseitig beeinflussen. In einem schiefen Raum, in dem ein Tisch und mehrere Stühle stehen, nimmt der Gast seine Umgebung mit leichter Neigung wahr. Nach anfänglichem Taumeln gewöhnt sich der Körper an die neuen Einflüsse. Danach braucht er aber außerhalb des Raumes einen Moment, um sich an die normalen Bedingungen anzupassen.

Im finalen Teil der Ausstellung im obersten Stockwerk geht es um die Natur. Hier befindet sich das vermutlich bekannteste Exponat: das Erdbebensofa. Auf einer Couch, die auf einer beweglichen Rampe montiert ist, finden etwa sechs Menschen Platz. Über Knöpfe wird eines von drei Erdbeben imitiert, die sich tatsächlich ereignet haben. Je nach Wahl fängt die Rampe an zu wackeln, es donnert aus Lautsprechern, eine in einem Regal stehende Lampe scheint jeden Moment herauszufallen.

Über einen Fluss in den Entdeckerpark

Um die meisten der vielen Mitmachstationen zu erleben, braucht es mindestens anderthalb Stunden Zeit. Für eine Pause bietet sich neben dem Café das Restaurant „Kubus“ an, das im Hauptgebäude hinter dem Kassenbereich liegt. Die Auswahl an Salaten ist groß, zum Angebot gehören aber auch warme Speisen sowie Getränke. Wer sich nach dem Ausstellungsbesuch noch ein wenig an der frischen Luft verausgaben möchte, kann beispielsweise vor dem Hauptgebäude einen Kleinwagen zum Schweben bringen.

Universum Science Center - Serie "Auszeit"

Christoph Kugelmeyer und Tochter Charlotte machen eine Pause im Restaurant "Kubus".

Foto: Christina Kuhaupt

Das rote Auto steht auf einer Rampe, die über einen Hebel mit fünf Seilen verbunden ist und mit genügend starken Leuten in die Höhe gehoben wird. Über einen kleinen Fluss gelangt der Besucher in den „Entdeckerpark“. In dessen Zentrum steht ein Hügel, durch dessen Inneres ein 25 Meter langer Kriechtunnel führt. Wie es sich anfühlt, auf dem Mond herumzuspringen, macht ein überdimensionales Jo-Jo deutlich. Mithilfe von Bändern und Gewichten werden Hobbyastronauten bis zu vier Meter hochkatapultiert.

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Nur ein paar Schritte entfernt bietet die über Holztreppen erreichbare Aussichtsplattform des "Turms der Lüfte" einen Rundumblick über Teile Bremens. Zu erkennen sind etwa der nahegelegene Fallturm der Universität, aber auch die Zwillingstürme des St.-Petri-Doms und der Waller Fernsehturm. Auch das „Science Center“ des Universums erscheint von hier in anderer Perspektive, nämlich aus der Rückansicht. Um was es sich genau handelt, wird aber auch in 27 Metern Höhe nicht ersichtlich. Der silberne, ellipsenförmige Bau kann also weiterhin vieles sein – ob Wal, ob Raumschiff oder Pistazie.

Info

Zur Sache

Wissenscenter mit Erlebnischarakter

Das Universum Bremen hat montags bis freitags in der Zeit zwischen 9 und 18 Uhr geöffnet. Am Wochenende und an Feiertagen öffnet es erst ab 10 Uhr. Der Eintritt beträgt für Kinder elf Euro, Erwachsene zahlen 16 Euro. Die Familienkarte für zwei Erwachsene mit Kindern oder Enkeln kostet 40 Euro. Die Straßenbahn der Linie 6 hält fünf Gehminuten entfernt an der Haltestelle „Universität Süd“, die Busse der Linie 22 direkt vor dem Eingang an der „Wiener Straße“. Das Restaurant „Kubus“ hat täglich in der Zeit zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. Erfrischungsgetränke gibt es ab 2,20 Euro, ein Milchkaffee kostet 3,40 Euro. Der günstigste Flammkuchen kostet 8,50 Euro, der Preis für ein Wiener Schnitzel beträgt 7,90 Euro.

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