825 Jahre Horn-Lehe: Die Geschichte der Schule / Höchststand im Jahr 1950 mit 849 Kindern Waisenhaus in Klassenräume verwandelt

Horn-Lehe. In früheren Zeiten war die Leitung der ländlichen Schulen eng mit den Kirchengemeinden verbunden. Das war auch bei der "Schule thom Horne" der Fall. Bis zur Eingemeindung in die Stadt Bremen 1921 unterstanden die Bildungsstätten in Horn und Lehesterdeich dem Kirchenvorstand als zuständige Schulaufsichtsbehörde.
06.12.2010, 05:00
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Waisenhaus in Klassenräume verwandelt
Von Andreas D. Becker

Horn-Lehe. In früheren Zeiten war die Leitung der ländlichen Schulen eng mit den Kirchengemeinden verbunden. Das war auch bei der "Schule thom Horne" der Fall. Bis zur Eingemeindung in die Stadt Bremen 1921 unterstanden die Bildungsstätten in Horn und Lehesterdeich dem Kirchenvorstand als zuständige Schulaufsichtsbehörde.

Nach der Überlieferung wurde die erste Horner Schule anno 1651 gegründet. Unterrichtet wurde anfangs vermutlich im Haus des Küsters. Das erste Schulhaus entstand etwa um 1700 auf dem Kirchhof, etwa 50 Meter vom jetzigen Eingangstor entfernt. Es war eine einklassige Schule, die bald zu eng wurde. Also wurde eine zweite im Haus des Schmiedemeisters Martens eingerichtet, etwa auf dem Grundstück der heutigen Horner Heerstraße 15.

Toiletten fehlten

Als auch dieser zweite Standort nicht mehr ausreichte, entstand eine dritte Klasse im Haus des Landwirts Rotermund, Riensberger Straße 106. Von diesen drei Schulklassen ist wenig überliefert. Die Zustände sollen aber wenig angenehm gewesen sein. So hätten Toiletten komplett gefehlt.

Eine komplett neue, vierklassige Schule wurde 1866 in der Berckstraße erbaut - auf dem Grundstück des heutigen Ortsamts. Sie wurde unter dem Namen "Schule in Horn-Lehe" eröffnet. Erster Direktor wurde der "Oberlehrer Specht", der vorher auch die Einrichtung auf dem Kirchhof und die beiden Zweigstellen verwaltet hatte. Er wohnte in der Schule und betrieb zusätzlich Landwirtschaft, um sein Gehalt aufzubessern. Neben der Schule war ein Stall für eine Kuh, einen Esel, ein Schwein und Geflügel. Außerdem bewirtschaftete er ein Stück Land, das ihm von der Kirchengemeinde überlassen worden war. Mit Hilfe eines Knechts, des Esels und zuweilen auch einiger Schüler erntete er Roggen, Heu und Feldfrüchte.

Weil die vier Klassen der Schülerzahlen nicht mehr gewachsen waren, wurde im Jahr 1900 im früheren Garten des Schulleiters ein Hinterhaus gebaut. Es umfasste zwei Klassen, ein Lehrerzimmer und einen Raum für Lehrmittel. Die beiden Klassenräume waren geräumig und hell. Die äußere Erscheinung des Hauses war jedoch so unansehnlich, dass die Bevölkerung ihm scherzhaft den Namen "Tabakfabrik" verlieh. Acht Jahre später musste der Neubau um zwei Klassenräume aufgestockt werden. Gleichzeitig wurden auf dem Schulhof neue Sanitäranlagen geschaffen. Nach dem Ersten Weltkrieg stieg die Bevölkerungszahl sprunghaft an. Damit mussten weitere Klassen geschaffen werden, zuerst im Pfarrhaus Berckstraße. Später stellte das Mädchen-Waisenhaus an der Horner Heerstraße Räume zur Verfügung. Ein kompletter Umzug in das Waisenhaus, das die Stadt zu diesem Zweck inzwischen gekauft hatte, war geplant. Er scheiterte zunächst im Februar 1929 an einem Dachstuhlbrand, der durch unachtsame Schweißarbeiten beim

Umbau des Gebäudes entstanden war. Deshalb zögerte sich das Ende der Bauarbeiten hinaus, und zunächst konnten nur neun Klassen umziehen. Die Einweihung wurde schließlich am 8. April 1929 in der neuen Turnhalle der Schule gefeiert.

In den Folgejahren musste die Schule an der Horner Heerstraße auch etliche schwere Zeiten überstehen. 1938 wurde die Turnhalle beschlagnahmt und als Getreidelager eingerichtet. Ein Jahr später war die Heizungsanlage beschädigt, und die Kinder mussten in die Schule an der Schwachhauser Heerstraße umziehen. 1940 wurden einige Klassen evakuiert. Die freien Räume wurden von Bremer Behörden genutzt. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs war die Schule ein Kommandostützpunkt der Flugabwehr. Nach dem Krieg wurde der Unterricht in kalten Klassen und unter primitiven Umständen wieder aufgenommen. Die höchste Schülerzahl an der Horner Heerstraße gab es 1950 mit 19 Klassen und 849 Kindern. 1974 zogen die Klassen 5 bis 10 zur neuen Schule am Vorkampsweg um.

Aktuell wird die Grundschule an der Horner Heerstraße großflächig saniert. Für Fassadenarbeiten sowie Brandschutzmaßnahmen außen und innen werden nach Angaben der senatorischen Bildungsbehörde aus dem sogenannten Konjunkturpaket II insgesamt 3,8 Millionen Euro investiert. Außerdem wird unter anderem die Sanitäranlage modernisiert, und der Hortbereich bekommt eine Küchenzeile.

In der nächsten Folge am Montag, 13. Dezember, geht es um das verwaiste Telekom-Gelände.

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