Bundesvorsitzender der Jugendpresse Warum Schülerzeitungen das Sprachrohr aller Schüler sind

Für Martin Winter, den Bundesvorsitzenden der Jugendpresse Deutschland, ist eine Schülerzeitungsredaktion immer das Sprachrohr aller Schüler.
04.10.2018, 21:15
Lesedauer: 2 Min
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Von Heba Alkadri

Wer wissen möchte, was Schüler denken, der muss nur eine lesen. „Eine Schülerzeitung ist genau der Ort, an dem sich die jungen Menschen ausprobieren und gleichzeitig der (Schul-)Gesellschaft zeigen können, was sie gerade bewegt“, sagt Martin Winter. Für den Bundesvorsitzenden der Jugendpresse Deutschland ist eine Schülerzeitungsredaktion immer das Sprachrohr aller Schüler. Er glaubt, dass Schülerzeitungen damit auch zur Meinungsvielfalt und letztendlich zur Demokratie beitragen.

„In unserer Gesellschaft ist Demokratie einer der wichtigsten Grundwerte überhaupt – und mit dieser Tatsache unterstützt eine Schülerzeitung natürlich auch die Ziele der Erziehung eines Menschen zum mündigen Mitmenschen“, sagt Winter. Doch Demokratie fällt nicht einfach vom Himmel, sie muss gelernt werden. Wie entwickeln sich junge Menschen also zu selbstbewussten, demokratischen Persönlichkeiten und werden vielleicht sogar Journalisten?

Die Schule sei der Ort, an dem junge Menschen Grundfähigkeiten und Kompetenzen erlangen, glaubt Winter. Für ihn sind dafür vor allem drei Dinge relevant: Nachdenken, Nachahmen und Erfahrung. Durch das Nachahmen der Lehrkräfte und das eigene Handeln lernen die Schüler. Der Soziologe Richard Paluch stimmt dem zu. „Freiheit und Würde sind keine menschlichen Eigenschaften, die zu jeder Zeit da sind. Sie müssen vielmehr gesellschaftlich institutionalisiert und durch Erziehung gelernt werden, damit sie Relevanz haben und verteidigt werden können."

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In ihren Zeitungen schreiben Schüler daher über ihren Alltag und verleihen ihren Mitschülern eine Stimme, wenn diese selbst keine haben. „Genau durch diese Möglichkeiten bietet eine Schülerzeitung die beste Plattform, um Demokratie – also das sich selbst an der Gestaltung der Gesellschaft Beteiligen – zu lernen und zu leben“, sagt Winter. Schüler lernen in der Praxis, welche Rolle Journalismus spielt, was Pressefreiheit bedeutet und wie diese funktioniert. Damit stärken Schulen den journalistischen Nachwuchs.

Und dennoch werden auch bei Schülerzeitungen immer wieder Absätze gestrichen und Artikel zensiert. Auch sie kämpfen für ihre Pressefreiheit. Laut Winter wenden sich durchschnittlich ein bis zwei ernstere Fälle im Jahr an die Jugendpresse Deutschland, um Hilfe zu erhalten. Eine genaue Statistik gebe es nicht, aber würde es sie geben, wäre die Dunkelziffer noch viel höher als die gemeldeten Zahlen, sagt Winter. „Die jungen Menschen trauen sich oft nicht, gegen die Erwachsenen, die Lehrkräfte anzusprechen – auch wenn sie im Recht sind“, sagt Winter. In solchen Fällen kann die Jugendpresse Deutschland als Unterstützer angesprochen werden. So könne eine kostenfreie Rechtsberatung für Mitglieder der Landesverbände der Jugendverbände in Kooperation mit der Berliner Kanzlei Thomas Rechtsanwälte zur Schlichtung bei Verstößen gegen die Pressefreiheit beitragen. Im Notfall würden Fälle auch vor Gericht gebracht.

Doch das geschieht zum Glück nur selten. Grundsätzlich habe eine Lehrkraft objektiv die Ergebnisse eines Schülers zu beurteilen und ihn oder sie durch geeignete Hilfestellungen dazu zu ermutigen, sich selbst zu verbessern. Es könne geschehen, dass eine Lehrkraft die Objektivität als Grundsatz in der Bewertung fallen ließe und ein aus dem Kontext gerissenes Zitat in der Schülerzeitung zu einer schlechteren Bewertung führe. Doch aus seiner Erfahrung bei der Jugendpresse kennt er viele positive Beispiele, in welchen sich die Schulfamilie als solche versteht und in diesen Fällen dann vermittelnd auftritt.

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