Forschungen zu NS-Opfern

Wie an Kriegsgefangene erinnert wird

Studierende aus Bremen, der Ukraine und Russland erforschen in einem Projekt das Schicksal von sowjetischen Kriegsgefangenen vor 1945. Fokus legen sie auf eine bislang in der Forschung vernachlässigte Gruppe.
18.08.2019, 05:53
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Wie an Kriegsgefangene erinnert wird
Von Detlev Scheil
Wie an Kriegsgefangene erinnert wird

Rolf Keller hält einen Vortrag.

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Das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen in Deutschland ist bis heute eines der am wenigsten erforschten Kapitel des Nationalsozialismus. Auch in Bremen gab es Lager, in denen Kriegsgefangene elendig umgekommen sind. Für ganz Deutschland gehen Historiker davon aus, dass mehr als jeder zweite der 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen gestorben ist.

Der Verein „Kontakte-Kontakty", der sich für die NS-Opfer aus dem ehemaligen Ostblock einsetzt, hat ein gemeinsames Forschungsprojekt von Studierenden aus der Ukraine, Russland und Deutschland initiiert, das derzeit in Bremen in die Schlussphase tritt. Erarbeitet wurde auch eine interaktive Internetseite mit Quellen und Forschungsergebnissen, an der sich Bürger beteiligen können.

Seit dem vergangenen Jahr haben Studierende der Universität Bremen, aus der Ukraine und Russland untersucht, wie in ihren jeweiligen Ländern an die sowjetischen Kriegsgefangenen erinnert wird. Besonders im Blickpunkt standen dabei weibliche Gefangene, weil sie bisher in der Forschung vernachlässigt wurden. Am Dienstag, 20. August, 19 Uhr, stellen die Studenten das Projekt und die Internetplattform „Terra Oblita“ im Haus der Wissenschaft Bremen, Sandstraße 4/5, öffentlich vor. Die Plattform wird am selben Tag unter https://terraoblita.com/de freigeschaltet.

Eingangs hält Rolf Keller von der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten an dem Abend einen Vortrag über die Opfergruppe der sowjetischen Kriegsgefangenen. Der Eintritt ist frei.

Eine Aktion der Studierenden nahe dem Bremer Staatsarchiv soll zudem auf dem Präsident-Kennedy-Platz am Mittwoch, 21. August, um 12.30 Uhr an ein Bremer Lager für sowjetische Kriegsgefangene im Fedelhören erinnern. „Ziel des Projekts war es, das an sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg begangene Unrecht wieder ins Bewusstsein zu rücken“, sagt die Bremer Projektleiterin Ulrike Huhn vom Institut für Geschichte an der Universität Bremen. Die aktive Mitwirkung an der Plattform sei eine niedrigschwellige historische Lernform, die sich für die schulische Bildung gut eigne, betont sie.

Die Bremer Studierenden haben sich in Kooperation mit dem Denkort Bunker Valentin und der Gedenkstätte Sandbostel mit Lagern in der hiesigen Region auseinandergesetzt. Vor etwa einem Jahr gab es die erste Projektbegegnung in Bremen, weitere Forschungen folgten in Rostow-am-Don (Russland) und in Dnipro (Ukraine).

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