Summercamp an der Uni Bremen

Wie Studenten in drei Wochen zu Problemlösern werden

Bereits seit mehr als zwei Wochen arbeiten Studierende beim Summercamp der Bremer Uni in Unternehmen in der Hansestadt. Wo sie zum Teil herkommen und welche Vorteile beiden Seiten vom Programm haben.
21.08.2019, 04:55
Lesedauer: 4 Min
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Wie Studenten in drei Wochen zu Problemlösern werden
Von Florian Schwiegershausen

In einem kleinen Büro gegenüber vom Fallturm an der Uni knubbeln sich gleich sechs Personen auf einmal. Vier davon sitzen am Notebook und tippen; was sie da machen, sieht vielversprechend aus, der Laie versteht aber auch nicht so recht, was da vor sich geht. So ähnlich ging es vor gut zwei Wochen auch den Studierenden Gracjana Kunikowska und Shams Orya. Beide machen ihren Bachelor in Betriebswirtschaft, Kunikowska kommt aus Danzig und studiert an der Uni im englischen Coventry, Orya kommt aus Bremen. Sie sind Teilnehmer am Summercamp der Bremer Uni und sollen innerhalb von drei Wochen für ein gestelltes Problem eine Lösung finden.

So sind die Studierenden bei dem Start-up Fabular gegenüber vom Fallturm gelandet. Hier handelt es sich um eines der jungen Unternehmen in Bremen, das sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt. Der Brasilianer Leonardo de Araújo schrieb in seiner Doktorarbeit darüber, wie Künstliche Intelligenz für Kulturinstitutionen interessant sein könnte. Das war so vielversprechend, dass daraus noch an der Uni ein Start-up entstand – auch mithilfe eines Stipendiums des Bundeswirtschaftsministeriums.

Museumsdaten und Künstliche Intelligenz

Nun arbeitet Fabular daran, wie man die Daten und Informationen von einem großen Museum in der Region für mehr als nur die Präsentation im Internet verwenden kann. „Theoretisch kann daraus auch Chatbot entstehen, der im Internet gestellte Fragen ans Museum beantworten kann“, erklärt der Brasilianer Araújo. Vorgesehen ist das in diesem Projekt nicht, aber es gibt genug andere Einsatzmöglichkeiten. Ein Chatbot beantwortet Fragen automatisch, ganz so, als würde man sich mit einer realen Person unterhalten.

Gracjana Kunikowska und Shams Orya entwickeln als BWL-Studierende nun ein Konzept, für wen die Arbeit von Fabular noch interessant sein könnte. Orya sagt: „Vorher hatte ich noch nie mit einem Unternehmen für Künstliche Intelligenz zu tun.“ Dass er über das Summercamp der Uni nun dazu Kontakt hat, findet er umso interessanter. Von dem Programm hat der Bachelor-Student bereits vor einem Jahr innerhalb der Vorlesungen erfahren und sich um die Teilnahme beworben.

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Kunikowska wiederum nimmt an einem dreimonatigen Sommerprogramm der Uni teil. Das beinhaltet neben dem Camp auch ein paar Wochen Deutschkurs. Neben der Arbeit für Fabular ist es für sie auch spannend, in Bremen zu sein: „Mir gefällt es hier sehr gut. Es ist ja auch eine Hansestadt wie Danzig, wo ich herkomme.“ Außerdem findet sie es interessant, mit ihrer Arbeit einem Start-up zu helfen.

Insgesamt zwölf Unternehmen nehmen dieses Jahr am Summercamp teil, das zum dritten Mal stattfindet. Darunter sind Firmen wie Abat, Bosch, Encoway, die HKK, Hmmh, Kaefer und Stute. Die 54 Teilnehmer kommen zum Teil sogar aus den USA oder Südafrika. Zum Kennenlernen und für die Vorstellung der Projekte gab es das offizielle Starttreffen am 5. August in der Handelskammer. Kommenden Freitag sollen die Studierenden dann ihre Ergebnisse im Kraftwerk City Accelerator nahe dem Hauptbahnhof präsentieren, wo mehrere Start-ups an Geschäftsideen tüfteln.

Stellenanzeigen verbessern

Ein weiteres Unternehmen, das über das Summercamp Studierende bei sich im Haus hat, ist die Firma Freqcon, die in Bremen gegründet wurde und nun in Rethem an der Aller sitzt. Freqcon stellt beispielsweise Umrichter für Windanlagen her und forscht an Hybridspeichern. Die Wirtschaftsstudierenden Svea Beyer, Fritz Engelke und Fabian Wolf sollen mit ihrer Arbeit helfen, die Stellenanzeigen des Unternehmens zu verbessern. „Dazu haben wir Interviews mit allen Abteilungen geführt, um zu erfahren, was denn die Anforderungen an potenzielle Bewerber sind“, sagt Wolf. Was allen dreien dabei gefällt: „Durch diese Aufgabe haben wir in so kurzer Zeit alle Abteilungen kennengelernt.“ Dass sie beim Summercamp auch bei Unternehmen außerhalb Bremens arbeiten werden, war ihnen vorher nicht bewusst. Aber eine tägliche Präsenz sei nicht erforderlich. Die Interviews in den Abteilungen haben sie an einigen Tagen gebündelt, sodass sie vieles auch per Home-Office erledigen. Freqcon-Geschäftsführer Norbert Hennchen und die Qualitätsmanagement-Verantwortliche Andrea Glockmann sind gespannt auf die Ergebnisse.

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Das Dreier-Team bei Freqcon ist guter Dinge, dass es das Projekt rechtzeitig bis Freitag abschließen wird. Dafür leistet es so wie die Kollegen bei Fabular keine Nachtschichten – zumindest jetzt nicht. Das kann aber manchmal passieren, sagt Martin Holi. Als Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship, kurz Lemex, betreut er die Studierenden. Aus den vergangenen Jahren weiß er: „In den ersten zwei Wochen ist es meist sehr entspannt, aber in den letzten Tagen, kurz vor der Präsentation, kann es schon mal hektisch werden.“ Da kann die Zahl der Nachrichten auch zunehmen, die Holi auf sein Smartphone bekommt. Denn er steht per Whatsapp mit den Studierenden in Kontakt.

Maren Hartstock arbeitet an der Bremer Uni im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften im Büro für Praxis und Internationales und organisiert seit Jahren das Programm. Sie kann sagen, dass sich für die Studierenden die Mühe lohnt: „Einige haben hier beim Summercamp ihren späteren Arbeitgeber kennengelernt.“ Das ist seitens der Uni durchaus gewollt, wie Hartstock sagt: „Die Unternehmen aus der Region finden auf diese Weise Fachkräfte.“ Und die jungen Leute blieben nach Abschluss ihres Studiums Bremen und umzu treu.

Wenn die Summercamp-Teilnehmer vor den Vertretern der teilnehmenden Betrieben ihre Ergebnisse präsentieren, kommt noch ein prominenter Gast dazu: Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) hat ihre Teilnahme zugesagt, um ein paar Grußworte an die Studierenden zu richten.

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