Zukunft der Wilhelm-Focke-Oberschule

Vision von einer Klimaschule

Von Klimaschule bis Campus: Wolfgang Kirst, der neue Schulleiter der Wilhelm-Focke-Oberschule, und das Kollegium haben Pläne für die Schule. Sie soll ein neues Image bekommen.
07.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Als Wolfgang Kirst die Wilhelm-Focke-Oberschule (WFO) zum ersten Mal betreten hat, hieß sie noch Schulzentrum an der Bergiusstraße. 1983 war das. Kirst, damals 13 Jahre alt, war gerade mit seinen Eltern von Darmstadt nach Bremen gezogen. Heute ist er 51 Jahre alt und Schulleiter an der WFO.

Seinen ersten Arbeitstag an der Schule hat Kirst als relativ einsam in Erinnerung. „Der war am 1. April 2020, also mitten im Lockdown“, erzählt er. Dennoch habe sich das Kollegium schnell zusammengefunden und an einem Strang gezogen – und das nicht nur hinsichtlich der Corona-Maßnahmen. „Wir haben dieselben Schwerpunkte“, sagt Kirst. Zudem sei das Kollegium außerordentlich engagiert, sodass man „große Schritte“ machen könne.

Und genau das hat Kirst vor. Er will der WFO ein neues Image verschaffen. „Ich habe die Vision, aus der WFO eine Klimaschule nach Hamburger Vorbild zu machen“, erzählt er. Dort tragen aktuell 63 Schulen das gleichnamige Gütesiegel. „Dahinter steckt mehr als ein Energiespar-Projekt“, betont Kirst. Klimaschule zu sein bedeute, Unterrichtsinhalte an das Thema anzupassen und einen eigenen Klimaschutzplan zu entwickeln. Auch die Optimierung der schuleigenen CO2-Bilanz müsse sich auf der Agenda einer Klimaschule wiederfinden. In diesem Punkt sieht Kirst an der WFO (Baujahr 1965) noch Luft nach oben. Einige Trakte seien energetisch sehr kritisch, sagt er. „Insbesondere die Pavillons strahlen sehr viel Wärme ab.“ Ein Baustein seiner Idee, Klimaschule zu werden, sei daher perspektivisch die Sanierung, lieber noch die Erneuerung der alten Schultrakte. Dass ein solches Vorhaben Zeit, Geld und Nerven koste, sei ihm bewusst, sagt Kirst. Aber das sei es seiner Ansicht nach wert, denn nicht nur energetisch, sondern auch optisch habe die Schule erheblichen Nachholbedarf. „Die äußere Erscheinung ist ein wichtiges Kriterium bei der Schulanwahl“, sagt er. Es reiche daher auch angesichts der moderneren Oberschulen im übrigen Schulbezirk nicht aus, pädagogisch hochwertige Arbeit zu leisten, wenn der optische Eindruck nicht mithalten könne, findet Kirst.

Das Gütesiegel Klimaschule ist nicht die einzige Neuerung, die das Kollegium der WFO plant. Auch ein Campus mit der benachbarten Marie-Curie-Grundschule ist im Gespräch. Dabei soll es um mehr gehen als um einen Gebäude-Zusammenschluss, betont Kirst. „Unser Wunsch ist ein pädagogischer Campus mit einem gemeinsamen Konzept“, erzählt er. Coronabedingt laufe die Planung zurzeit zwar etwas stockend, aber für den kommenden Monat sei ein weiteres Treffen mit der Marie-Curie-Schule geplant, um die Planungen zu konkretisieren.

Das Bildungsressort zeigt sich auf Nachfrage offen für die Ideen der Schule. „Grundsätzlich finden wir besondere Ausrichtungen von Oberschulen – auch im Sinn der Profilbildung – sehr gut und unterstützen auch die Einrichtung von Campus gerne“, teilt Sprecherin Annette Kemp mit. Zunächst einmal bedürfe es nun eines Konzepts der beteiligten Schulen und natürlich zähle auch die Meinung der Schulaufsicht. Von der fühle die Schule sich insbesondere bezüglich der Campus-Idee bislang gut unterstützt, sagt Kirst. Nun hoffe er außerdem auf breite politische Unterstützung.

Ein Meilenstein für den pädagogischen Campus mit der Marie-Curie-Schule wäre aus Sicht des Schulleiters eine neue gemeinsame Mensa. Eine, in der nicht nur gegessen wird, sondern die außerdem als Aula genutzt werden kann und Platz für eine separate Arbeitsetage mit Lese-Ecken bietet. Letztere sollte nach Kirsts Vorstellung optisch möglichst atmosphärisch gestaltet werden und nicht allzu sehr an Klassenräume erinnern. Um den Campus-Gedanken weiter auszuschöpfen, sei hier möglicherweise das Nachhilfe-Konzept „Schüler helfen Schülern“ vorstellbar. Auch die Idee, die Schule mehr in den Stadtteil zu öffnen, und beispielsweise Senioren anzubieten, in der Mensa günstig Mittag zu essen, findet Kirst reizvoll. „Vielleicht ergeben sich auf diesem Weg ja auch Kooperationen mit Menschen aus dem Stadtteil, die zum Beispiel Lust hätten, eine AG anzubieten.“

Andrea Barthe, Leiterin der Marie-Curie-Schule, findet die Idee eines durchgehenden pädagogischen Konzepts von Klasse 1 bis 10 genauso attraktiv wie ihr Kollege von der WFO. Für das Kollegium einer Grundschule sei es natürlich wünschenswert, dass die Arbeit, die man investiert habe, über die vierte Klasse hinaus fortgesetzt werde. Problematisch seien ihrer Ansicht nach allerdings die teils unterschiedlichen Voraussetzungen der Schulen. Beispielsweise sei die Grundschule anders als die WFO kein Ganztagsbetrieb. „Außerdem ist unsere Schule zweizügig, und die WFO ist vierzügig“, gibt sie zu bedenken. Der Wechsel von Klasse vier nach fünf würde dadurch konzeptionell angesichts einer Vielzahl neuer Schüler aus anderen Grundschulen möglicherweise erschwert werden. Könne man diese Problemstellungen im Vorfeld zur allgemeinen Zufriedenheit klären, wäre ein Campus aus pädagogischer Sicht eine absolute Bereicherung, betont Barthe.

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