Rücktritt vom Rücktritt

Zukunft von Uni-Kanzler weiter unklar

Die Zukunft von Uni-Kanzler Martin Mehrtens ist weiterhin unklar. Am Dienstag hat die Universität dementiert, dass die Gespräche schon abgeschlossen sind. Es könnte dabei um Geld gehen.
14.01.2020, 21:30
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Zukunft von Uni-Kanzler weiter unklar
Von Frank Hethey
Zukunft von Uni-Kanzler weiter unklar

Schauplatz der Kanzler-Personalie: die Universität Bremen

Kuhaupt

Neue Kapriole um die Zukunft von Uni-Kanzler Martin Mehrtens: Jüngsten Informationen zufolge ist der Verbleib von Mehrtens doch noch keine abgemachte Sache. Die Gespräche zwischen Rektor Bernd Scholz-Reiter und Mehrtens liefen noch, es handele sich um ein „schwebendes Verfahren“, heißt es vonseiten der Universität Bremen. Das bestätigte jetzt auch das Wissenschaftsressort und revidierte damit ein Stück weit die eigene Mitteilung vom Vortag. „Es gab Gespräche“, sagte Behördensprecher Sebastian Rösener am Dienstag. „Einen geordneten Übergang zu schaffen, muss das Ziel der Uni sein.“

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Wie berichtet, hatte Mehrtens am Donnerstag um seine sofortige Entlassung aus dem Kanzleramt und seine Versetzung in den Altersruhestand gebeten. In einer Mail an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität hatte Scholz-Reiter die „überraschende Entscheidung“ bedauert und betont, die Gründe hätten nichts mit der Uni oder der Person des Kanzlers zu tun. Am Montag dann plötzlich die scheinbare Kehrtwende, als das Wissenschaftsressort mitteilte, Kanzler Mehrtens habe seinen Antrag zurückgezogen und werde bis Jahresende im Amt bleiben.

Nach Informationen des WESER-KURIER geht es in der Causa Mehrtens um die Berechnung der Pensionsleistungen des Kanzlers. Dem Vernehmen nach fürchtete der 66-Jährige, aufgrund einer Neuregelung des Beamtenrechts im kommenden Jahr weniger Altersbezüge zu erhalten als erwartet. Danach werden für die Höhe der Pension künftig die Bezüge der vergangenen zehn Jahre zugrunde gelegt. Mehrtens ist aber erst seit Dezember 2013 Kanzler, zuvor hatte er die Position ein Jahr lang kommissarisch bekleidet. In einer vorschnellen Reaktion soll sich Mehrtens daraufhin zu seinem Rückzug entschlossen haben.

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Wie aus gut unterrichteter Quelle verlautet, sind die Wogen unter Vermittlung von Wissenschaftsstaatsrat Tim Cordßen geglättet worden. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass Mehrtens wirklich bis Jahresende im Amt bleibt. Die am Montag verbreitete Erfolgsmeldung vom Verbleib des Kanzlers kommentierte Kristina Logemann, Leiterin der Hochschulkommunikation, mit den Worten: „Die Wissenschaftsbehörde hat sich positioniert.“ Auf die Frage, wie viel Zeit das „schwebende Verfahren“ um die Zukunft des Kanzlers in Anspruch nehmen werde, ob es sich um eine Sache von Tagen, Wochen oder Monaten handele, entgegnete sie: „Sicher nicht von Monaten.“

„Kurzschlusshandlung“

Diesen Kenntnisstand hat auch Solveig Eschen (Grüne), die Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft, Medien, Datenschutz und Informationsfreiheit. „Derzeit laufen Gespräche, um einen vernünftigen Übergang zu organisieren“, sagte die 38-Jährige. Unter anderem mit Hinweis auf den noch auszulotenden Wissenschaftsplan hält sie eine personelle Kontinuität für außerordentlich wichtig. „Da wäre es sehr wünschenswert, dass wir nicht auf einmal ohne Kanzler dastehen.“ Eschen setzt auf eine vernünftige Übergangslösung. „Und darauf, dass Herr Mehrtens die Bereitschaft hat, seine Kanzlerschaft fortzuführen.“

Allgemeine Ratlosigkeit herrscht unterdessen im politischen Umfeld. „Wir würden auch gern wissen, was den so zuverlässigen und disziplinierten Herrn Mehrtens veranlasst hat, solch einen Schritt zu tun“, sagte die Bürgerschaftsabgeordnete Susanne Grobien (CDU), Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft, Medien, Datenschutz und Informationsfreiheit. Die 59-Jährige schließt eine „Kurzschlusshandlung“ nicht aus. Womöglich habe sich Mehrtens über einen Vorfall so geärgert, dass er spontan das Handtuch hingeworfen habe. Fraglich sei allerdings, ob das Beamtenrecht es überhaupt erlaube, sich praktisch selbst zu entlassen.

Ausgewiesener und kompetenter Fachmann

Von den Vorgängen „überrascht“ wurde auch ihr Ausschusskollege Magnus Buhlert (FDP). Mit einem Antrag im vertraulichen Teil der nächsten Ausschusssitzung am 5. Februar will er Licht ins Dunkel bringen. Im vertraulichen Teil kommen Personalangelegenheiten zur Sprache. Von der Verwaltung will Buhlert erfahren, wann die Stelle neu ausgeschrieben wird. Ähnlich äußerte sich die Ausschussvorsitzende Eschen. Mindestens intern plant sie, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Einigermaßen „irritiert“ über das Hin und Her in der Causa Mehrtens zeigten sich auch die Linken. Bei der Neubesetzung der Stelle hoffe man auf ein geordnetes Verfahren, so Fraktionssprecher Tim Ruland.

Martin Mehrtens eilt der Ruf voraus, ein ausgewiesener und kompetenter Fachmann zu sein. Als Kanzler kümmert sich der 66-Jährige um alle Finanz- und Verwaltungsbelange, dagegen befasst sich der Rektor mit Forschung und Lehre. In der Hochschule quittieren zahlreiche Mitarbeiter die tagelange Hängepartie mit Kopfschütteln. „Das Gros der Professoren ist irritiert“, sagte ein Insider, der namentlich nicht genannt werden möchte. Erst kürzlich habe man den Eindruck gewonnen, Mehrtens sei mit neuem Elan bei der Sache – umso überraschender sein Rücktrittsgesuch.

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