Norddeutsche Mission Zwischen Bremen und Afrika

Die Machthaber in Togo verwiesen Hannes Menke wegen kritischer Äußerungen des Landes. Nun geht der streitbare Pastor in den Ruhestand - nach 16 Jahren als Generalsekretär der Norddeutschen Mission.
08.05.2019, 06:13
Lesedauer: 3 Min
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Von Hanni Steiner

Vorn im Eingang steht eine hölzerne Figurengruppe – mehrere miteinander verschlungene Menschen als Symbol für die heutige Norddeutsche Mission (NM) Bremen-Afrika. Und so möchte deren Generalsekretär Hannes Menke die Arbeit dieser Einrichtung auch verstanden wissen: 184 Jahre nach ihrer Gründung ist die Zentrale in Bremen-Horn das greifbare Zentrum einer eng miteinander verschlungenen Gemeinschaft deutscher und afrikanischer Kirchen. Nach 16 Jahren als NM-Generalsekretär wird Menke am 10. Mai in der Kulturkirche St. Stephani in den Ruhestand verabschiedet. Gerade ist er von einer letzten offiziellen Reise nach Togo und Ghana zurückgekommen: „Wir hatten dort unsere Hauptversammlung. Afrika ist ein Teil meines Lebens, dort wohnen einige meiner besten Freunde.“

Die Norddeutsche Missions-Gesellschaft war 1836 als Zusammenschluss mehrerer deutscher evangelischer Kirchen in Hamburg gegründet worden. Ihr Ziel: Missionierung in Neuseeland, Indien und Westafrika. Engagierte Christen wollten den „armen Heiden“ das Evangelium verkünden, um sie aus der „Finsternis“ zu erlösen.

Etwa 150 Jahre hat es gedauert, bis aus diesen Beziehungen mit Nord-Süd-Gefälle ein Freundschaftsbund wurde, der heute im gegenseitigen Austausch mit Togo und Ghana in Westafrika lebt. Aus Mission im Sinne von „Missionieren“ ist Mission im Sinne von „Auftrag“ geworden. Vorangetrieben und moderiert hat diesen Wandel unter anderen auch Hannes Menke als einer der Generalsekretäre der jüngeren Zeit. Englisch reden in Ghana, französisch in Togo – Hannes Menke kennt inzwischen beide Länder wie die sprichwörtliche Westentasche und ist stets gut informiert über politische und gesellschaftliche Vorgänge in Westafrika.

Bremen kannte er schon

Was macht so viel Freude an dieser Arbeit, welchen Gewinn verbucht er für sich nach 16 Jahren auf der Brücke zwischen Afrika und Deutschland? Auf das Studium in Göttingen und Amsterdam, dem Vikariat in Aumund, Blockdiek und in der Vahr waren Stellen als Pastor in Hastedt und Lüssum gefolgt und: sechs Jahre bei der Evangelisch-Presbyterianischen Kirche von Togo. Was hat ihn gereizt, in Afrika als Pastor zu arbeiten? Antwort: „Bremen kannte ich doch schon.“

Gewonnen habe er in diesen sechs und in späteren Jahren vor allem eine neue Sicht auf die Welt und das Leben: „Meine Wahrnehmung der Welt, das habe ich gelernt, ist nur eine Möglichkeit unter anderen. Wir in Deutschland untersuchen Wirkungszusammenhänge und erklären uns – als Folge der Aufklärung – die Welt rational. Wir haben sie ‚entgeistert’. Für Afrikaner sind spirituelle Kräfte jedoch Realität. Ich habe damit keine Probleme.“ Die Menschen in Afrika hätten ihn gelehrt, das Leben auch bei Schwierigkeiten einfach anzupacken und mit dem nur halb gefüllten Glas zurecht zu kommen, während in Deutschland schnell geklagt werde, das Glas sei ja halb leer.

Während der Jahre in Togo lebten Hannes Menke und seine Frau Britta in einer Diktatur. Als der Geheimdienst einen Brief abgefangen hatte, in dem sie das deutlich sagten, wurden sie des Landes verwiesen. Als sich aber die politischen Verhältnisse in Togo änderten, konnten sie nach einiger Zeit zurückkehren. Bis heute unterstützt die Norddeutsche Mission die togoische evangelische Kirche in ihrem Eintreten für Demokratie, Menschenrechte und gewaltfreie Konfliktlösung. Damit wirkt sie durchaus auch politisch: „Die Opposition in Togo hat keine Chance. Aber die Kirche als moralische Institution ist dort geachteter als bei uns, deshalb ist sie wichtig, allerdings bei der Obrigkeit auch nicht immer wohlgelitten.“ Beim Stichwort Ghana strahlt Hannes Menke: „Das ist eine deutliche Erfolgsstory. Es hat mehrfach einen friedlich verlaufenen Machtwechsel gegeben und deshalb haben Bevölkerung und Wirtschaft wieder Vertrauen.“

Sechs Kirchen gehören zur Norddeutschen Mission

Zur NM gehören sechs Kirchen: Die Bremische Evangelische Kirche, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, die Lippische Landeskirche, die Evangelisch-Reformierte Kirche in Nordwestdeutschland sowie die beiden evangelisch-presbyterianischen Kirchen in Togo und Ghana, die Mitglieder in den Vorstand entsenden. Sie finanziert sich über Mitgliedsbeiträge der vier deutschen Kirchen, über Spenden sowie Zuschüsse einiger Wohlfahrtsorganisationen. Sie sammelt Spenden für bestimmte Vorhaben der ghanaischen und togoischen Kirchen wie Schul- und Gesundheitsprojekte, für Brunnenbau oder für kleine Start-Ups vor allem von Frauen.

Unter dem Stichwort „Sichtwechsel“ gibt es einen regen Austausch von afrikanischen und deutschen Theologen. Chöre haben Deutschland besucht und überall das Publikum begeistert. Deutsche Freiwillige helfen über einen längeren Zeitraum in den afrikanischen Gemeinden, in Schulen, bei besonderen Projekten und kommen mit einem neuen Blick auf die Welt zurück. Die NM-Zentrale in Bremen mit einer Handvoll Mitarbeitern organisiert, moderiert und finanziert so gut sie kann.

Was empfiehlt jemand seiner schrumpfenden Kirche, der 16 Jahre zwischen Deutschland und Afrika gependelt ist? „Die deutschen Kirchen sind überraschend vielseitig in der Gesellschaft präsent, sie müssten nur für alle Menschen besser erkennbar sein.“ Und was plant er für den Ruhestand? „Erstmal einen langen Urlaub mit dem Wohnmobil – in Skandinavien.“

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