Entsorger lässt Kunden warten

Engpass bei der Gelben Tonne in Bremen

Ein Huchtinger versucht seit Anfang März, Ersatz für seine zerstörte gelbe Tonne zu bekommen, und hat recht unterschiedliche Begründungen des Entsorgers RMG erhalten, warum das nicht möglich sei.
05.05.2020, 06:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Engpass bei der Gelben Tonne in Bremen
Von Justus Randt
Engpass bei der Gelben Tonne in Bremen

Gelbe Tonne statt gelber Sack. Wer wechseln will, kann lange warten. Und geht eine Tonne zu Bruch, ist derzeit nicht mit Ersatz zu rechnen.

INGO MOELLERS

Es ist noch kein Jahr her, dass in Bremen Beschwerden über die Gelbe-Tonne-Vergabe der zuständigen Rohstoffmanagement GmbH (RMG) aus Eltville am Rhein unüberhörbar laut geworden sind. Seit der Übernahme der Wertstoffsammlung durch RMG zum Jahr 2018 waren ungezählte Bremerinnen und Bremer, die vom gelben Sack auf die gelbe Tonne umsteigen wollten, auf Probleme gestoßen. Manchen kam und kommt es eher wie Widerstand seitens RMG vor. Holger Sagehorn aus Huchting beispielsweise versucht aktuell, Ersatz für eine bei der Leerung zerstörte Tonne zu erhalten. Inzwischen ist ihm klar, dass er wohl lange darauf warten kann.

Sieben Wochen lang hat er nach eigenen Angaben versucht, per E-Mail auf einen „verbindlichen Liefertermin“ für eine neue Tonne hinzuarbeiten. Zunächst, Anfang März, sei alles recht zügig gegangen: Ein bis heute namenlos gebliebenes Serviceteam habe prompt reagiert und ein paar Informationen zur kaputten Tonne und Fotos angefordert. Das alles war innerhalb zweier Tage erledigt und Sagehorn sah der Bearbeitung seiner „Reklamation“ zuversichtlich entgegen. Bis er Mitte April auf Nachfrage erfuhr, dass „die Umstellung diverser Landkreise bundesweit von Sack auf Tonne“ zu Engpässen bei den Lieferanten geführt habe. Man rechne aber damit, dass es in Kürze klappe.

Lesen Sie auch

Der Huchtinger reagierte höflich, aber „angesäuert“, mit einem Hilferuf. Nun bat das RMG-Serviceteam um Verständnis: „Aufgrund der Corona-Krise haben wir die Auslieferung und den Austausch vorübergehend ausgesetzt, um die Mitarbeiter nicht unnötigen Risiken auszusetzen. Wir werden die Tonnenlieferung schnellstmöglich wieder aufnehmen, sobald die Lage es zulässt.“ Mit diesem Argument ließe sich die gesamte Müll- und Wertstoffabfuhr einstellen, schien es Sagehorn. Doch er versuchte erneut, ans Ziel zu kommen: Er wies darauf hin, dass die Tonne hinterm Haus stehe und ganz ohne persönlichen Kontakt ausgetauscht werden könne.

Als darauf keine Reaktion mehr kam, wandte er sich an den WESER-KURIER. Marc Gaber, Projektleiter für die Glas- und Leichtverpackungsentsorgung bei RMG und Ansprechpartner für die dualen System, erklärt den Missstand auf Nachfrage so: „In der aktuell anhaltenden Corona-Pandemie stehen wir vor der Situation, dass die Bürger deutlich mehr Leichtverpackungen zur Entsorgung bereitstellen. Diese deutlichen Mehrmengen an anfallenden Leichtverpackungen und die enorme Zunahme der Fehlbefüllungen der gelben Säcke beanspruchen unsere Mitarbeiter über das übliche Maß hinaus.“

Lesen Sie auch

Weiter heißt es in dem Schreiben: „Zur Verringerung des Ansteckungspotenzials steht die Erfassung der Leichtverpackungen in der Stadt Bremen an erster Stelle. Es ist auch unsere Pflicht, unsere Mitarbeiter zu schützen und die Entsorgungssicherheit zu gewährleisten. In dieser Krise benötigen wir unsere erfahrenen und gesunden Mitarbeiter, um diese Aufgabe zu meistern.“

Stabile Tonnen statt der flatterhaften, manchmal zerrissenen Säcke könnten dieses Ziel vielleicht unterstützen. Aber daraus, dass sie den Sack bevorzugen, machten die Grüne-Punkt-Sammler kein Hehl: Im vergangenen Jahr hatte es geheißen, die Bremer gelben Tonnen wiesen einen „hohen Fehlwurfanteil“ auf – sprich: Sie würden häufig falsch befüllt. Wie man es auch dreht und wendet: Es ändert sich nichts daran, dass der Vertrag, den RMG mit dem kommunalen Entsorgungsbetrieb hat, die freie Wahl zwischen Sack und Tonne vorsieht.

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+