Diskussion zur Beiratswahl

Beim Bürgergespräch redeten vor allem die Kandidaten

Eine Podiumsdiskussionen in Bremen-Huchting zur Beiratswahl wurde vor rund 50 Zuhörern zum Schaulaufen der Bewerber.
31.03.2019, 06:44
Lesedauer: 2 Min
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Von Mats Vogt
Beim Bürgergespräch redeten vor allem die Kandidaten

Warben für die Beiratswahl (von links): Walter Hamen (BIW), Ivonne Averwerser (CDU), Falko Bries, (SPD) Renate Otto-Kleen (Grüne) und Michael Horn (Linke).

Scheitz

Wie sieht politische Bürgerbeteiligung eigentlich in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren aus, wenn zu einem Austausch mit den Menschen aus den jeweiligen Stadtteilen gerufen wird? Nimmt man die jüngste Podiumsdiskussion in Huchting als Maßstab, dann würde es ruhig und verlassen aussehen, weil alle Plätze leer bleiben. In der Begegnungsstätte Helga-Jansen-Haus wurde zur Bürgerbeteiligung gerufen, aber es kamen gerade mal 50 Personen.

Im Publikum saßen überwiegend Menschen im Alter zwischen 60 und 70 Jahren. Es stellt sich die Frage: Warum interessieren sich die Jüngeren nicht für Politik? „Uns fehlt die mittlere Generation, Menschen zwischen 30 und 60 Jahren setzen ihre Prioritäten anders. Sie kümmern sich in erster Linie um die Familie und den Beruf“, glaubt der Projekteiter des Helga-Jansen-Hauses, Hubert Resch, die Ursachen zu kennen.

Eigentlich war die provozierende Aussage „Die Politiker hören nicht auf uns! Die machen was sie wollen“ von Huchtings Quartiersmanagerin, Inga Neumann, Auslöser, endlich mal ein Gespräch zwischen Politikern und Bürgern stattfinden zu lassen. Zu einem regen Austausch ist es während der eineinhalb Stunden aber nicht wirklich gekommen. Die eingeladenen Politiker nutzten die Bühne hauptsächlich, um Werbung für sich selbst zu betreiben - zwei Monate vor der Bürgerschaftswahl in Bremen kam ihnen dieses Forum wie gerufen.

Das Bürgergespräch wurde zur Casting-Show, die Vertreter der verschiedenen Parteien wie Renate Kleen-Otto (Beiratsmitglied und Kandidatin der Grünen), Ivonne Averwerser (Stellvertretende Beiratssprecherin und Kandidatin der CDU), Falko Bries (Beiratssprecher von der SPD), Michael Horn (Beiratsmitglied und Kandidat der Linken) und Walter Hamen (Bürger in Wut) versuchten sich in das bestmögliche Licht für ihrer potenziellen Wählerinnen und Wähler zu rücken. Jeder bekam sieben Minuten Zeit, sich und sein Programm vorzustellen. Wirklich Neues hat man von ihnen über die Problematik im Stadtteil Huchting nicht erfahren. Im Kern ging es um fehlende Kindertagesstättenplätze, die Integration von Neubürgern, mangelnde Qualität der Rad- und Fußwege, die Sauberkeit im Stadtteil, unzureichenden öffentlichen Nahverkehr und die umstrittene Verlängerung der Straßenbahnlinie 1. Grünen Politikerin Renate Kleen-Otto thematisierte noch das große Ganze. „Wir müssen uns um unseren Nachwuchs kümmern und den Klimawandel stoppen“.

Die Lösung hatte sie dafür auch nicht parat, sie wusste aber, was in ihrer Region wichtig ist, und zwar den Wohnraum zu verdichten und nicht weitere Grünflächen anzugreifen. Während der manchmal holprigen Vorstellung der Protagonisten, hörte man im Publikum immer mal wieder Raunen, Murren und Stöhnen in dem engen Diskussionssaal der Begegnungsstätte. Erst später kam es zu Fragen der Zuhörer. Dabei drehte es sich vornehmlich um Kleinteiliges, so ärgerte sich unter anderem eine Frau darüber, dass es spätabends keine Busverbindungen mehr aus der Stadt nach Huchting gäbe. Das erschwere den Theaterbesuch.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Hubert Resch, Vorsitzender des Vereins „Aktive Menschen Bremen“. Er stellte die besondere Rolle des Huchtinger Beirats heraus. „Die Gremiumsmitglieder engagieren sich sehr für den Stadtteil, arbeiten trotz unterschiedlicher politischer Ausrichtungen oft Hand in Hand“, ließ Resch wissen. Er bemängelte allerdings, dass der Senat viele Forderungen einfach abblocke.

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