Fünf Tage 'Sommerwerkstatt Bildhau' BuS-Gelände verwandelt sich in großes Freiluft-Atelier

Huchting. In der 'Sommerwerkstatt Bildhau' auf dem Außengelände des Bürger- und Sozialzentrums richten drei Künstler in diesem Sommer wieder kleine und öffentliche Ateliers ein, sodass Besucher ihnen bei der Arbeit zusehen können.
01.07.2010, 11:20
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BuS-Gelände verwandelt sich in großes Freiluft-Atelier
Von Ulrike Troue

Huchting. Hereinspaziert ins offene Atelier! In der 'Sommerwerkstatt Bildhau' auf dem Außengelände des Bürger- und Sozialzentrums (BuS) richten drei Künstler in diesem Sommer wieder kleine und öffentliche Ateliers ein, sodass Besucher ihnen bei der Arbeit zusehen können. Kreativen Köpfen wird von Mittwoch bis Sonntag, 28. Juli bis 1. August, außerdem die Möglichkeit eröffnet, sich selbst im plastischen Gestalten auszuprobieren.

Die Künstler weisen Interessierte mit und ohne Vorkenntnisse ins plastische Arbeiten ein, sie stellen die Materialien vor, erklären die Werkzeuge und demonstrieren die Technik. Wer's probieren möchte, kann auch spontan dazustoßen. Die Teilnehmergebühr beträgt 25 Euro plus 15 Euro für Material pro Tag. Die 'Sommerwerkstatt' auf dem BuS-Gelände an der Amersfoorter Straße 8 ist während der fünf Projekttage täglich von 11 bis 18.30 Uhr geöffnet.

Die 'Sommerwerkstatt Bildhau' ist ein besonderes Angebot in zweifacher Hinsicht: Das künstlerische Projekt läuft inzwischen bereits im 20. Jahr - und darüber hinaus ist das offene Angebot als 'Türöffner' konzipiert, sprich, soll Berührungsängste gegenüber Bildhauerkunst abbauen. Der konkrete Ansatz: den Austausch zwischen Künstlern und Kursteilnehmern, aber auch 'Sehleuten' anzuregen. Am besten Besucher dazu verleiten, selbst einmal Skulpturen zu erschaffen oder Drucke anzufertigen. Denn zu Pinsel und Farbe hat wohl jeder schon einmal gegriffen, aber wie steht?s mit Schnitzmesser oder 'Knüpfel', um Holz oder Stein in Form zu bringen?

Vorstellungskraft vor Geschick

Nicht das Handwerk, vielmehr das Imaginäre sieht Steinbildhauerin Martina Benz als größte Schwierigkeit für neue Teilnehmer. Das Werkzeug würden Probanden relativ schnell beherrschen, beobachtet sie immer wieder in ihren Kursen.

Deshalb verstehen sich auch alle drei Dozenten der 'Sommerwerkstatt Bildhau' in erster Linie als Mutmacher und Berater, damit jeder neue Teilnehmer sich mit dem Material vertraut machen, als 'Wiederholungstäter' seine Kenntnisse und Erfahrungen vertiefen und seine Vorstellungen - bei allzu schwierigen Herausforderungen zumindest annähernd - auch umsetzten kann. Ihr Credo: Wir produzieren Erfolgserlebnisse.

Der Bearbeitung von Stein hat sich Martina Benz verschrieben. Die Bildhauerin lebt seit 1987 in Bremen. Sie ist Leiterin der Bildhauwerkstatt in der Justizvollzugsanstalt Oslebshausen, also mit dem Heranführen von Laien ans Metier bestens vertraut. Benz vermittelt in ihrer Arbeit die ganze Bandbreite im Umgang mit Stein, da sie eine Steinmetzlehre absolviert hat und danach ein Steinbildhauerstudium in Braunschweig. Martina Benz bringt in die BuS-Sommerwerkstatt einen Kalkstein aus der Nähe von Hildesheim mit. Dieser Naturstein, der ähnliche Eigenschaften wie Ytong habe, sei ideal für Anfänger, findet die Künstlerin. Gerade weil er weich sei und kaum eigene Struktur habe, rücke die Form besonders in den Fokus, erklärt Martina Benz, die seit 2005 das Huchtinger Projekt als Dozentin unterstützt und deren Teilnehmer sich in Vorjahren unter anderem an Fischformen oder Torsi versucht haben.

Den Holzbereich vertritt Reinhard Osiander. Der 42-jährige Holzbildhauer, der gebürtig aus Bayern stammt, in Berchtesgaden seine Ausbildung zum Holzbildhauer absolviert und bei Bernd Altenstein an der Hochschule für Künste studiert hat, ist vor zwei Jahren spontan eingesprungen, als das 'Urgestein' der Huchtinger Sommerwerkstatt, Luella Strauss, plötzlich verstorben war.

Reinhard Osiander ist zudem 2003 mit dem Hochschulpreis der HfK Bremen ausgezeichnet worden. Er arbeitet normalerweise mit Baumstämmen, zumeist mit einer Kettensäge. Seine häufig klobig wirkenden Holzmenschen bilden mehr oder weniger alltägliche Szenen ab, lassen durch grobe Strukturen einen Prozess erkennen und ranken letztlich um die Frage: 'Wieviel Porträt verträgt ein Baum?'

Reinhard Osiander will verschiedene Hölzer auf das BuS-Gelände mitbringen. Gern lässt er Anfänger Schalen anfertigen, weil sie dann am Schluss etwas in der Hand halten, das sie wegtragen können. 'Es ist nicht einfacher, mit Holz anzufangen', warnt er, 'denn durch den Wuchs ist die Richtung vorgegeben, Stein kann indes in alle Richtungen bearbeitet werden'.

Dritter Dozent im Bunde ist der gebürtige Brasilianer Henrique Lemes. Er leitet die Holzdruckwerkstt in der BuS-Aula und gilt als einer der wichtigsten Repräsentanten des modernen brasilianischen Holzschnitts. Der seit 1993 in Bremen lebende Künstler lehnt für sich Maschineneinsatz prinzipiell ab. Denn Lemes liebt nach eigenen Worten 'diese Intimität mit der Arbeit und die Tradition von Anfang bis Ende.'

Im Laufe der zwölf Jahre, die Henrique Lemes nun schon beim Kunstprojekt mitmacht, hat sich der Holzdruckkünstler ein Stammpublikum herangezogen. Manche seien in seinen Bereich gewechselt, weil sie sich das weniger anstrengend vorgestellt hätten, merkt er verschmitzt an. Doch von Erholungspause waren sie weit entfernt. 'Das braucht viel Kraft', betont er nicht nur mit Blick auf die Herstellung der Druckvorlage, sprich den geschnitzten Holzplatten, sondern auch vor dem Hintergrund des Kraftaufwands fürs Auftragen der verschiedenen Farben mit der Presse. 'Spaß haben und etwas entdecken' findet er sehr wichtig.

Auskünfte zur 'Sommerwerkstatt Bildhauerei' erteilt BuS-Leiterin Susanne Hennig unter der Telefonnummer 571982 oder 571565.

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