Corona-Maßnahmen in Huchting Beirat will zusätzliche Busse zu Stoßzeiten

Das Infektionsrisiko senken sowie Hindernisse bei Corona-Tests und Impfungen abbauen: Das ist das Ziel des Beirates Huchting der drei Verbesserungsvorschläge zu den Corona-Maßnahmen auf den Weg gebracht hat.
18.02.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel

Der Huchtinger Beirat hat auf Initiative der Parteien Die Linke, Grüne und FDP drei Beschlüsse gefasst, um die laufenden Corona-Maßnahmen besser auf die Bedürfnisse der Menschen in Huchting abzustimmen. Nach einer mehrstündigen, kontrovers geführten Diskussion einigten sich die Beiratsmitglieder auf konkrete Forderungen zu den Themen öffentlicher Nahverkehr, kostenlose Corona-Tests und Impfungen im Stadtteil.

Eine Erleichterung insbesondere für ältere Menschen im Stadtteil verspricht sich der Beirat von der Vorstellung, dass in Zukunft Impfungen gegen das Coronavirus nicht nur in der Innenstadt, sondern auch im Stadtteil bei den Hausärzten möglich sein könnten. Der Beirat bittet daher Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke), analog zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, das Pilotprojekt „Impfung beim Hausarzt“ in Bremen zu starten.

Beirat: Huchting soll Modellregion werden

Damit die Bevölkerung in Huchting möglichst schnell profitiert, bittet der Beirat die Senatorin, Huchting als Modellregion für ein solches Pilotprojekt auszuwählen.

Der ursprünglich von der FDP eingereichte Antrag, Impfungen im Stadtteil vorübergehend in einem eigens dafür eingerichteten Impfzentrum möglich zu machen, um Hemmschwellen und Sicherheitsbedenken unter Älteren abzubauen, fand hingegen keine Mehrheit.

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In der Gesundheitsbehörde sieht man derzeit für Impfungen gegen Covid-19 beim Hausarzt keine Möglichkeit. „Anders als Bremen hat Mecklenburg-Vorpommern mit seinen sehr abgelegenen, ländlichen Regionen keine Möglichkeit, zentrale Strukturen aufzubauen“, sagt Sprecher Lukas Fuhrmann. In Bremen sei die Impfung beim Hausarzt „auf keinen Fall angedacht, bevor die hoch priorisierten Gruppen geimpft sind“, so Fuhrmann.

Corona-Impfung beim Hausarzt

Zum einen gebe es ohnehin derzeit nur sehr wenig Impfstoff, zum anderen würde dieser nur zum geringen Teil ohne größeren Aufwand transportiert und gelagert werden können. „Eines Tages wird es Impfungen beim Hausarzt geben“, ist sich der Sprecher sicher. Wann es soweit sein sollte, sei aber noch völlig unklar.

Ein zweiter Antrag – diesmal von der Linkspartei und den Grünen – zielt auf die Forderung ab, von der Behörde angeordnete Corona-Tests auch im Stadtteil kostenlos möglich zu machen. Denn bislang werden Bremerinnen und Bremer, die als enge Kontaktpersonen zu Corona-Infizierten identifiziert wurden, bei Bedarf vom Gesundheitsamt in die Messehalle 5 auf der Bürgerweide überwiesen, um sich dort kostenlos testen zu lassen.

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Auf dem Weg dorthin gilt die dringende Empfehlung für diese sogenannten Kategorie 1-Kontaktpersonen, auf Bus und Bahn zu verzichten. „Viele Familien ohne Auto sind verzweifelt, wie sie das mit ihren betroffenen Kindergarten- und Grundschulkindern bewerkstelligen sollen, wenn die sich testen lassen müssen“, begründete Michael Horn (Linke) den Antrag. Weite Fahrten mit dem Fahrrad seien für diese Altersgruppe – zumal bei Winterwetter – kaum umsetzbar.

Lukas Fuhrmann aus der Gesundheitsbehörde verweist darauf, dass die Tests der Menschen, die in Quarantäne geschickt werden, freiwillig seien. Einen Lösungsvorschlag für das Transportproblem zu den Messehallen, habe die Behörde indes nicht parat. Kostenlose Tests auf behördliche Anordnung bei Haus- und Kinderärzten seien zurzeit aber wegen bürokratischer Hürden ausgeschlossen. „Dazu bräuchten wir zunächst eine Landesverordnung, die die Hausärzte in die Lage versetzt, die Leistung abrechnen zu können“, erklärt Fuhrmann. Normalerweise rechnen Ärzte die Behandlung mit Krankenkassen ab, und nicht mit Behörden.

Infektionsrisiko in Bussen und Bahnen

Die dritte Idee für eine Optimierung der Corona-Maßnahmen hat ebenfalls die Linkspartei gemeinsam mit den Grünen eingebracht: „Besonders morgens und mittags sind die Busse und Bahnen im Stadtteil zu voll“, sagte Michael Horn (Linke). Um das Infektionsrisiko zu minimieren, müsse daher über Entlastung nachgedacht werden.

Er schlage daher zusätzliche Busse im Ringbusverkehr und Schnellbusse zur Verstärkung der Straßenbahnen vor, die über die B 75 direkt in die Innenstadt fahren. „Personell dürfte das kein Problem sein, denn es können Reisebusunternehmen einspringen, die man über den Bremen-Fonds bezahlen kann“, so Horn.

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Mitglieder des SPD bestritten indes, dass es ein Problem mit besonders vollen Bahnen gebe. Lediglich bei den Bussen, die die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil auf ihren Wegen zur Schule nutzen, sah Beiratssprecher Falko Bries für die Zeit nach dem Corona-Lockdown Nachbesserungsbedarf.

Nach Ablehnung des ursprünglichen Antrags einigte sich der Beirat schließlich auf einen Kompromiss. Demnach verlangt das Stadtteilparlament nun zusätzliche Busse, sollte es zu den Stoßzeiten nach den Schulöffnungen zu voll auf den Linien 57 und 58 werden.

Handlungsbedarf sehe er aufgrund der laufend erhobenen Fahrgastzahlen momentan nicht, erklärte Andreas Busch von der BSAG . „Aber wenn es wieder zu vollem Präsenzunterricht kommt und die Geschäfte wieder öffnen, haben wir im Blick, ob und wie wir nachsteuern können“, sagte Busch.

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Zur Sache

Umgang mit Elternsorgen

Kita- und Schulleitungen sollen verstärkt mit Eltern ins Gespräch kommen und ihre Wünsche und Anregungen aufnehmen, wie sie sich eine Betreuung und Unterricht unter Corona-Bedingungen nach dem Corona-Lockdown vorstellen können. Mit dieser Bitte will die Linksfraktion an die Huchtinger Einrichtungen herantreten. Der Dreiklang aus Lüften, Halbgruppenunterricht und Videobeschulung sei vielen Eltern nicht genug. Elternvertreter seien bislang in die politische Diskussion unzureichend einbezogen worden. Das gelte es nachzuholen. Ob dies der richtige Weg ist, um im Stadtteil mit den Elternsorgen umzugehen, soll nun der Bildungsausschuss des Huchtinger Beirates beraten.

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