Spielenachmittag in der Begegnungsstätte Freizeitprojekt für Jung und Alt kommt gut an

Huchting. Der Rentner Heinz Wilhelm Althaus spielt, malt und bastelt jeden Donnerstagnachmittag in der Begegnungsstätte AMeB (Aktive Menschen Bremen) in Huchting mit Kindern und Jugendlichen: "Opa spielt mit mir" heißt das Projekt.
03.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von VOLKER ALTHOFF

Huchting. "Die Kinder kommen gerne hierher", weiß Heinz Wilhelm Althaus. Der 69-jährige Rentner aus Huchting sieht jeden Donnerstagnachmittag, wie sich die Sechs- bis Vierzehnjährigen freuen, wenn sie für zwei Stunden in die Begegnungsstätte AMeB (Aktive Menschen Bremen) in Huchting kommen dürfen. Dort werden sie von fünf Opas mit offenen Armen empfangen, die mit ihnen spielen, basteln, malen oder sägen. Die 25 Kinder aus dem Hort des Mütterzentrums in der Amersfoorter Straße können Dinge ausprobieren und erlernen, die ihnen sonst niemand zeigt oder beibringt.

Was in ihm steckt, möchte der achtjährige Stefan aus Huchting zeigen, als er mit Gerhard Fraas aus der Neustadt am Tisch sitzt und "Mühle" spielt: "Ich will gegen Gerhard gewinnen", verkündet er. Die neun Jahre alte Malin aus Huchting malt einen aus Holz gebauten Nistkasten mit grüner Farbe an: "Ich mag gerne malen, und das kann ich hier in der Gruppe machen." Opa Folkhard Grohn aus Huchting, der das Mädchen und weitere Kinder beim Anmalen anleitet, ist ganz begeistert: "Die Kids sind so locker drauf, dass es richtig Freude macht, mit ihnen gemeinsam etwas zu machen."

Der 65-jährige Rentner, der ehrenamtlich in der Nabu-Ortsgruppe Stuhr unter anderem den Bau von Insektenhotels betreut, gibt sein Wissen an die Kinder aus dem Hort des Mütterzentrums Huchting weiter: "Ich möchte ihnen hier die Natur näherbringen." Das stößt auch bei der neunjährigen Mbajang aus Huchting auf großes Interesse. Sie besucht neben vielen anderen Hortkindern donnerstagnachmittags die Gruppe "Opa spiel mit mir".

Männliche Bezugspersonen fehlen

Das Projekt ist eine Kooperation des Mütterzentrums Huchting und von AMeB, das über WiN-Mittel (Wohnen in Nachbarschaften) gefördert wird. Es ist zunächst auf ein Jahr angelegt und hat ein generationsübergreifendes Ziel. "Wir möchten Jung und Alt zusammenführen, denn oft haben viele keine Oma und keinen Opa mehr. Außerdem wollen wir, dass die Kinder mehr männliche Bezugspersonen haben", erklärt Projektbetreuerin Helena Kromm.

Die würden oft in vielen Familien fehlen, wie Hubert Resch, Vorsitzender des Vereins AmeB, weiß: "Es gibt viele Kinder, die aus Familien mit alleinerziehenden Müttern kommen. Im Kindergarten haben sie dann meistens Erzieherinnen, und wenn sie in die Schule kommen, werden sie von Lehrerinnen unterrichtet." Genau an diesem Punkt setzt das Konzept an, das Resch ins Rollen gebracht hat, und will über diesen Weg mehr Männer beziehungsweise Opas für die Begegnungsstätte gewinnen.

Als Heinz Wilhelm Althaus durch einen Artikel im STADTTEIL-KURIER von dem Projekt erfuhr, fühlte er sich sofort angesprochen. Nun kommt er einmal die Woche in die Begegnungsstätte, setzt sich zu Beginn mit den anderen vier Opas sowie den Kindern zusammen, und alle besprechen gemeinsam, was sie gerne machen wollen. Oft werfen die Kids dann als ersten Wunsch "Tischfußball spielen" in die Runde. Darüber hinaus werben die fünf Erwachsenen mit vielen anderen Angeboten.

Walter Halang (67) aus Huchting bringt sein handwerkliches Geschick ein und bietet den Kleinen Sägearbeiten mit Holz an. Gerhard Fraas hat neben Gesellschaftsspielen auch Kurzgeschichten im Angebot, die er gerne vorliest. Heinz Wilhelm Althaus ergänzt die Angebotspalette mit Zeichnen, Malen oder anderen Bastelaktionen, wofür sich viele interessieren. Der zehnjährige Nicolas aus Huchting zum Beispiel, der ein Werdertrikot malt und anschließend ausschneidet: "Wir können hier etwas machen, was wir im Hort nicht machen können. Außerdem sind wir hier alle zusammen. Das ist schon ganz gut." Wichtig sei Althaus, dass die Jungen und Mädchen von sich aus etwas machen würden, wie sie es können und wollen.

Für Walter Halang ist es eine Herausforderung, die er gerne annimmt: "Diese Tätigkeit macht mir sehr viel Spaß. Man merkt, wenn etwas rüberkommt, mal ist es positiv, aber macnhmal auch negativ." Das merkt auch Althaus, wenn die Kinder zu ihm kommen: "Dann freue ich mich darüber und gebe ihnen Anregungen und Tipps und pass auch ein bisschen auf, was sie machen. Ich will aber kein Erzieher sein und ihnen etwas vorgeben."

Das ist die Aufgabe von Petra Wagner, die als Erzieherin und Hortleiterin jedes Mal mitkommt und die Gruppe beobachtet. Dabei stellt sie fest, dass "die Kinder am liebsten jeden Tag hier sein würden. Denn hier können sie sägen, was sie bei uns im Hort aus Platzgründen nicht machen können. Sie haben hier mehr Gelegenheit, sich auszuprobieren, und die Opas sind als Ansprechpartner für sie da." Für Nicolas sind sie aber mehr als nur Kontaktpersonen: "Sie sind Freunde. Ich habe zwar noch Großeltern, die jedoch nicht mehr so gelenkig sind und nicht viel machen können mit mir. Deshalb sind die Älteren hier alle gut und geben ihr Bestes." Als Dankeschön und Anerkennung haben die Kids ein Bild gemalt, das mit vielen roten Herzen sowie der Aufschrift "Opas sind cool und happy" versehen ist.

Wer Lust hat, zwei Stunden in der Woche mit Kindern zu verbringen, der kann sich beim Projekt "Opa, spiel mit mir" melden. Informationen gibt es unter Telefon 583375 (montags, dienstags und freitags von 14 bis 17 Uhr oder auf Anrufbeantworter sprechen), E-Mails an bgst.huchting1@web.de. Für persönliche Fragen steht das Team der AMeB-Begegnungsstätte, An der Schüttenriehe 8, montags, dienstags und freitags von 14 bis 17 Uhr zur Verfügung.

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