Tempo 30 für Emsland- und Frieslandstraße Fußballspiel statt Raserei

Grolland. Annemarie Werner hat die Nase voll. Jeden Tag rasen Autos durch Grolland, machen Lärm, stoßen Abgase in die Luft und gefährden die Kinder. Schon seit über 20 Jahren kämpft Werner mit einer Verkehrsinitiative dafür, dass es in ihrer Nachbarschaft ruhiger wird. "Wir sind kein Durchfahrtstadtteil, hier leben Menschen!"
26.04.2010, 11:20
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Meyer

Grolland. Annemarie Werner hat die Nase voll. Jeden Tag rasen Autos durch Grolland, machen Lärm, stoßen Abgase in die Luft und gefährden die Kinder. Schon seit über 20 Jahren kämpft Werner mit einer Verkehrsinitiative dafür, dass es in ihrer Nachbarschaft ruhiger wird. "Wir sind kein Durchfahrtstadtteil, hier leben Menschen!" Mit etwa 50 Gleichgesinnten hat ihrem Ärger Luft gemacht und an der Kreuzung Emsland/Frieslandstraße eine Protestkundgebung organisiert.

"Wir brauchen hier unbedingt eine Tempo-30-Zone", formuliert Werner ihre Forderung für die vielbefahrene Straße. Ihr Wunsch kommt nicht von Ungefähr. Die Fahrbahnen verlaufen direkt unter der B 75 und bringen Autos auf schnellem Weg nach Huchting und in die Neustadt. Zudem sind sie eine günstige Verkehrsverbindung ins Bremer Umland. Ein Kreisel direkt unter der Bundesstraße sorgt für unübersichtliche Situationen. "Hier laufen jeden Tag viele Kinder zur Schule", sagt Petra Wessel vom Elternbeirat der Schule Grolland und deutet über vier Asphaltstreifen hinweg auf die Stelle, wo die Grollander Kinder unterrichtet werden. Auch Wessel fordert eine Verkehrsberuhigung. Viele Fahrzeuge seien schlicht und einfach viel zu schnell unterwegs, und 'es wird auch bei Rot über die Ampel gefahren.' So könne es nicht weitergehen.

Ziel: Aufmerksamkeit erregen

Dieser Meinung sind auch andere Eltern und Bewohner Grollands. Etwa 50 von ihnen haben sich an der Kreuzung versammelt. Sie wollen Aufmerksamkeit erregen und auf den Missstand hinweisen. Viele Erwachsene haben ihre Kinder mitgebracht, einige der Jungspunde haben sich Stutzen und sportliche Trikots übergestreift und laufen aufgeregt auf dem Bürgersteig herum. "Wir wollen gleich die Kreuzung blockieren, und die Kinder werden dann Fußballspielen", erklärt Susanne Nobel vom Elternbeirat des Grollander Kindergartens.

Die ganze Kreuzung dürfen die Protestler jedoch nicht blockieren. Die Polizei hat das nicht erlaubt - zu gefährlich. Das Fußballspiel wird kurzerhand auf den Bürgersteig verlegt. Und statt aller vier Spuren wird auch nur eine für den Verkehr gesperrt. Immerhin sind die Autofahrer gezwungen, auf die Bremse drücken und im Schritttempo an den Plakaten, den Ball spielenden Kindern und den Demonstranten vorbeizuschleichen. Genug Zeit also, die Forderungen auf sich wirken zu lassen.

Etliche Autofahrer wirken genervt, einige hupen. In den Gesichtern der Grollander zeigt sich jedoch Zufriedenheit: Wenigstens für ein paar Minuten fahren die Autos so langsam, wie sie es eigentlich immer tun sollten. Nach etwas mehr als einer Stunde ist das Fußballspiel und die Kundgebung auf der Kreuzung schließlich vorbei.

Der Unmut der Verkehrsinitiative Grolland wird von der Lokalpolitik voll unterstützt. "Ich sitze jetzt seit über 20 Jahren im Beirat. Und so lange steht das Thema schon auf unserer Tagesordnung", sagt der Huchtinger Beiratssprecher Ralf Selter. Auch er beobachtet immer wieder unübersichtliche Situationen und dass viele Autofahrer rote Ampeln ignorieren. Zudem würden auf den Beiratssitzungen ständig Beschwerden über die gefährliche Kreuzung vorgetragen. Deswegen arbeite das Lokalparlament eng mit den Elternbeiräten und der Verkehrsinitiative zusammen.

Auch Selter spricht sich für eine Tempo-30-Zone aus. "Aber das liegt leider nicht in unserer Hand." Der Grund: Ungeklärte Zuständigkeiten. Da die Emsland- und die Frieslandstraße mit einer Bundesfahrbahn verbunden seien, könne der Beirat keine Tempodrosselung verfügen. Das gehe nur bei innerörtlichen Straßen, erklärt Selter. Trotzdem wolle sich das Lokalparlament weiter für die Forderungen der Grollander einsetzen und suche mit dem Amt für Straßen und Verkehr nach Lösungen, um die Situation unter der Hochstraße zu entspannen.

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