Jugendwettbewerb „Dem Hass keine Chance“

Sonderpreis für Medienwerkstatt

Mit einem kreativ gestalteten Jahreskalender werben Huchtinger Jugendliche mit Fluchterfahrung für Frieden und Zusammenhalt. Diese Idee ist nun mit einem Preis ausgezeichnet worden.
30.07.2020, 10:46
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Von Karin Mörtel
Sonderpreis für Medienwerkstatt

Fotograf Juan Trujillo (links) und Claudius Joecke vom Kulturladen Huchting sind stolz auf die Ergebnisse der Jugendlichen im prämierten Jahreskalender und auf großen Bauzaun-Plakaten: Im Hintergrund ist das Ergebnis von Joshua aus Guatemala zu sehen, der sich Frieden für die Welt wünscht.

Roland Scheitz

Gleich zweimal abgeräumt hat Huchting in diesem Jahr beim Bremer Jugendpreis. Nachdem bereits die Oberschule an der Hermannsburg mit ihrer Theater-Produktion „Unterwegs zwischen Welten“ den Preis des Senats gewonnen hatte (wir berichteten im Lokalteil) ist nun ein Sonderpreis des Integrationsbeauftragten Rainer Schmidt an die Medienwerkstatt Huchting gegangen.

Junge Menschen hatte der Bremer Senat in dem Wettbewerb „Dem Hass keine Chance“ dazu aufgerufen, ein Zeichen für Vielfalt, Offenheit und Toleranz zu setzen. Sie sollten sich in ihren Werken unter dem diesjährigen Motto „Alle zufrieden“ zum Thema 75 Jahre Frieden in Europa gegen Hass und Hetze aussprechen. Die Bremer Landeszentrale für politische Bildung hat den Wettbewerb gestaltet. Mehr als 400 Kinder und Jugendliche hatten ihre Arbeiten eingereicht.

Darunter auch eine Gruppe von Jugendlichen, die bei der Medienwerkstatt Huchting gemeinsam eine Plakataktion gestaltet und einen Jahreskalender entworfen hat. „Die Jungen und Mädchen hatten alle gemeinsam, dass sie entweder Fluchterfahrung haben oder einen Migrationshintergrund mitbringen“, erklärt Claudius Joecke, Vereinsvorsitzender der Medienwerkstatt, die beim Kulturladen Huchting beheimatet ist.

Aus Sicht des Integrationsbeauftragten passte die Arbeit der Huchtinger Jugendlichen offenbar besonders gut in die Corona-Zeit. Denn die jungen Leute hatten sich in dem selbst gestalteten Jahreskalender darüber Gedanken gemacht, welche Werte ihnen besonders am Herzen liegen und was sie für ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft wichtig finden.

Friedenswunsch nach Kriegserfahrung

Für den 19-jährigen Joshua aus Guatemala ist es ganz klar, was ihm im Leben am Wichtigsten ist. „Frieden“ steht in mannshohen Lettern an einem Baucontainer vor dem Bürger- und Sozialzentrum an der Amersfoorter Straße auf einem Plakat. Mitten auf dem Wort prangt ein Foto von Joshua, der mit der rechten Hand das „Peace“-Zeichen formt. „Der junge Mann hat in seiner Heimat den Krieg erlebt, das hat ihn geprägt“, sagt Joecke. Etliche solcher großen Banner sind während des Projektes entstanden. Sie sind so groß, dass sie perfekt an Bauzäunen angebracht werden können.

„Im Prinzip können wir damit jede Baustelle im Stadtteil verschönern“, sagt Joecke. Für den Wettbewerb sei dann die Idee entstanden, mit den Werten der Jugendlichen auch einen Kalender zu gestalten.

Der Fotograf Juan Trujillo hatte die Aufgabe, die Jugendlichen in Szene zu setzen und deren Darstellung ihrer Werte möglichst stimmungsvoll mit einem Bild zu zeigen. „Ich war beeindruckt davon, wie offen die Jugendlichen für die Idee waren und wie viele bereit waren mitzumachen“, sagt Trujillo. Die Pädagogen der Medienwerkstatt waren sowohl in einem Heim für junge Geflüchtete als auch in einer Huchtinger Schule vor Ort, um junge Menschen zu finden, die mitmachen wollen. Auf diesem Weg sind Gruppenbilder und Einzelaufnahmen von Heranwachsenden entstanden, die meist selbstbewusst ihre Werte präsentieren.

Bei Sarah sind gleich drei auf einen Schlag zu sehen: Freiheit, Engagement und Gleichheit. Ihr Ziel ist es, „unabhängig von den eigenen Vorurteilen mit den Menschen umzugehen und lediglich anhand eigener Erfahrung mit den jeweiligen Menschen zu urteilen“, hat sie auf ihren Beitrag geschrieben. „Die Jury hat besonders die kreative Aufarbeitung des Themas mit schöner Gestaltung und persönlichem Bezug gelobt“, heißt es zu der Entscheidung für den Huchtinger Beitrag aus der Sozialbehörde. Die persönliche Note sei deswegen so wichtig, „weil die Auseinandersetzung mit dem Thema umso intensiver ist, je mehr sie an die eigenen Erfahrungen, Wünsche, Vorstellungen oder auch Vorurteile anknüpft“, schreiben die Jurymitglieder. Außerdem habe das Projekt auch die unterschiedlichen Jugendlichen zusammengebracht sowie zum Austausch und Nachdenken angehalten. „Das ist ein wichtiger Schritt im Zusammenwachsen von Gesellschaft und war auch von Bedeutung für die Auszeichnung durch den Integrationsbeauftragten“, so ein Behördensprecher.

Dass die beteiligten Mädchen und Jungen aus über zehn unterschiedlichen Nationen stammen, war während der kreativen Phase eine Bereicherung, betont Joecke. „Und wir können mit dem Kalender und den Plakaten zeigen, dass es egal ist, woher die Menschen kommen. Denn alle teilen ähnliche Werte, das ist aus meiner Sicht ein schönes Ergebnis“, sagt Trujillo.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren herrscht in Deutschland Frieden. Aber was bedeutet das für jeden Einzelnen persönlich? Wo fängt der eigene Frieden an? Wo endet er? Und was kann man tun, um ihn zu bewahren? Mit solchen und weiteren Fragen sollten sich die Wettbewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmer auseinandersetzen.

Wer genauer wissen möchte, welche Antworten die jungen Geflüchteten aus Huchting auf diese Fragen gefunden haben, kann einen Blick in den aktuellen Kalender werfen, der ab dem Start des neuen Schuljahres bis zum August 2021 gilt. Joecke: „Es ist mittlerweile schon unser dritter Kalender, weil so viele gute Ergebnisse zusammengekommen sind, die wir gerne alle zeigen wollen.“

Weitere Informationen

Der Kalender ist für einen Kostenbeitrag von zehn Euro bei der Medienwerkstatt Huchting nach vorheriger Bestellung unter der Mail-
adresse info@medienwerkstatt-huchting.de sowie unter der Rufnummer 5 72 08 93 für Selbstabholer erhältlich.

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