Schwimmbecken gesperrt

Hallenbad Huchting und Südbad in der Neustadt vorerst gesperrt

Weil sich der Start der Sanierungsarbeiten im Huchtinger Hallenbads verzögerten, hat sich auch die Wiedereröffnung verschoben. Derweil kostet die Fliesen-Erneuerung im Südbad eine halbe Million Euro.
27.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Leandra Hanke
Hallenbad Huchting und Südbad in der Neustadt vorerst gesperrt

Rund um das Schwimmbecken stehen Gerüste im Hallenbad Huchting. Der Wiedereröffnungstermin ist noch ungewiss.

Roland Scheitz

Während der Sommerferien sind das Hallenbad in Huchting und das Südbad in der Neustadt wegen Sanierungsarbeiten geschlossen, das war angekündigt. Die Instandsetzung des Bades in Huchting sollte innerhalb von sechs Wochen fertiggestellt werden. Doch nun kommt – wie berichtet – alles ganz anders. „Wir haben leider nicht wie geplant zum Anfang der Sommerferien, sondern vor drei Wochen mit den Arbeiten begonnen“, bedauert der technische Leiter der Bremer Bäder, Uwe Siefke. Grund dafür seien unter anderem unerwartete bauliche Mängel und Verzögerungen in der Planungsarbeit gewesen. Coronabedingt befänden sich Arbeitskollegen Siefkes und Mitarbeiter des Planungsbüros in Kurzarbeit, einer der Umstände, die zur Verspätung der Bauarbeiten geführt hätten. Die Handwerker müssten diese nun mit intensiverer Arbeit herausholen.

Siefke ist optimistisch, der Baufortschritt gehe momentan gut voran. Der geplante Termin für die Wiedereröffnung am 31. August werde dennoch nicht eingehalten, voraussichtlich verschiebe sich der Termin um zwei Wochen. „Es ist wirklich sehr schwer abzuschätzen im Moment, weil man noch nicht genau weiß, ob noch Arbeiten zu erledigen sind, die vorher nicht geplant oder erkenntlich waren“, so der technische Leiter der Bremer Bäder.

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Der Senat hatte Anfang des Jahres 472.000 Euro für Reparaturen im Hallenbad Huchting freigeben, weitere Kosten werden durch Instandhaltungsmittel finanziert. Die Information über die Bewilligung des Geldes war zeitverzögert zum Huchtinger Beirat durchgedrungen, sodass kurzzeitig eine dauerhafte Schließung des Hallenbades befürchtet worden war. Mit der finanziellen Hilfe konnten nun die Reparaturen an der Innendecke beginnen, diese ist jedoch nur eine von drei Baustellen im Huchtinger Hallenbad. Als nächstes müssten das Außendach neu eingedeckt und die Dämmung erneuert werden, dies geschehe jedoch unabhängig vom regulären Bäderbetrieb.

Die Kosten für die Sanierung des Dachs des Huchtinger Bads belaufen sich schätzungsweise auf 563.000 Euro. 493.000 Euro entfallen dabei auf die Sanierung mitsamt Statik und der von fortschreitender Korrosion betroffener Hallendecke. In der kommenden Woche beginnen die Dachdeckerarbeiten, die bis zum Herbst andauern sollen. Das dritte Bauvorhaben ist ein sogenannter hydraulischer Abgleich des Heizungssystems, für eine effizientere Verteilung des Heizungswassers – diese Arbeiten sollen drei Wochen in Anspruch nehmen und den normalen Hallenbetrieb ebenfalls nicht einschränken.

Nach Sanierung vorerst nur für Schulen und Vereine geöffnet

Der Beirat besichtigte am Donnerstag die Baustelle in Huchting. Christian Schlesselmann, der Ortsamtsleiter für Huchting, empfindet es als wichtig und richtig, dass alle aufgetretenen Schäden behoben werden. „Es ist nur schade, dass das Bad so lange vom Netz sein wird und mit den Bauarbeiten zu spät angefangen wurde“, sagte Schlesselmann. Auch nach der Sanierung werde das Huchtinger Hallenbad vorerst nur für Schulen und Vereine geöffnet sein, das sorgt für Unmut im Beirat. „Ich vermisse die Initiative der Bremer Bäder, die sich nicht ausreichend dafür engagieren, dass unter Berücksichtigung der Corona-Situation ein regulärer Betrieb für die Öffentlichkeit wieder stattfinden kann“, kritisiert Schlesselmann.

Nicht nur Huchting wird großzügig saniert, das eigentliche Sorgenkind der Bremer Bäder ist das Südbad in der Neustadt. Eine umfassende Sanierung erfolgte dort im Jahr 2003, seitdem komme es regelmäßig zu Problemen mit nicht haftenden Fliesen. Der damalige Unternehmer sowie der Hersteller des verbauten Fliesenklebers besserten in regelmäßigen Abständen die kaputten Fliesen nach. Im Rahmen eines juristischen Prozesses kam der Hersteller des Fliesenklebers für die Mängel teilweise finanziell auf – der Ärger mit den Fliesen blieb jedoch. „Im April haben wir dann aufgrund der Corona-Situation die jährliche Großdesinfektion der Becken vorgezogen, dabei stellte sich dann heraus, dass großflächig und im gesamten Becken die Fliesen hohl lagen“, erklärt Siefke. Ein Schadensbild, das in der Regel aufwendige Arbeiten erfordert, die meist in einer Totalsanierung mit hohem Kostenaufwand enden, ganz abgesehen von den Ausfallzeiten.

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Siefke rechnet mit Reparaturkosten in einer Größenordnung von circa einer halben Million Euro. Diese Summe wurde bereits fast vollständig von der Stadt bereitgestellt. Dieses Jahr werde das Südbad nur zwei Becken für Schwimmunterricht und Schwimmkurse geöffnet haben, das große Schwimmerbecken bleibe bis Ende des Jahres geschlossen. „Wir haben eine Notreparatur vorgenommen, das führte aber dazu, dass sich nur noch weitere Fliesen ablösten“, erklärt Siefke. Der technische Leiter spricht von einem Domino-Effekt – und sah keine andere Möglichkeit, als das Schwimmbad still zu legen.

Sanierungsarbeiten bis Ende dieses Jahres, Anfang kommenden Jahres

Kaputte Fliesen seien scharfkantig und damit eine Gefahr für die Badegäste. Bis Ende dieses Jahres, Anfang kommenden Jahres hofft Siefke, mit den Sanierungsarbeiten im Südbad fertig zu sein. „Wir müssen feststellen, was die Ursachen sind, denn eigentlich, wenn es gut und richtig gemacht ist, passiert so etwas nicht“, stellt Siefke klar. Bisher wird vermutet, dass ein verwendeter Kunststoff, der eigentlich zum Schutz des Betons dienen sollte, dazu führt, dass sich die Fliesen ablösen.

Probleme gebe es mit allen Becken, die Wandfliesen des Lehrschwimmbeckens wurden schon einmal saniert und halten sich, sodass es weiterhin benutzt werden kann. Die Fliesen des großen Schwimmerbeckens müssen vollständig erneuert werden. Siefke sieht die Schuld jedoch nicht beim Unternehmer, der diesen Kunststoff eingesetzt hat, da dieser in bester Absicht gehandelt habe. Dennoch werde der Fall momentan auch auf Basis des alten Verfahrens, erneut juristisch geprüft. Die großflächige Sanierung der Fliesen „ist nicht schön, sondern ärgerlich, aber es passiert und nicht nur in Bremen, sondern auch an anderen Orten in Deutschland“, so Siefke.

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