Stellungnahme zum Verkehrsentwicklungplan

Huchtinger Verkehrsausschuss in Sorge um Bus-Ringverkehr

Die Stadtteilpolitiker befürchten, dass der Bus-Ringverkehr im Zuge der Verlängerung der S-Bahnlinien 1 und 8 wegfallen könnte. Doch das ist nicht die einzige Sorge – auch Lärm war Thema im Verkehrsausschuss.
20.09.2020, 12:38
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Gerald Weßel
Huchtinger Verkehrsausschuss in Sorge um Bus-Ringverkehr

Der Buslinien 57 und 58 fahren im Ringverkehr – und das soll auch so bleiben, sagen die Huchtinger Stadtteilpolitiker.

Roland Scheitz

„Die Argumente, die von der Stadt kommen, sind teils nicht haltbar“, das ist für Heinz Böse, SPD-Beiratsmitglied, nach der Studie der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes 2025 klar. Das fast 200 Seiten starke Papier aus dem Hause der Senatorin für Umwelt, Bau und Verkehr sorgt bei der Sitzung des Verkehrsausschusses eindeutig nicht nur für Freude unter den Ausschussmitgliedern. „Ich vermisse da klare Bekenntnisse, beispielsweise zum Bus-Ringverkehr“, führt Böse weiter aus.

Kurz zuvor hatte Christoph Eggers, Vertreter der Ortsamtsleitung, die Sitzung eröffnet. „Nicht ganz vollzählig, aber beschlussfähig“, stellt er mit einem prüfenden Blick in die Runde fest. Abgesehen von den Stadtteilpolitikern befinden sich unter den Besuchern im Saal des Bürger- und Sozialzentrums an der Amersfoorter Straße ein Vertreter der Gewoba und der Verkehrssachbearbeiter des Polizeireviers Huchting, Klaus Scheide-Jürgensen.

Lesen Sie auch

Der Bus-Ringverkehr ist der erste Punkt, der das Gremium nun beschäftigt, wobei sich hier alle schnell einig sind: Der Beirat Huchting fordert den Erhalt des Bus-Ringverkehrs im Stadtteil. Denn dieser drohe laut den Ausschussmitgliedern im Zuge der Verlängerung der Straßenbahnlinien 1 nach Mittelshuchting und 8 nach Stuhr/Weyhe wegzufallen. Das zumindest ist die Befürchtung, denn das vorliegende Konzept gebe hier keine Sicherheit. „Der Bus-Ringverkehr muss erhalten bleiben“, formuliert Heinz Böse, der Ausschusssprecher, die erste Forderung.

Und Klaus Scheide-Jürgensen stellt im Laufe des Abends klar: Die Polizei könne nicht noch mehr Bereiche in Huchting in Sachen Falschparken oder unrechtmäßige Nutzung von Parkraum im Auge behalten. „Wir haben am Wochenende keine Polizei mehr hier, die das leisten kann“. Vor allem der Bereich der Kirchhuchtinger Landstraße bereite Probleme. Immer wieder werde auf dem Grünstreifen und auf dem Radweg geparkt. Die anvisierte Lösung mit Unterstützung der Gewoba: Gespräche mit den Anwohnern führen, ehe bauliche Maßnahmen wie etwa Poller in Erwägung gezogen werden.

Lesen Sie auch

Darüber hinaus setzen die Stadtteilpolitiker in ihren Ergänzungsforderungen auch auf Carsharing. Der Parkdruck soll unter anderem mit Hilfe von nach Bedarf gemieteten Fahrzeugen reduziert werden. Michael Horn von der Linken plädiert in diesem Zusammenhang für preisgünstige und niedrigschwellige Angebote. Denn: „Bestehende Angebote sind oft zu teuer und vor allem für viele schwer zu nutzen“, bemängelt er. „Die fordern zum Teil ja eine Schufa-Auskunft.“

Der Linkenabgeordnete ist auch redeführend beim Thema der Sicherung von Schulwegen. Und allzu lange sollten hier Verbesserungen nicht auf sich warten lassen, denn Klaus Scheide-Jürgensen sagt zu, dass die Polizei sich die „gelben Füße“ anschauen und manche versetzen werde, um die Sicherheit für Kinder auf dem Schulweg zu erhöhen.

Standorte sollen modernisiert werden

„Kein Hexenwerk“ sollte laut Martina Seifert, CDU, die Einrichtung eines Bike-and-Ride-Standortes an der geplanten Endwendeschleife der Straßenbahnlinie 1 im Bereich Brüsseler Straße sein. Michael Horn springt ihr bei und der Ausschuss ist sich des Weiteren einig darin, dass bestehende Standorte modernisiert werden müssen. Zuvorderst die am Roland-Center und an der Kirchhuchtinger Landstraße seien regelrecht Unorte: Kriminalitätsschwerpunkte, gekennzeichnet durch Diebstahl und bei Dunkelheit nicht ausreichend beleuchtet – das sind nur einige der negativen Beschreibungen, die der Ausschuss diesen Örtlichkeiten zuweist.

In Konflikt mit den Planungen befindet sich der Ausschuss auch in Bezug auf den einstigen Haltepunkt „Mittelshuchting“. Dieser könne zwar laut der Deutschen Bahn für den Regionalverkehr reaktiviert werden, aber die betriebliche Machbarkeit spricht nach Meinung der Bahn dagegen. Nichtsdestotrotz: Die Wiederaufnahme des Haltepunkts würde dem Stadtteil Huchting und Pendlern aus dem Umland eine attraktive Anbindung an die Innenstadt und weitere Ziele bieten und so den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen, formuliert es der Ausschuss in seinem Papier an die Senatorin aus. Michael Horn verweist hierbei auch auf die schlechte Situation für Schwimmbadbesucher in Huchting, die von dem Haltepunkt schneller als derzeit nach Delmenhorst fahren könnten.

Bringzone im Gespräch

Walter Hamen, Bürger in Wut, stößt mit an, sich den Zustand der Verkehrswege im Stadtteil regelmäßiger anzusehen. Er selbst weiß als Rollstuhlfahrer nur zu gut, wie es sich auf den Huchtinger Geh- und Radwegen fährt: „Das bumst und knallt an allen Ecken“, bringt er das holprige Fahrgefühl auf den Punkt. Letztendlich, auch wenn manche Punkte mehr als andere diskutiert werden, einigt sich der Ausschuss einstimmig auf eine lange Liste an Änderungs- und Ergänzungsvorschlägen zur Teilfortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans 2025.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt ist die Einrichtung einer Bringzone für Eltern von Schulkindern im Bereich Nimweger/Amersfoorter Straße. Diese Idee ruft vermehrt Ablehnung hervor. Hier herrscht nach kurzer Diskussion Einigkeit darüber, dass die bisherigen Pläne nicht annehmbar sind. Vor allem die Störung der Anwohner und eventuelle, aus dem zu erwartenden Lärm resultierende Mietminderungsansprüche gegenüber den Vermietern bereiten dem Ausschuss Sorgen.

Laut des Gewoba-Vertreters befindet sich das Unternehmen hierzu aktuell schon im Gespräch mit Immobilien Bremen. „Wir sollten davon tunlichst absehen“, erteilt Martina Seifert einer sogenannten Kiss-and-go-Zone die klarste Absage des Abends. „Ich werde jedem betroffenen Anwohner helfen, die Miete zu verringern.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+