Schüler experimentieren mit Plastikmüll Junge Forscher

Schülerinnen und Schüler des Alexander-von Humboldt-Gymnasiums an der Delfter Straße haben sich beim Regionalwettbewerb Jugend forscht mit Plastikmüll, Drohnen und Schmutzwasser befasst.
28.02.2020, 14:53
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Holthaus

Drei Tage, 121 Forschungsprojekte sowie 227 Jungforscher und Nachwuchswissenschaftler: Der Regionalwettbewerb Bremen-Mitte von „Jugend forscht“ zog unter dem Motto „Schaffst Du!“ wieder experimentierfreudige Schülerinnen und Schüler an, die ihre mitunter beeindruckenden Ergebnisse im Universum an der Wiener Straße der Jury und der Öffentlichkeit vorstellten. Die Jury bewertete die Projekte nach den Gesichtspunkten Originalität, Eigenanteil, inhaltliche Qualität und Erkenntnisgewinn.

Und nicht nur die ergiebigen Forschungsergebnisse können sich sehen lassen: Mittlerweile liegt der Mädchenanteil der Teilnehmenden zwischen 15 bis 21 Jahren bei 57 Prozent und bei den jüngeren Schülerinnen und Schülern bei 49 Prozent. „Damit liegen wir über dem bundesweiten Trend“, sagt Wettbewerbsleiter Stephan Leupold, denn der Bundesdurchschnitt verzeichnet beim Mädchenanteil etwa 40 Prozent.

Aus dem Bremer Süden ist einzig das Alexander-von Humboldt-Gymnasium mit zehn Projekten vertreten. Mit ihrem Projekt „Müllwiederverwertung“ sind Merle Freytag aus Huchting, Mila Steidten aus Grolland und ­Niyati Dakshinamurthy aus der Neustadt bei Jugend forscht vertreten. Die zehn Jahre alten Schülerinnen haben die Verschmutzung der Weltmeere zum Anlass genommen, über eine Lösung des Müllproblems nachzudenken. Pro Jahr werden in Deutschland pro Kopf mehr als 220 Kilogramm Plastik verursacht, wobei Plastikverpackungen den Löwenanteil ausmacht. Und: Einmal in der Umwelt, kann Plastik eine lange Zeit überdauern – bis zu 450 Jahre kann Kunststoff im Meer treiben. „Wir haben erkannt, dass Flaschen aus Hartplastik bei der Sortierung nicht erkannt werden, wenn eine Banderole drum herum ist“, sagt Mila. „Es wird als Weichplastik erkannt, und dann wird alles zusammen verbrannt oder gelangt in die Umwelt.“

Daraus entstehen dann Mikroplastik oder regelrechte Müllinseln im Meer. Diese Müllinseln seien nicht nur ekelig, sondern auch schädlich für die Tiere und die Umwelt. „Und für uns.“ Die drei Mädchen wollen das verhindern und haben einen metallenen Chip in eine Hartplastikflasche eingebaut. „Auf dem Sortierband werden die Flaschen dann von einem Magneten angezogen“, erklärt Merle, „und das Hartplastik kann dann wiederverwertet werden.“ Und was kann man noch gegen Mikroplastik tun? Niyati hat da einen kleinen Tipp: „Wenn man duscht, sollte man ein Stück Seife verwenden, dann gibt es kein Plastik.“

Doch es hilft nichts: Wer duscht, verursacht Schmutzwasser. „Wie reagieren Pflanzen auf benutztes Wasser?“ fragen Sena Sari und ­Sumayya Peters aus Huchting. Die 15 Jahre alten Schülerinnen haben acht Pflanzen vier Wochen lang mit Schmutzwasser gegossen – Zucker, Salz, Backpulver, Spülmittel oder das Abwasser der Waschmaschine: „Die meisten Pflanzen sind in der zweiten und dritten Woche eingegangen, in der vierten Woche waren fast alle tot.“

Sie hätten sehen wollen, ob Pflanzen auch mit schmutzigem Wasser gegossen werden könnten, falls es in Zukunft keine optimale Wasserversorgung mehr gäbe: „Es geht nicht“, sagt Sumayya, „man braucht sauberes Wasser.“ Wasser, ob sauber oder nicht, und Roboter, das passt nicht zusammen: Kommt der Blechmann mit Wasser in Kontakt, rostet er. Sophie Konrads Roboter ist zwar aus Pappe, doch nass werden sollte auch er nicht. „Mein Roboter“ heißt demnach das Projekt der zehn Jahre alten Schülerin aus Grolland.

Sie weiß: „Es gibt drei wichtige Teile: Mechanik, Elektronik und Programmierung.“ Im Internet habe sie eine Bauanleitung gesehen und den Roboter nachgebaut, aber auch eigene Ideen einfließen lassen. „Der Roboter kann vorwärts, rückwärts, nach rechts und nach links laufen“, erklärt sie. Mit Rädern in den Füßen funktioniert das, und mit einem Stromkreis im Inneren kann der Roboter auch auf Musik reagieren. Dann blinken kleine LEDs auf dem Bauch.

Flaschenhülle aus Kamelhaar

Ist eine Drohne ebenfalls eine Art Roboter? Ein fliegender Roboter vielleicht, aber was beide Maschinen gemeinsam haben – sie benötigen Elektrizität. Eine „Solarunterstützte Drohne“ haben Ali Herz aus Walle und Daniel Tews und Leon Golenja aus Huchting entwickelt. „Wir haben eine Drohne mit einem Solarmodul verbunden. Wenn sie fliegt, soll sie sich gleichzeitig aufladen“, erklärt der 18 Jahre alte Ali Herz. „Ohne das Solarmodul fliegt die Drohne 35 bis 40 Minuten, mit Modul zehn Minuten länger.“ Sie hätten sich umgehört und festgestellt, dass es Drohnen mit Solarmodul auf dem Markt nicht gebe, betont der 19-jährige Daniel Tews. Feststellen mussten die drei Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums aber auch, dass ein reiner Antrieb der Drohne mit Sonnenenergie nicht möglich ist. „Sie ist aber trotzdem praktisch“, meint Ali Herz, „denn das Solarmodul dient als Ladegerät für die Akkus.“

Um Energie geht es auch im Experiment von Luna Neddermann und Mia Kreienborg aus Grolland. Genauer gesagt um thermische Energie, die sich schnell verflüchtigt, wenn keine Isolierung vorhanden ist. „Isolierende Flaschenhülle“ lautet demnach die Bezeichnung ihres Experiments: „Wir haben Flaschenhüllen aus verschiedenen Materialien hergestellt“, erklärt Luna Neddermann, „wir dachten, wir machen eine Flaschenhülle, die für alle Flaschen passt.“

Auf Nachhaltigkeit haben die Schülerinnen vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium ebenfalls geachtet und nahmen für die Außenhülle Filz aus reiner Baumwolle. Anschließend steckten sie gekämmte und ungekämmte Wolle des Pommerschen Landschafs oder Kamelhaar zwischen die Stoffbahnen. Eine weitere Hülle kam mit Alufolie daher.

Bei einer Wassertemperatur von anfangs
45 Grad haben sie dann über drei Stunden in 30-minütigen Abständen die Temperatur gemessen. „Am besten ist gekämmte Wolle vom Pommernschaf“, sagt Luna Neddermann, „weil sie die größte Dichte hat. Kamelhaar sei jedoch genauso gut. Eine Überraschung auch diese Erkenntnis: Die Flaschenhülle mit der Alufolie schnitt am schlechtesten ab.

Weitere Informationen

Die Siegerehrung des Bremen-Mitte-Regionalwettbewerbs „Jugend forscht“ wird am Montag, 2. März, 15.30 bis 18 Uhr, im großen Hörsaal
der Universität Bremen, Bibliothekstraße 1, vorgenommen.

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