Ehemalige Gaststätte „Dorfkrug“

Zurück zu alter Schönheit

Eine neue Nutzung ist nicht in Sicht, doch zwei Vereine haben sich zusammengetan, um der Fassade der ehemaligen Gaststätte in Kirchhuchting einen neuen Anstrich zu geben.
29.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Gerald Weßel

Was geht denn da vor? Das fragten sich wohl einige Passanten, als sie an der ehemaligen Gaststätte „Dorfkrug“ am alten Dorfplatz im Zentrum vorbeikamen. Menschen krackselten auf einem Baugerüst herum, während sich andere mit Gartenwerkzeugen an der Hecke zu schaffen machten. Dazwischen rückten Kollegen dem Unkraut zu Leibe, das sich im Laufe der vergangenen Jahre auf dem Grundstück breitgemacht hatte. Im gleichen Maße wie auch das herumliegende Laub weniger wurde, konnte der aufmerksame Beobachter hinter dem Gerüst eine frisch gestrichene Hauswand bewundern. „Kommt hier was Neues rein?“, hätten nicht wenige gefragt, erinnert sich der als Privatperson an der Aktion beteiligte Ortsamtsleiter Christian Schlesselmann. „Nein, nicht wirklich“, lautete seine Antwort dann. Es gibt auch im Jahr 2020 keine Lösung für die seit etlichen Jahren leer stehende Brandruine an der Kirchhuchtinger Landstraße. Zwei Vereine haben sich aber zusammengetan, um mit Erlaubnis des Eigentümers, der anonym bleiben möchte, zumindest das Äußere aufzuhübschen.

„Der Dorfkrug steht zusammen mit anderen Bauwerken am Eingangstor zu Huchting“, beschreibt Schlesselmann den herausgehobenen Standort. Einst stand der Dorfkrug sinnbildlich für das beschauliche Leben am Rande Bremens. Doch diese Ära ist lang vorbei. Heute kündet nur noch die zentrale Lage von seiner einstigen Bedeutung für das Gemeindeleben im Bremer Süden. Gemeinsam mit der St.-Georg-Kirche und der Grundschule markiert der Dorfkrug bis heute die historische Mitte des alten Dorfes Kirchhuchting.

Ein Brand hatte das Gebäude zur Bauruine, die augenscheinlich nur auf ihren Abriss wartet, gemacht. Dabei gab es eigentlich Pläne. „Der Beirat hatte angeregt, die benachbarte Grundschule auf dem Gelände zu erweitern“, erinnert sich Schlesselmann. Die Bremer Verwaltung griff das auch auf, doch die Verhandlungen mit dem Eigentümer scheiterten. „Das wäre eine schöne und wertige Nutzung gewesen. Aktuell ist da keine Lösung in Sicht.“ Seitdem verfiel der Dorfkrug zusehends. „Ziemlich verkommen sah die Fassade aus, der Anstrich hatte sehr gelitten und der Garten hatte auch bessere Zeiten gesehen“, fasst es Schlesselmann zusammen, der als Mitglied des sich gerade neu gründenden Vereins „Wir für Huchting“ mitwirkte.

„Wir sind eine bunt gemischte Truppe aus Privatpersonen, aber wir haben auch Unternehmer unter uns.“ Zusammen mit der Interessengemeinschaft Huchtinger Unternehmer (IHU) waren mehr als ein Dutzend Personen an den Arbeiten beteiligt. „Das lief alles sehr unbürokratisch“, blickt Schlesselmann zurück. Und genau das mag er im Kontrast zu seinem Hauptberuf. „Vereinszweck und mein Beruf haben schon Gemeinsamkeiten, aber die Herangehensweise ist schon eine ganz andere.“ Es schade weder dem einen noch dem anderen, beides zu machen. „Es ist eben ein ganz anderes Arbeiten mit manchmal sehr ähnlichen Zielen.“

Er freut sich sehr, dass sie „einen neuralgischen Punkt im Stadtteil“ aufgewertet haben. „Nun wirkt der Eingang nach Kirchhuchting nicht mehr trist und uneinheitlich, sondern begrüßt alle mit einer freundlichen und einheitlichen Fassade.“ Das klinge nach wenig, aber habe doch eine große Wirkung und zeige: „Die Hoffnung lebt. Ich glaube daran, dass sich dort auf Dauer etwas ändern wird.“ Nicht nur er als Ortsamtsleiter habe stets ein Auge auf das Thema Dorfkrug. Im Inneren bleibt er vorerst eine Ruine, aber immerhin nach außen hat diese Hoffnung der Huchtinger ein passenderes Gesicht bekommen.

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