Bremer Bilderbörse Malerei nach Maß

Huchting. Bilder. Sie hängen an der Wand, reihen sich in der Werkstatt, stehen auf Staffeleien. An die 100 Motive - von unbekannten Malern aus Lettland und Estland, von bekannten aus aller Welt: Kirchner, Dali, Chagall, Monet. Heidrun Wiggert hat sie alle. Natürlich als Reproduktion. Schließlich ist sie weder Millionärin noch Galeristin. Sie ist die Frau, die seit acht Jahren hinter der Bremer Bilderbörse steckt. Ein Handelsplatz, der so bunt ist wie manche ihrer Arbeiten in Öl und Acryl.
07.02.2010, 08:30
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Malerei nach Maß
Von Christian Weth

Huchting. Bilder. Sie hängen an der Wand, reihen sich in der Werkstatt, stehen auf Staffeleien. An die 100 Motive - von unbekannten Malern aus Lettland und Estland, von bekannten aus aller Welt: Kirchner, Dali, Chagall, Monet. Heidrun Wiggert hat sie alle. Natürlich als Reproduktion. Schließlich ist sie weder Millionärin noch Galeristin. Sie ist die Frau, die seit acht Jahren hinter der Bremer Bilderbörse steckt. Ein Handelsplatz, der so bunt ist wie manche ihrer Arbeiten in Öl und Acryl.

Wiggert kauft, verkauft, verleiht, lässt malen, malt selbst, stellt aus, schmückt aus. 'Bilder', sagt sie und dehnt das letzte Wort, 'sind etwas Herrliches.' Eine Schwärmerei, die von ihrer Mutter manches Mal getadelt wurde. Zum Beispiel als sich die Tochter, frisch von zu Hause ausgezogen, lieber Kunst für die Wand kaufte statt Möbel für die Wohnung. Die Leidenschaft erklärt, warum Wiggert - eigentlich technische Bauzeichnerin - heute macht, was sie macht. Es mag zwar abgedroschen klingen, wenn man sagt, sie habe ihr Hobby zum Beruf gemacht, aber: 'Genauso ist es.'

Geradezu technisch, als wäre Wiggert wieder am Zeichenbrett, hört sich dagegen an, wie sie sich selber sieht: als Schnittstelle. 'Ich bin das Verbindungsstück zwischen Käufer und Künstler.' Es gäbe viele gute Maler, nur wüssten viele nicht, wie sie sich vermarkten sollen. Die 60-jährige Huchtingerin weiß es, wie sie sagt, weil sie 'Vermarktung' als Fach an der Hochschule hatte. Und sie weiß, wo es viele gute Künstler gibt. 'In Lettland und Estland leben eine Menge begnadeter Maler.' Darum steht sie mit einigen in engem Kontakt und versucht, die Unbekannten bekannter zu machen. Wiggert zeigt deren Bilder, so oft sie kann - in Galerien, auf Märkten, im Internet, auf eigenen Börsen, auf fremden, im Schloss Celle wie auf der Hanse Life. Viel und oft ist sie für die lettischen und estländischen Exponate unterwegs. 'Ich komme gut und gerne auf 30 Ausstellungen im Jahr.'

Und weil sie dabei mit vielen Käufern spricht, ist sie nach eigenem Bekunden stets im Bilde, was der Markt verlangt. Sie gibt vor, was ihre Maler malen - etwa weniger Porträts, mehr Landschaften - und auch wie sie malen sollen: impressionistisch, expressionistisch, zeitgenössisch, modern. Vorgaben, die bei einem anderen Geschäftsfeld der Bilderbörse ebenfalls gelten. Die Bremerin lässt auch nach Fotovorlage malen und dem Kunden die Wahl, in welchem Stil. Bei diesen Aufträgen arbeitet sie nicht nur mit einer anderen - weil spezialisierten - Malergruppe zusammen, sondern auch mit spezieller Technik. 'Giclée' heißt das Druckverfahren, mit dem sich Schnappschüsse verfremden lassen, damit sie hinterher wie ein gemaltes Bild erscheinen. Wiggert: 'Es kann sogar vorgegeben werden, wie intensiv der Farbauftrag auf der Leinwand sein soll.'

Diese Freiheiten verbieten sich bei der Reproduktion von Gemälden großer Meister freilich von selbst. 'Soll das Bild wie ein echter Magritte oder Klimt aussehen, muss es wie das Original gemalt sein - inklusive gleicher Pinselführung und Strichrichtung.' Und weil fürs Anfertigen von Faksimiles nicht jeder aus der Kunstszene das Auge und Händchen hat, kooperiert Wiggert in diesem Fall wieder mit anderen Malern. Wie viele es genau sind, die für die Bilderbörse malen, kann die Initiatorin auf Anhieb gar nicht sagen. 'Es wird mittlerweile wohl ein knappes Dutzend sein.'

Kunst nach Corporate Design

Darunter sind auch solche, die nicht nur nach genauen Motiv-Vorgaben malen, sondern obendrein mit exakt bestimmten Farben. Denn auch das macht Wiggerts Börse: Geschäftsräume mit Bildern auszustatten, die zum Corporate Design, zum unternehmerischen Erscheinungsbild, passen. Das geht so weit, dass die Firmenklientel sogar sagt, wie viel von dieser oder jener Farbe das Bild enthalten soll. 'Nichts wird dem Zufall überlassen.' Alles müsse passen - die Möbel zur Beleuchtung, die Beleuchtung zur Tapete, die Tapete zu den Bildern, die Bilder zum Image...

Und weil Kunden nicht immer alles für immer haben wollen, borgt die Börse ihre Bilder auch aus. Wiggert: 'Besonders bei Messeauftritten oder Empfängen sind gerahmte Leihgaben gefragt.' Ein Geschäftsfeld, das sie in schwierigen Wirtschaftszeiten wie diesen schwer im Kommen sieht. Das Schöne an diesem Modell sei, dass - wenn denn schon die Firmen knapsen müssten - sie wenigstens nicht an der Kunst zu sparen bräuchten. 'Es muss ja nicht immer ein gekauftes Bild sein.' Und nicht immer ein Original.

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