Kita-Plätze weiter Mangelware

Mehr als 260 Kinder in Huchting ohne Betreuungsplatz

Für Eltern, die ab Sommer einen Krippen- oder Kitaplatz für ihren Nachwuchs suchen, könnte es eng werden in Huchting. Es fehlen insgesamt über 250 Plätze, beklagen CDU und die Partei Die Linke.
13.02.2019, 18:24
Lesedauer: 3 Min
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Mehr als 260 Kinder in Huchting ohne Betreuungsplatz
Von Ulrike Troue
Mehr als 260 Kinder in Huchting ohne Betreuungsplatz

Nach aktuellem Planungsstand fehlen Betreuungsplätze in Krippen und Kitas in Huchting. CDU und Linke schlagen deswegen jetzt Alarm.

Janina Rahn

Eltern, die für ihre Kinder ab diesem Sommer einen Krippen- oder Kitaplatz in Huchting benötigen, steht eine Zitterpartie bevor: Allein im Bereich der Krippen, in denen Kinder unter drei Jahren betreut werden, fehlen 125 Plätze. Und für die drei- bis sechsjährigen Kinder, für die seit 2013 ein Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz besteht, muss aktuell von 136 fehlenden Plätzen ausgegangen werden.

Diese Zahlen stammen aus der Praxis, sie sind eine Bilanz der bis jetzt bei den Kitas eingegangenen Anmeldungen. Die Leitungskräfte der Kinderbetreuungseinrichtungen im Quartier haben sich in der vergangenen Woche im Beisein von Ortsamtsleiter Christian Schlesselmann getroffen und vorhandene Plätze und bislang vorliegende Anmeldezahlen abgeglichen. Dabei wurde das Defizit von mehr als 260 fehlenden Betreuungsplätzen aufgedeckt. Aus der Bildungsbehörde war dazu bisher keine Antwort zu bekommen. Nur soviel wurde bekannt, dass mit den offiziellen Zahlen erst Anfang nächster Woche zu rechnen ist, weil beispielsweise noch Doppelanmeldungen herausgerechnet werden müssen.

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Zahlen aus der Behörde „immer unzuverlässiger“

„Die Zahlen aus der Praxis sind zuverlässig“, betont Yvonne Averwerser im Telefonat mit dem STADTTEIL-KURIER. Die Zahlen für die Prognosen der Bildungsbehörde indes seien seit Jahren immer unzuverlässiger geworden, kritisiert die CDU-Fraktionsvorsitzende im Huchtinger Beirat in einer Presseinformation. „Leider bestätigt sich an dieser Stelle unsere Vermutung, dass die Fehlplanungen weitergehen“, befürchtet Averwerser. „Was die Eltern heute erleben müssen, ist das Ergebnis der Ignoranz des Ressorts, sich gegen jede Erfahrung immer wieder auf die eigenen Berechnungen der Bedarfszahlen zu verlassen.“ Und das zieht sich nach ihrer Ansicht von der Planung ab der U 3-Betreuung bis zur Schulstandortplanung, weil auch dort der Bedarf höher als angenommen ausfallen dürfte.

Hinsichtlich des Anspruchs des Senats, insbesondere die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu stärken, sowie jungen Eltern und Alleinerziehenden die Möglichkeit zu geben, ihre Ausbildung zu beenden, sei das „ein Armutszeugnis“, findet Yvonne Averwerser. Angesichts der großen Aufgabe der Integration vieler junger Familien müsste das Bildungsressort gerade in diesem Bereich dafür Sorge tragen, dass Kinder die Möglichkeit zur Teilhabe und Förderung bekämen, kritisiert die CDU-Beiratsfraktion.

Auch Michael Horn, Huchtinger Beiratsmitglied der Partei Die Linken, hält diese Zahlen für „dramatisch“. „Die erhöhte Nachfrage nach Kita-Plätzen war absehbar“, wirft er der Behörde in einer Presseinformation seiner Partei vor. Den betroffenen Eltern stünde eine ungewisse Zeit bevor, ergänzt Lucie Horn, die kinderpolitische Sprecherin der Huchtinger Linken. Insbesondere für Alleinerziehende stünde die finanzielle Existenz auf dem Spiel.

Nachholbedarf seit langem bekannt

„Es fehlt ja nicht nur an realen Plätzen, sondern auch am Personal, und das schon seit Jahren“, moniert die Linkspartei-Politikerin, die die Zahlen aus den Huchtinger Einrichtungen ebenfalls für die verlässlicheren hält als die aus der Behörde. Weitere Tagesmütter werden dieses Problem nach ihrer Ansicht nicht lösen. Deshalb fordert Lucie Horn, dass sich Vertreterinnen und Vertreter der zuständigen senatorischen Behörde vor Ort mit den Huchtinger Kinderbetreuungseinrichtungen, dem Ortsamt, dem Beirat sowie Eltern beraten und Lösungsmöglichkeiten besprechen. „Die Zeit läuft uns davon. In sechs Monaten müssen die fehlenden Plätze bereitstehen und Erzieherinnen und Erzieher eingestellt werden“, verlangt Horn.

Dass in Huchting Nachholbedarf im Bereich der Krippen- und Kitaplätze besteht, hat das Bildungsressort schon 2016 erkannt. 1700 Eltern standen seinerzeit stadtweit auf der Warteliste für eine U 3- oder Ü 3-Betreuung für ihren Nachwuchs. Deshalb wurden vielerorts Mobilbauten aufgestellt, unter anderem im Bereich „Zwischen Dörpen“ in Huchting. 80 ganz neue Plätze hat das Bildungsressort mit der Einweihung der Kita auf den Kahlken zuletzt im August 2017 in Huchting geschaffen.

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Dass diese Maßnahmen beileibe nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken, zu diesem Fazit kommen nicht nur die Parteien, sondern ebenso Sozialwissenschaftler Thomas Schwarzer. In seiner Analyse zur sozialen Spaltung in Bremen hat er im Januar 2018 auf die schlechte Kita-Platz-Versorgung in Huchting und den dringenden Nachholbedarf in dem Bereich hingewiesen. Das Quartier sei schon vor dem verstärkten Zuzug von Geflüchteten ein kinderreiches gewesen, hatte Schwarzer erklärt, für den Huchting im vergangenen Jahr noch einer der Stadtteile Bremens war, in dem es überhaupt noch freie und bezahlbare Wohnungen für weniger wohlhabende Familien gab.

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