Nach Kritik an Reaktionsdauer Polizei verstärkt ihre Präsenz in Huchting

Ihr Ziel, möglichst schnell bei dringenden Notfällen vor Ort zu sein, kann die Polizei in Huchting schlechter erreichen als in vielen anderen Stadtteilen links der Weser. Nun gibt es einen Lösungsvorschlag.
01.02.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel

Zu oft hat es länger als erwünscht gedauert, bis die Polizei im Falle eines dringenden Notrufs in Huchting zur Hilfe gekommen ist. Nun hat die Innenbehörde offenbar reagiert und kündigt gegenüber dem Huchtinger Beirat an, die Präsenz im Stadtteil zu verstärken.

Laut einer Mitteilung der Innenbehörde, so teilt der Huchtinger Bürgerschaftsabgeordnete Björn Fecker (Grüne) mit, sollen zusätzlich zu dem Funkstreifenwagen des Einsatzdienstes Süd zwei weitere feste Streifenwagen für Einsätze im Stadtteil Huchting eingesetzt werden. Stationiert sind diese allerdings wie bisher am Kommissariat Süd in der Neustadt.

Kritik an Polizei: Bei Notrufen zu langsam

Zudem sichere die Innenbehörde zu, dass im Stadtteil dauerhaft die Präsenz mindestens eines Funkstreifenwagens sichergestellt sei. Aus Sicht des Innenpolitikers Fecker sowie des Huchtinger Ortsamtsleiters Christian Schlesselmann reagiert die Behörde damit auf die öffentliche Kritik an der Reaktionsgeschwindigkeit der Polizei, wenn dringende 110-Notrufe aus dem Stadtteil Huchting kommen.

Zum Hintergrund: Wenn bei 110-Einsätzen Leib und Leben von Menschen in Gefahr sind oder sich Straftäter noch am Tatort befinden könnten, hat sich die Polizei zum Ziel gesetzt, in spätestens acht Minuten vor Ort zu sein. Gelingt das in mindestens vier von fünf Fällen, hat die Polizei ihren selbst gesteckten „Zielerreichungsgrad“ von 80 Prozent bei Einsätzen mit der höchsten Dringlichkeitsstufe (Kategorie 1) erreicht. Bei etwas weniger dringlichen Notrufen (Kategorie 2) ist es erklärtes Ziel, es zu 90 Prozent innerhalb von einer halben Stunde an den Einsatzort zu schaffen.

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Selbst Derk Dreyer, Chef der Polizeiabteilung Mitte-Süd, zeigte sich während der zurückliegenden Präsentation der Huchtinger Zahlen im November 2020 mit dem Ergebnis unzufrieden. Denn der Stadtteil schnitt besonders im Vergleich mit einigen anderen Stadtteilen links der Weser wie bereits in den Vorjahren auch im ersten Halbjahr 2020 deutlich schlechter ab: Nur in 69 Prozent statt der erwünschten 80 (Neustadt: 87 Prozent) waren Einsatzkräfte von Januar bis Juni 2020 in dringenden Fällen innerhalb von acht Minuten vor Ort gewesen.

Bei Kategorie-2-Einsätzen erfüllte die Polizei im selben Zeitraum ihren eigenen Anspruch zu 75 statt zu 90 Prozent (Neustadt: 84 Prozent), innerhalb von 30 Minuten zur Hilfe zu kommen.

Fecker hat bei Innenbehörde Verbesserungen eingefordert

Bereits im Jahr 2019 lagen die Zielerreichungsgrade für Huchting mit 70 Prozent (Kategorie 1) und 80 Prozent (Kategorie 2) deutlich unter den oben beschriebenen Sollwerten. Fecker hatte sich bereits mehrfach kritisch öffentlich zur bisherigen Situation geäußert und teilt nun mit, er habe auch gegenüber der Innenbehörde in persönlichen Gesprächen Verbesserungen eingefordert.

Auch der Beirat Huchting hatte wie berichtet in den vergangenen Jahren mehrfach seine Sorge geäußert angesichts der aus seiner Sicht zu langen Anfahrtsdauer von Streifenwagen in dringenden Notfällen. Zuletzt im November 2020 forderte der Beirat den Senat mit einem einstimmigen Beschluss auf, alle erforderlichen Anstrengungen zu unternehmen, „um die 110-Zielerreichung im Stadtteil Huchting deutlich zu verbessern.“ Hierzu gehört aus Sicht des Beirats auch eine signifikant verstärkte Präsenz eines Streifenwagens im Stadtteil. Außerdem forderte das Stadtteilparlament, für die Zeit der Baumaßnahmen auf der Bundesstraße 75 und der Straßenbahnverlängerung einen Streifenwagen 24 Stunden im Stadtteil vorzuhalten.

Polizei soll durch neue Maßnahmen deutlich schneller vor Ort sein

Die nun angekündigte Lösung bewertet Fecker als Schritt in die richtige Richtung: „Das ist ein gutes Signal an die Menschen in Huchting. Wer die 110 wählt und dringend Hilfe braucht, der muss überall im Stadtgebiet auch schnell Hilfe bekommen.“ Die getroffenen Maßnahmen sollten sicherstellen, dass sich die Zielerreichung deutlich verbessere und die Polizei somit noch schneller vor Ort sei.

„Unabhängig davon müssen wir in der Politik dafür sorgen, dass die Polizei personell weiter verstärkt wird. Ich bin allen, die sich mit mir gemeinsam in den vergangenen Monaten für eine Verbesserung der Polizei-Präsenz in Huchting eingesetzt haben, dankbar für die Unterstützung“, betont ­Fecker. Für die nun gefundene Lösung danke er sowohl der Innenbehörde als auch der Polizei.

Genauere Hintergründe zum Einsatz zusätzlicher Streifenwagen in Huchting wird die Polizei Bremen in den kommenden Tagen erläutern.

Ortsamtsleiter Schlesselmann bewertet die Ankündigung der Innenbehörde ebenfalls als positives Zeichen für die Menschen im Stadtteil. Bisher habe durch das Ungleichgewicht zwischen den Stadtteilen in der Reaktionszeit der Polizei der Eindruck überwogen, „Huchting ist Schlusslicht und damit völlig aus dem Raster gefallen.“

Der Entschluss der Polizei, die Präsenz zu verstärken, wecke Hoffnungen und das Gefühl „jetzt passiert endlich was.“

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Zur Sache

Forderung nach fünf realen Kontaktpolizisten für Huchting

Nicht nur mehr Streifenwagen auf den Straßen im Stadtteil, sondern auch mehr Kontaktpolizisten (Kop) hat der Beirat Huchting im November 2020 gefordert. Fünf Kop-Stellen sind laut Polizei offiziell für den Stadtteil eingeplant. Ihren Dienst verrichten momentan aber nur vier Kops. Einer davon ist zugleich der stellvertretende Revierleiter der Wache, der aus Sicht des Beirates aufgrund seiner vielen anderen Verpflichtungen nicht mitgezählt werden dürfte. In dem einstimmig verabschiedeten Beschluss verlangt der Beirat daher „die Besetzung von fünf realen Kop-Stellen ohne Einbeziehung der Revierleitung.“

Doch in diesem Punkt erteilte die Innenbehörde dem Beirat nun offenbar eine Abfuhr. Zwar sei zugesichert worden, die derzeit vakante Stelle so schnell wie möglich neu zu besetzen, teilte Ortsamtsleiter Christian Schlesselmann mit. Voraussetzung sei, dass die Stelle demnächst ausgeschrieben werde und das Auswahlverfahren abgeschlossen sei.

„Uns wurde aber auch mitgeteilt, dass es keine weitere Stelle für eine Kontaktpolizistin oder einen Kontaktpolizisten geben wird, der dann keine Aufgaben der Revierleitung zu erfüllen hat“, so Schlesselmann. Aus Sicht des Beirates habe Huchting daher „derzeit leider nur drei und dann hoffentlich bald wenigstens vier statt fünf Kops, die regelmäßig auf den Straßen als wichtige Vertrauenspersonen ansprechbar sind.“

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