Offene Jugendarbeit Frischer Wind fürs Freizi Huchting

Das Jugendfreizeitheim Huchting bekommt ab Sommer eine neue Leitung. Mit dem Bund Deutscher Pfadfinderinnen und Pfadfinder übernimmt ein Jugendverband die Verantwortung im Haus, der auch neue Ideen mitbringt.
29.03.2021, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel

Das Jugendfreizeitheim in Huchting, weithin bekannt als „Freizi“, bekommt eine neue Leitung. Ab Sommer wird sich der Bund Deutscher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BDP) um die Jugendlichen im Haus kümmern. Insgesamt hatten sich drei Akteure der offenen Jugendarbeit um diese Aufgabe beworben.

In einer offenbar knapp ausgefallenen Entscheidung hat sich der Huchtinger Controlling-Ausschuss nun mehrheitlich für den BDP entschieden. In dem Gremium sind neben dem Beirat auch das Amt für soziale Dienste sowie einige Einrichtungen der Jugendarbeit aus dem Stadtteil vertreten. Die beiden unterlegenen Bewerber sind das Deutsche Rote Kreuz sowie die diakonische Kinder- und Jugendhilfe „Petri und Eichen“ gewesen. In den vergangenen Jahren hatte die gemeinnützige Kinder- und Jugendhilfe Outlaw das Haus betrieben. Der Vertrag zwischen der Stadt und dem Träger wurde nun allerdings nicht mehr verlängert.

Politische Bildung statt Halstuch

Pfadfinder mit Kutte und Halstuch seien die Mitglieder des BDP schon seit vielen Jahren nicht mehr, erklärte Henrik Sorgalla von der Geschäftsführung des BDP Bremen vor dem Sozialausschuss des Huchtinger Beirates. „Wir sind heute ein Jugendverband, der sich um politische Bildung sowie natur- und erlebnisorientierte Jugendarbeit kümmert.“ Ausschlaggebend für den Zuschlag sei vermutlich gewesen, „dass die Gewinner den Fokus ihrer Arbeit sehr stark auf die Jugendbeteiligung gelegt haben – viel stärker als ihre Mitbewerber“, erklärte Tim Baumann, Leiter des Referats „Junge Menschen in Huchting“ beim Amt für Soziale Dienste. Genau das sei auch der wichtigste Punkt für ihre künftige Arbeit in Huchting, versicherte Rosa Schubert vom BDP: „Wir wollen die Angebote im Freizi so gestalten, wie die Jugendlichen sich das vor Ort wünschen und nicht so, wie wir uns das alleine ausdenken.“

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Und so haben sich die Fachkräfte bereits im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium sowie an der Roland-zu-Bremen-Oberschule und im Freizi etwas umgehört, was die Ansprüche der jungen Menschen an ihr Freizeitheim in Zukunft sein könnten.

Die Antworten reichen von Wünschen nach Beratungs- und Hilfsangeboten bei Problemen mit Mobbing und Diskriminierung über Filmabende und Projekte zum Klimaschutz bis hin zu Angeboten für queere Jugendliche Anregungen, die sich in einem vorläufigen Programmvorschlag von Henrik und Schubert auch wiederfinden. Daran mitgearbeitet haben auch junge Menschen, die die beiden bereits bestehenden Jugendeinrichtungen des BDP in Bremen besuchen. So planen sie grob von montags bis freitags mit einer offenen Tür ab 15 Uhr nachmittags, die ergänzt wird durch täglich wechselnde Zusatzangebote. Das können Gruppentreffs sein, die Nutzung des hauseigenen Tonstudios, Kochangebote, Hausaufgabenhilfe oder Boxtraining. An den Wochenenden ist zusätzlich das Verantwortungsbewusstsein der Jugendlichen gefragt: Denn die dürfen, sofern sie das Vertrauen ihrer Ansprechpersonen erlangen, selbst die Türen öffnen für kleinere Veranstaltungen wie eine Jugenddisco, Bandauftritte oder Workshops zu verschiedenen Themen.

Öffnung an den Wochenenden

Die stärkere Öffnung am Wochenende ist seit Jahren ein großer Wunsch der Jugendlichen im Stadtteil gewesen. In der Ausschreibung war daher Bedingung, dass die jungen Menschen in Huchting mindestens einmal im Monat auch sonnabends und sonntags in ihrem Freizi willkommen sind.

Dass dies nun mithilfe von Ehrenamtlichen und Honorarkräften sogar häufiger der Fall sein könnte, freute die Sozialausschuss-Mitglieder. „Mit dem Konzept wurde das Rad nicht neu erfunden, aber ich finde gut, dass die Jugendlichen auch an Umweltthemen herangeführt werden“, sagte Heike Kretschmer (SPD). Ortsamtsleiter Christian Schlesselmann betonte, es sei „für die Jugendarbeit im Stadtteil wichtig, dass das Freizi im Sinne der Jugendlichen weitergeführt wird.“ Er sei zwar überrascht über das Ergebnis des Auswahlverfahrens, räumte er ein, „aber der BDP hat mit seiner Präsentation sehr überzeugt und ich wünsche einen guten Start.“ Auch aus den Bereichen der Huchtinger Schulsozialarbeit und der offenen Jugendarbeit wurden die Verantwortlichen des BDP willkommen geheißen und zugleich Kooperationen angeboten.

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Mirac Ener, Betreuer des Huchtinger Jugendbeirates, lobte das vorgestellte Konzept: „Genau diese Vielfältigkeit brauchen wir in Huchting.“ Einst hatte er das Tonstudio im Freizi mit aufgebaut und jahrelang betrieben, daher freue er sich, dass das bewährte Angebot fortgesetzt werde. In den kommenden Wochen läuft nun die Suche nach pädagogischen Fachkräften an, die im Haus arbeiten werden. Sorgalla: „Wir sind zuversichtlich, dass wir fähige Leute finden werden, die genauso Lust auf den Stadtteil haben wie wir.“

Info

Zur Sache

Der BDP in Bremen

Der Bund Deutscher Pfadfinderinnen und Pfadfinder ist ein 1948 gegründeter Jugendverband, den es in 12 Bundesländern gibt. Als zentrales Ziel gilt das gleichberechtigte Miteinander aller Menschen in der Gesellschaft. Der BDP betreibt in Bremen bereits zwei etablierte Einrichtungen der offenen Jugendarbeit: Im Stadtteil Mitte das Mädchenkulturhaus und am Rande der Östlichen Vorstadt das Jugendhaus am Hulsberg. Zusätzlich arbeitet der BDP mit Bremer Schulen im ganzen Stadtgebiet zum Thema Beteiligung und Eigenverantwortung zusammen.

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