Erfolgreiche Spendenaktion

Fit machen für den Online-Unterricht

Viele Eltern stecken derzeit in der Situation, Aushilfslehrer spielen zu müssen. Die Linkspartei in Huchting fordert einen Plan, wie der Unterricht an Schulen während der Corona-Krise durchgeführt werden kann.
03.06.2020, 17:44
Lesedauer: 3 Min
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Von Christina Klinghagen

Huchting. Auch wenn in vielen Bereichen die Beschränkungen wegen der Corona-Krise immer weiter gelockert werden, stehen Familien mit Kindern weiterhin vor einem handfesten Problem. Viele Eltern stecken derzeit in der herausfordernden Situation, als Aushilfslehrer ihrem Nachwuchs schulische Inhalte zu vermitteln, was auf beiden Seiten für Unmut sorgt. Die Linkspartei in Huchting hat nun in einem Antrag die zuständige Senatorische Behörde dazu aufgefordert, dem Beirat mitzuteilen, wie der Unterricht an den Schulen des Stadtteils während der Corona-Krise durchgeführt werden kann. Zudem ist die Linke daran interessiert, dass behördlicherseits die Digitalisierung der Schulen in Huchting vorangetrieben wird.

Bei seiner kürzlich erfolgten Sitzung hat der Beirat Huchting das Thema „geregelten Unterricht in Huchting gewährleisten“ aufgegriffen und einen Beschluss gefasst. Demnach wird die Senatorische Behörde dazu aufgefordert, bis zum Beginn des neuen Schuljahres 2020/2021 einen Runden Tisch unter Beteiligung der Interessenvertretungen aller Betroffenen zu organisieren. Bis spätestens dahin sollen Maßnahmen eingeleitet werden, über die die Schüler in Huchting auch online beschult und Lehrkräfte diesbezüglich qualifiziert werden können. Thematisiert wurden zudem die hygienischen Zustände in den Lehreinrichtungen, und wie diese auf ein Niveau gebracht werden können, sodass Schüler und Lehrer keinem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt werden. Auch hierzu soll die Senatorische Behörde Stellung nehmen. „Man muss alles tun, um die Schüler und deren Familien zu unterstützen“, sagt Ortsamtsleiter Christian Schlesselmann. Nicht alle hätten den gleichen Stand. Daher müsse man sehen, dass man die technischen Voraussetzungen dafür schafft.

Noch lange nicht in allen Familien sind funktionstüchtige PCs, Laptops oder Tablets vorhanden, mit denen die Kinder von zu Hause aus am Video-Unterricht teilnehmen könnten. Dies nahmen Beiratssprecher Falko Bries (SPD) und Beiratsmitglied Harald Homann, der für die SPD im Jugendausschuss sitzt, zum Anlass für eine Spendenaktion, bei der Endgeräte gesammelt werden sollten. „Es läuft sehr gut. Die Menschen sind offen und spendenfreudig. Den letzten mussten wir vorerst absagen und die Aktion stoppen“, berichtet Bries. Mehr als 60 Geräte seien bislang zusammengekommen, die nun upgedatet beziehungsweise umgerüstet werden müssen. So konnten an der Roland-zu-Bremen-Oberschule acht Endgeräte sowie drei weitere an der Oberschule an der Hermannsburg an Schüler verteilt werden. Weiterer Bedarf sei auf jeden Fall vorhanden. „Uns hat die Aktion gut gefallen“, sagt Bries. Harald Homann sei 14 Tage lang quer durch Bremen gefahren, um die Spenden abzuholen. Bei seinen Touren habe er stets auf eine kontaktlose Übergabe sowie die Hygiene-und Abstandsregeln geachtet. Die wichtigste Voraussetzung für die Spendengüter war, dass die Laptops internetfähig sind. „Das, was er dann daraus gebastelt hat, ist top!“, betont der Beiratssprecher.

Den Schülern wurde schließlich ein funktionierendes Endgerät mit einem Schriftstück übergeben, in dem um eine pflegliche Behandlung des Geschenks gebeten wird. Auch wenn es ein standardisiertes Verfahren bei der Versorgung mit Endgeräten gebe, wirft Bries ein, seien aber noch nicht alle Pädagogen auf den Online-Unterricht geschult. Wie er anmerkt, seien manche der Oberschüler nicht in der Lage E-Mails zu verschicken, obwohl sie in der 5. Klasse alle eine E-Mail-Adresse erhalten haben. „Wir brauchen dringend eine Struktur, damit es funktioniert“, so Bries. Aus seiner Sicht wäre es sinnvoll, eine Fortbildung für Lehrer in Schulen anzubieten, die auf den Internet-Unterricht vorbereitet.

Auch wenn schrittweise ein Präsenzunterricht für die einzelnen Klassenstufen vorgesehen ist, prognostiziert Lucie Horn, Huchtinger Beirätin der Linkspartei, dass die Eltern weiterhin ihre Kinder zu Hause unterrichten müssen. Wie sie anführt bestehe die Möglichkeit, Video-Konferenzen durchzuführen, wie es bereits bei vielen Organisationen, Institutionen, Unternehmen und inzwischen auch vereinzelt an Schulen in anderen Stadtteilen der Fall ist. Ihrer Meinung nach würde dies für Eltern und Kinder eine enorme Erleichterung bedeuten.

„Die Kosten für ein Jahres-Abo betragen weniger als 170 Euro pro Schulklasse“, rechnet die bildungspolitische Sprecherin der Huchtinger Linken vor. Für Kinder, die nicht über Empfangsgeräte verfügen, müsste man Lösungen schaffen. Die Idee, über eine Spenden-Aktion Gebrauchtgeräte zu sammeln“, findet bei ihr keinen Zuspruch, weil man ja nicht wisse, in welchem Zustand sich Notebooks und Tablets befinden.

Wie Annette Kemp, Sprecherin der Bildungssenatorin, auf Anfrage mitteilt, steige aufgrund der durch Corona bedingten Schulschließungen und Kontakteinschränkungen auch im Bildungsnetz der Bedarf an der Nutzung von Videokonferenzlösungen. Angebote per Video würden bereits stattfinden. Aktuell würde man dafür das Tool Zoom nutzen, weil es vom Senator für Finanzen genehmigt wurde. Künftig soll es auch möglich sein, im landesweiten Lernmanagementsystem „itslearning“ Videokonferenzen mit Klassenverbänden durchzuführen. Die Gespräche mit Anbietern stünden kurz vor dem Abschluss. Gleichzeitig sei man mit dem Landesamt für Datenschutz und Informationsfreiheit in enger Abstimmung, um das Angebot datenschutzrechtlich einwandfrei und verlässlich absichern zu können.

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