Zum Auftakt der dritten Bremer Integrationswoche wird an der Robinsbalje ein buntes Fest gefeiert Spielen auf dem Wendeplatz

Der Wendekreis an der Robinsbalje wurde zum Spielplatz: Beim Kinderfest trafen sich die großen und kleinen Bewohner, um zusammen einen bunten Nachmittag zu erleben. Viele aus dem Stadtteil halfen mit, das Fest gemeinsam auf die Beine zu stellen, das mit anderen Veranstaltungen zur Integrationswoche gehörte.
01.10.2012, 05:00
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Spielen auf dem Wendeplatz
Von Lisa Schröder

Der Wendekreis an der Robinsbalje wurde zum Spielplatz: Beim Kinderfest trafen sich die großen und kleinen Bewohner, um zusammen einen bunten Nachmittag zu erleben. Viele aus dem Stadtteil halfen mit, das Fest gemeinsam auf die Beine zu stellen, das mit anderen Veranstaltungen zur Integrationswoche gehörte.

Huchting. "Das sollte es öfter geben", sagt Midye Aydin, die gerade am Wendekreis der Robinsbalje ankommt. Dort ist viel los: Die Bewohner des Stadtteils feiern nämlich ein Kinderfest . "Die Kinder freuen sich darauf, und auch für die Erwachsenen ist es schön", sagt die Huchtingerin, die mit ihren Kindern Nurcan, acht Jahre alt, und Halil, sechs Jahre alt, da ist. Die beiden wollen ihre Kusinen zum Spielen treffen, die mit ihren Eltern nur ein paar Straßen entfernt wohnen.

Auf einer Fachausschusssitzung kam Salih Ercin von der Ayasofya Moschee die Idee, ein Kinderfest auf die Beine zu stellen, und alle waren sich schnell einig: "Genau das machen wir!" Dass der Termin für das Fest zum Auftakt der Bremer Integrationswoche passte, war eher Zufall, erzählt Annette Yildirim, stellvertretende Ortsamtsleiterin. Das Thema hätte dann aber einfach auch zu ihnen gepasst: Im Quartier Robinsbalje wohnen vielen Nationalitäten zusammen. Seit dem Frühjahr hat eine Arbeitsgruppe den Tag organisiert. Yildirim und Ercin freuen sich besonders auch über das sonnige Wetter: "Da haben wir göttlichen Beistand", so die Ortsamtsleiterin.

Zum Kinderfest tragen viele Einrichtungen des Stadtteils bei. Vaja, der Verein zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit, stellt seine Anlagen für die Musik und Moderation zur Verfügung. Tim Ossyssek, Mitarbeiter von Vaja Süd, findet es wichtig, dass die Nationalitäten sich friedlich treffen, aber "Integration braucht auch Zeit", sagt er. Die Schülerinnen der Roland zu Bremen Oberschule treten mit ihrer Gruppe "re-sing" auf. Die zwei Jungs von "Sevgi Kardesler", was so viel heißt wie die "Sevgi Brüder", interpretieren türkische Lieder mit Keyboard und Gesang.

Die "Nachtwanderer Huchting" spendieren an ihrem Stand Luftballons, die sich immer wieder mal auf die Reise machen. Die neunjährige Seyehan stellt sich in die Schlange, um einen bunten Ballon zu ergattern. Ihr gefällt das Kinderfest gut, und sie will sich gleich noch schminken lassen. Im Projekt "Nachtwanderer" helfen Erwachsene Jugendlichen nachts gerade am Wochenende in brenzligen Situationen in Bussen und Bahnen und auf öffentlichen Plätzen.

Keine Langeweile

Schulsozialarbeiter Frank Dominik von der Grundschule Robinsbalje hat Basketbälle mitgebracht. Er findet die Idee eines Festes sehr gut: "Das ist extrem wichtig, die Eltern einmal bei etwas Positivem zu sehen und nicht erst, wenn es Probleme gibt." Rachid Ousellam vom Jugendbeirat Huchting hilft auch mit: "Eigentlich wäre hier am Sonntag Langeweile angesagt. Ich finde das Fest toll, vor allem für Kinder und Jugendliche, und alle können sich beteiligen", sagt der 14-Jährige. Auch sein gleichaltriger Freund Youssef Dal würde sich freuen, wenn es so etwas öfter gebe.

Die Frauengruppe der Ayasofya Moschee bietet ein internationales Büfett mit Börk, Lahmacun und gefüllten Weinblättern an. "Die Moschee ist immer dabei. Wer in der Gesellschaft mitmachen will, der muss im Spiel sein. Aus dem Abseits schießt man kein Tor", sagt Salih Ercin. Ercin und Yildirim schätzen die gemeinsame Zusammenarbeit: "Ohne die anderen würde so etwas nicht funktionieren", so Semtürk.

Viele positive Maßnahmen im Viertel seien schon umgesetzt. Das Fest aber sollte gerade am Wendekreis gefeiert werden, wo im hinteren Teil Häuser stehen, die noch in keinem guten Zustand sind und wo eine hohe Fluktuation herrscht. Dadurch sei es schwierig, einen Zugang zu den Menschen zu bekommen, sagt Annette Yildirim. Die Bewohner aus sehr unterschiedlichen Kulturen könnten vielfach kein Deutsch. "Teils wohnen hier die ärmsten der Armen, die denken, dass sich niemand um sie kümmert. Diese Menschen sind aber wichtig, und es ist schön zu sehen, mit wie viel Freude heute alle dabei sind." Das Fest solle ihnen zeigen, dass sie auch dazugehören. Yildirim wohnt zwar nicht dort, sei aber die meiste Zeit da: "Das ist mein Leben", sagt sie.

Mitorganisiert haben den Nachmittag außerdem die Stiftung Alten Eichen, das Haus der Familie, die Polizei und der Beirat Huchting. Das Fest ist Teil der dritten Bremer Integrationswoche.

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