Freie Christengemeinde verteilt Weihnachtsgeschenke an Bewohner Am Wardamm Überraschung für Flüchtlinge

Die Kauflaune der Deutschen zu Weihnachten sprengt wieder alle Rekorde. Doch es gibt viele Menschen in diesem Land, die sich Geschenke für ihre Liebsten nicht leisten können und auch keine bekommen. Für die haben Mitglieder der Freien Christengemeinde viele Überraschungspäckchen gepackt und sie rechtzeitig vor den Festtagen im Flüchtlingswohnheim Am Wardamm verteilt.
24.12.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörg Teichfischer

Die Kauflaune der Deutschen zu Weihnachten sprengt wieder alle Rekorde. Doch es gibt viele Menschen in diesem Land, die sich Geschenke für ihre Liebsten nicht leisten können und auch keine bekommen. Für die haben Mitglieder der Freien Christengemeinde viele Überraschungspäckchen gepackt und sie rechtzeitig vor den Festtagen im Flüchtlingswohnheim Am Wardamm verteilt.

Huchting. Zu den Menschen, für die Weihnachtsgeschenke gar nicht selbstverständlich sind, gehören die rund 170 Flüchtlinge, darunter 40 Kinder, die in dem Flüchtlingswohnheim "Am Wardamm" in Containern untergekommen sind. Manche von ihnen warten auf die abschließende Bearbeitung ihres Asylantrags, andere hoffen, eine eigene Wohnung zu finden, so beispielsweise Mehmeti Atrijan. Seit drei Jahren lebt er mit seiner Frau und vier Kindern in Deutschland. Sein Wunsch zu Weihnachten: "Eine Wohnung und Arbeit, damit ich die Miete bezahlen kann", so der aus dem Kosovo stammende Asylbewerber.

Solche Geschenke hatte der Weihnachtsmann leider nicht in seinem Sack. Aber zumindest gab es in diesem Jahr – wie bereits im Vorjahr – eine Überraschung der Freien Christengemeinde Bremen. Mit ihrer Aktion "Verschenke im Schuhkarton" wollten sie den Flüchtlingen eine Freude machen und haben dafür in ihrer Gemeinde und bei Spendern unter anderem Geld gesammelt, für das reichlich Geschenke eingekauft wurden.

Dank der weiteren Unterstützung durch die Drogerie Müller, die Sparkasse Bremen, die Stiftungen Hockemeyer, Bockmeyer, Froschkönig und die Dietmar Schönherr und Luise-Scherf-Stiftung für Pan y Arte sowie der logistischen Hilfe durch die Autovermietung Buchbinder, konnten für die erwachsenen Heimbewohner Hygieneartikel und für die Kinder Spielzeug, Musikinstrumente, Schulmaterial und anderes angeschafft werden.

Schon einige Tage vor dem Fest war Bescherung. Die Kinder des Wohnheimes, in dem überwiegend Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, dem Iran, Irak und Afghanistan leben, schauten schon eine Stunde vor dem Ereignis neugierig durch die Fenster des Containers, in dem die Geschenke aufgebaut wurden. Geduldig und etwas schüchtern warteten sie darauf, dass ihr Name aufgerufen wurde und Christa Ohlsen, Leiterin der "Verschenke Aktion Bremen", ihnen mit dem Spruch "Der Herr segne dich" das Geschenk überreichte. Manch ein Kind musste mehrfach aufgefordert werden vorzutreten, so unwahrscheinlich schien es ihm zu sein, von Fremden ein Geschenk zu bekommen.

Bei der Auswahl der Präsente hatten sich die Christen mit dem Leiter des "Übergangswohnheimes", Uwe Eisenhut, abgesprochen. Wer trotzdem etwas bekam, was er nicht gebrauchen konnte, tauschte mit anderen.

Ehemalige helfen mit

Bei der Verständigung zwischen den Menschen unterschiedlicher Nationen und Heimatsprachen half unter anderem Sofia Ebadi. Sie stammt ursprünglich aus dem Iran und ist früher in der Flüchtlingsunterkunft Huchting untergekommen. Jetzt hat sie eine eigene Wohnung in der Neustadt und weiß wie schwierig es ist, auf eigenen Füßen zu stehen. Aus Dankbarkeit und Solidarität schaut sie regelmäßig am Wardamm vorbei und hilft, wenn Personal benötigt wird.

In Huchting gibt es noch viele ehrenamtliche Helfer und Einrichtungen, die den Heimbewohnern mit Sprachkursen samt Kinderbetreuung, Koch- und Handarbeitskursen oder Spieleangeboten für Jugendliche etwas Abwechslung verschaffen. Auch die Spendenbereitschaft unter den 500 Gemeindemitgliedern der Freien Christengemeinde war in diesem Jahr so hoch, dass neben Huchting auch noch den Bewohnern des Flüchtlingswohnheims in Hastedt Geschenke übergeben werden konnten.

"Zum Weihnachtsfest gibt es noch ein persönliches Geschenk für meine Kinder", so Ernestina Boateng aus Ghana. Sie lebt mit ihren drei Kindern in dem Wohnheim und hat als Christin auch in ihrem Heimatland das Weihnachtsfest so gefeiert, wie man es hierzulande kennt. Ihre siebenjährige Tochter Emannuella hat in ihrem Paket eine Puppe gehabt, der fünfjährige Sohn Christian hat einen Bagger bekommen und der sieben Monate alte Joel ein Spielzeugtelefon. Für ein paar Stunden waren sie mit ihren neuen Geschenken abgelenkt.

Doch die Realität holt die Asylbewerber, Geduldeten und andere Flüchtlinge schnell wieder ein. In einer Pressemitteilung weist die Freie Christengemeinde darauf hin, dass die Betroffenen unter anderem weniger Geld als den Hartz-IV-Satz erhalten, vielerorts zum Teil nur Einkaufsgutscheine ausgehändigt bekommen, dass sie sich nicht ohne Erlaubnis frei über Landes- oder Kreisgrenzen hinweg bewegen können und nicht arbeiten dürfen.

Wer besonders Kinderkleidung, aber auch andere Spenden den Flüchtlingen zukommen lassen will, kann sich beim Übergangswohnheim unter der Telefonnummer 5799477 oder bei der Freien Christengemeinde unter 0176/85333704 melden. Fotos der Aktion sowie weitere Informationen sind im Internet unter der Adresse www.verschenke-aktion.de zu finden.

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