Bauarbeiten werden für Behinderungen sorgen

Vollsperrungen unvermeidlich

Die Brücke über die Varreler Bäke an der Grenze zwischen Bremen und Niedersachsen ist marode. Ihre Erneuerung wird vermutlich für Staus auf der B 75 sorgen.
29.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gerald Wessel
Vollsperrungen unvermeidlich

Sie ist marode und muss komplett erneuert werden: die Brücke über die Varreler Bäke.

Roland Scheitz

Manchmal sind es kompliziert klingende Worte, die sehr einfache Wahrheiten für viele Menschen mit sich bringen. Spannungsrisskorrosion ist solch eines. Leidtragende der Folgen eben dieser werden in naher Zukunft für etwa eineinhalb Jahre alle sein, die die vierstreifige Bundesstraße 75 (B75) in Richtung Delmenhorst nutzen. Denn die Querung der Varreler Bäke an der Grenze zwischen Bremen und Niedersachsen ist von diesem Mangel bedroht, der die Stabilität des Bauwerkes gefährdet und einen Ersatzneubau erforderlich macht.

Die Überlegungen zu dieser aus Expertensicht erforderlichen Maßnahme begleiten den Stadtteil im Bremer Süden seit mehr als zwei Jahren. Doch nun stehen die Bauarbeiten kurz vor dem Start: Diese sollen nämlich bereits im Mai beginnen und bis etwa Januar 2023 dauern. Die in der Vergangenheit auch vom Beirat Huchting bemängelten Punkte, wie zum Beispiel die Unterführung für Radfahrer und Fußgänger in Form eines Tunnels, bleiben indes erhalten. Eine Wiederherstellung der Brücke in ihrer derzeitigen offenen Form wird es nicht geben.

Projektleiter zu Gast

Die entsprechenden Pläne hierzu wurden nun mitsamt der geplanten Vollsperrungen dem Beirat Huchting vorgestellt. Hierzu war Olaf Dürkop von der Deutschen Einheit und Fernstraßenplanungs- und -bau Gesellschaft (Deges) als zuständiger Projektleiter zu Gast. Die Freie Hansestadt Bremen hatte die Gesellschaft nach Bekanntwerden der Mängel an der 1961 fertiggestellten Brücke beauftragt, einen Ersatzneubau zu realisieren.

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„Es ist nicht einfach, es ist eine wahnsinnig enge Stelle“, gestand Dürkop unumwunden im Laufe seines Vortrages ein und machte damit klar, dass auch den Planern bewusst ist, welch neuralgischen Punkt am bremischen Verkehrsnetz sie hier zu bearbeiten haben. Aber leider geht dies nicht anders: „Der damals verbaute Spannstahl mit dem Namen Sigma St. 145/160 wurde im Nachhinein als nicht unbedingt gut erkannt.“ Es sei auch kein Ankündigungsverhalten, fachmännisch Riss vor Bruch genannt, zu erwarten, erläuterte der Ingenieur. Und so ist der Neubau unumgänglich, um Schäden von Menschen abzuwenden.

Geringere Kosten, kürzere Bauzeit

Aber einige gute Dinge gleich vorweg: Die Kosten werden geringer, und auch die Bauzeit wird drei Monate kürzer ausfallen als erwartet, denn auf den Bau einer Behelfsbrücke für die Zeitspanne der Bauarbeiten wird verzichtet. Und die neue Querungsmöglichkeit für Fahrzeuge soll breiter werden als die alte.

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Damit enden allerdings bereits die erfreulichen Fakten – zumindest bis das neue Bauwerk fertig sein wird. Denn aufgrund der baulichen Lage und der Umstände sind Vollsperrungen unvermeidlich. Vier Stück wird es geben, zwei in diesem Sommer, zwei weitere im April nächsten Jahres. Eine Verlegung, wie sie zum Beispiel manch ein Beiratsmitglied anfragte, sei – auch wenn sie außerhalb von Ferien oder unter der Woche liegen – planerisch nicht möglich, da man dann andere Termine treffen würde, die laut Olaf Dürkop ähnlich unerfreulich wären.

Die Verkehrsführung wird sich während der insgesamt fünf Bauphasen, während derer Vermessungen vorgenommen, die alte Brücke Schritt für Schritt abgetragen, Gerüste gebaut, neues Material herangeschafft und das neue Bauwerk errichtet werden wird, mehrmals ändern. Im Mai dieses Jahres werden die Kraftfahrzeuge auf die jeweils rechten äußeren Fahrspuren geführt. Von Ende Mai bis Mitte Juni werden dann beide Fahrtrichtungen auf eine Seite gelegt, die andere komplett geschlossen.

Von hieran wird bis April 2022 die andere Fahrbahn genutzt werden. Währenddessen wird gegenüber die Bahn rückgebaut und wiederhergestellt. Für die nächsten Monate, bis kurz vor der kompletten Wiedereröffnung, wiederholt sich das Prozedere – nur eben folgerichtig für die andere Fahrtrichtung. Im Januar 2023 sollen jeweils wieder die äußeren Fahrstreifen genutzt werden, bis schließlich die erneuerte vierspurige Brücke über die Varreler Bäke allen zur Verfügung steht.

Keine Arbeiten in der Nacht

Eine Ungewissheit allerdings, deren positive Klärung aus Bauherrensicht die Fertigstellung mitunter begünstigen könnte, ist das Nachtbauverbot. Derzeit schließt dieses an jenem Ort nämlich jegliche Baumaßnahme nach Einbruch der Dämmerung bis zum Sonnenaufgang aus. Der Grund: Licht- und Lärmbelästigung sollen vermieden werden. Licht könnte die am Gewässer lebenden und vor allem jagenden Fledermäuse stören, Lärm die Anwohner in der nahen Umgebung. „Aber wir sind da in der Klärung und versuchen das hinzukriegen“, zeigte sich Olaf Dürkop hoffnungsvoll, die aus seiner Sicht straffen Auflagen noch aufweichen zu können, sodass vielleicht zumindest manchmal bei Nacht gearbeitet werden könnte. Hierdurch ließen sich die Zeiten der Vollsperrungen eventuell verkürzen.

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Weitere Informationen

Geplante Vollsperrungen an der Varreler Bäke: 25. bis 27. Juni, 2. bis 4. Juli, 1. bis 3. April 2022 sowie 8. bis 10. April 2022.

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