Gesundheitsversorgung in Huchting

Warten auf den Stadtteilarzt

Die Ungeduld in Huchting wächst, weil seit Sommer 2019 die Stelle des Stadtteilarztes unbesetzt ist. Das Thema wird nun auch die Bremische Bürgerschaft beschäftigen.
10.01.2020, 19:05
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Karin Mörtel
Warten auf den Stadtteilarzt

In Huchting schmerzlich vermisst: ein neuer Mediziner als Ersatz für die weggezogene Stadtteilärztin. (Symbolbild)

Julian Stratenschulte/DPA

Der fehlende Stadtteilarzt in Huchting beschäftigt in den kommenden Tagen auch die Bremische Bürgerschaft. Bereits im Dezember hatte der Sozialausschuss des Huchtinger Beirates darauf gedrängt, die Stelle endlich wieder nachzubesetzen. Unter anderem deshalb, weil mehr als 350 Kinder, die in Huchting im Sommer ihren ersten Schultag erleben werden, zuvor noch ärztlich untersucht werden müssen. Doch die Stadtteilärztin, die bislang im Quartiersbildungszentrum Robinsbalje untersucht hat, ob die Jungen und Mädchen fit für die Schule sind, arbeitet seit Sommer 2019 nicht mehr im Stadtteil.

Nun schaltet sich auch der Huchtinger Bürgerschaftsabgeordnete Björn Fecker (Grüne) mit einer Kleinen Anfrage an den Senat in die Diskussion ein. Darin erkundigt er sich gemeinsam mit seiner Fraktionskollegin Ilona Osterkamp-Weber, welche Anstrengungen zur Neubesetzung der Stelle bisher unternommen wurden. Außerdem fragt er nach, ob betroffene Kinder und Eltern tatsächlich aufgrund der Vakanz für die Schuleingangsuntersuchung nach Horn-Lehe fahren müssten.

Gesundheitsbehörde konnte keine geeignete Fachkraft finden

Tatsächlich konnte die Gesundheitsbehörde noch keine geeignete Fachkraft für die vakante Stelle finden, bestätigt Sprecherin Sylla Kahl. „Die wiederholte Ausschreibung läuft derzeit noch. Auch hier zeigt sich leider der bundesweite Fachpersonalmangel im kinderärztlichen Bereich“, sagt Kahl. Eine kurzfristige Übergangslösung habe sich leider nicht realisieren lassen.

Lesen Sie auch

Allerdings ist die Sorge, dass Familien mit angehenden Abc-Schützen nun weite Anfahrtswege auf sich nehmen müssten, offenbar unbegründet. „Die Schuleingangsuntersuchungen (...) werden vorübergehend von Schulärzten aus anderen Stadtteilen übernommen“, heißt es dazu aus der Gesundheitsbehörde. Eltern müssten ihre Kinder daher nicht in anderen Stadtteilen vorstellen, da die Schulärzte vertretungsweise nach Huchting kommen würden, teilt Kahl schriftlich mit.

Fecker greift in seiner Anfrage zudem eine Idee des Huchtinger Ortsamtsleiters Christian Schlesselmann auf. Der hatte im Dezember vorgeschlagen, die Situation zu verbessern, indem Ärztinnen und Ärzte in benachbarten Stadtteilen sich zu Teams zusammenschließen. Das werde intensiv diskutiert, schreibt Kahl, aber überwiegend „als nicht zielführend bewertet, da die Qualität einer schulärztlichen Versorgung nicht zuletzt mit detaillierten Kenntnissen regionaler Besonderheiten der einzelnen Stadtteile zusammenhängt“.

Fecker drängt auf rasche Lösung

Im Klartext: Nur wer sich im Stadtteil besonders gut auskennt, kann die Gesundheitslage der Kinder und Jugendlichen in Huchting auch optimal einschätzen. „Einen Stadtteil wie Huchting mit seinen Herausforderungen nicht umgehend mit einer Stadtteilärztin zu versorgen, ist für mich absolut unverständlich“, sagt Björn Fecker. Er drängt nun auf eine rasche Lösung: „Die Gesundheitssenatorin ist in der Pflicht, zeitnah Abhilfe zu schaffen“, betont der Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Lesen Sie auch

Genau darum seien alle Beteiligten bemüht, versichert Behördensprecherin Kahl. „Und das trotz der Problematik eines gravierenden ärztlichen Fachkräftemangels, der bundesweit herrscht.“

Als Nachweis dafür, dass das Ressort das Problem ernst nehme, führt sie besondere Anreize für Fachkräfte auf, die sich auf die Stelle bewerben. So würden in den Ausschreibungen sowohl höhere Vergütungen über Zulagen als auch eine Verbeamtung in Aussicht gestellt.

„Wir machen uns Sorgen, weil wir wissen, wie dringend ein Stadtteilarzt gebraucht wird“, schildert Ortsamtsleiter Schlesselmann die Lage in Huchting. Er hoffe nun, dass die Hängepartie schnell zu Ende sei.

Vier zuständige Stadtteilärztinnen

Im Bremer Süden gibt es mit der Huchtinger Stelle vier zuständige Stadtteilärztinnen, die im Team mit je ein bis zwei Krankenschwestern neben der Schuleingangsuntersuchung noch zahlreiche weitere Aufgaben übernehmen. Im Kern geht es darum, die Gesundheitslage aller Kinder und Jugendlichen vor Ort im Blick zu behalten. Das geschieht mit Impfungen. Außerdem geht es darum, Gesundheitsgefahren zu erkennen und zu beseitigen, die in bestimmten Wohnquartieren auftreten. Sie untersuchen einzelne Kinder im Hinblick auf ihren Förderbedarf, konzipieren Programme zur Gesundheitsprävention, laden zu Vorsorgeuntersuchungen ein und vertreten die gesundheitlichen Interessen der jungen Stadtteilbewohner in Gremien.

Die Stadtteilteams des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes arbeiten laut Gesundheitsamt bevorzugt in Beratungsstellen in sozialbenachteiligten Wohnquartieren. Für Huchting und Grolland ist das die Robinsbalje, in Obervieland Kattenturm, in der Neustadt die Gartenstadt Süd. Das Stadtteilteam für Woltmershausen, Seehausen und Strom arbeitet hingegen rechts der Weser im Gesundheitsamt im Steintor.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+