Lehrer, Schüler, Eltern und zahlreiche Gäste feiern 60-jähriges Bestehen der Grundschule Grolland Wie eine kleine Insel

Grolland. 60 Jahre gibt es die Grundschule in Grolland nun schon, und das ist auf jeden Fall ein Grund zum Feiern, fanden die Schülerinnen und Schüler der Schule und legten sich mächtig ins Zeug, genauso wie ihre 20 Lehrer. Mit Kreativität und vielen Ideen begeisterten sie das Publikum. Zusammen nahmen sie alle Eingeladenen auf eine Zeitreise in die 1950er-Jahre mit.
23.06.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von VOLKER ALTHOFF

Grolland. 60 Jahre gibt es die Grundschule in Grolland nun schon, und das ist auf jeden Fall ein Grund zum Feiern, fanden die Schülerinnen und Schüler der Schule und legten sich mächtig ins Zeug, genauso wie ihre 20 Lehrer. Mit Kreativität und vielen Ideen begeisterten sie das Publikum. Zusammen nahmen sie alle Eingeladenen auf eine Zeitreise in die 1950er-Jahre mit.

Im Gepäck hatten sie die passenden Schlager wie "Que sera" oder "Im weißen Rössl am Wolfgangsee", die sie auf der Bühne in der Turnhalle der GS Grolland neu interpretierten. Besonders ihre schräge Verkleidung mit Sonnenbrillen und Strohhüten deutete auf die Phase des Wohlstandes, des wirtschaftlichen Aufschwungs, der Aufbruchsstimmung und des Wiederaufbaus hin. In dieser Zeit wurde auch in Grolland die Volksschule eingeweiht: am 9. April 1951. Viele der "Ehemaligen" waren zum Jubiläum gekommen, um in der Sporthalle den Geburtstag der jetzigen Grundschule gemeinsam mit den "Neuen" zu feiern.

Schulleiterin Ingrid Siebert-Löschner hielt einen Vortrag über die Geschichte der Grollander Schullandschaft. Eingebettet war der Rückblick in szenische, musikalische Aufführungen der ersten bis vierten Klassen sowie dem Lehrerkollegium. Den Anfang machten Schülerinnen und Schüler, die auf ihren Trompeten ein kleines Geburtstagsständchen spielten. Nach einer kurzen Begrüßung vieler Ehrengäste, ehemaliger Lehrer, Vertreter aus dem Beirat Huchting, dem Ortsamtsleiter Uwe Martin sowie Kooperationspartner aus der Kirche, dem Park Links der Weser und dem TSV Grolland legte die Streicherklasse los und spielte drei feierliche Stücke.

Reise in die Vergangenheit

Danach startete Siebert-Löschner ihre kleine, historische Reise, die mit der urkundlichen Erwähnung des Ortsteils Grolland als "Groenland" 1189 begann. Das Gebiet sollte der "erste Bremer Großsiedlungsstadtteil werden", wie Siebert-Löschner betonte. Mit dem Bau der Siedlung Grolland Nord 1936 dachte die Brebau auch über eine Schule nach, die sie neben Grünanlagen, Sportplatz und Geschäftshäusern errichten wollte. Allerdings, so Siebert-Löschner, wurde sie "niemals gebaut", denn "die NS-Planer gerieten darüber in Streit, wo die neue Schule stehen und wie sie aussehen sollte." Als Notlösung erhielten die Anfängerklassen an der späteren Stelle der katholischen Kirche St. Franziskus an der Stedingsehre zwei Holzbaracken, in der die Kinder mit ihren lehmverdreckten Schuhen hineinlaufen durften und in der sich vor allem Mäuse wohlfühlten. Kein Wunder, dass die damaligen Schüler ihren Lernort als "Dreckbude" bezeichneten.

Das änderte sich 1950, als am 25. Februar eine neue Schule gebaut wurde. "Auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern sollten einstöckige Trakte mit 13 Klassenräumen, zwei Werkräumen, Turnhalle, Musiksaal, Volks- und Schülerbücherei sowie Direktor-, Lehrer-, Konferenz- und Lehrmittelzimmer errichtet werden", schilderte Siebert-Löschner. Am 9. April 1951 war es dann soweit: Die damalige Schulleiterin Maria Schröder erhielt zur Einweihung die Schlüssel fürs neue Gebäude. Sie verfasste nach der Melodie "Ännchen von Tharau" das Lied "Grolland, mein Grolland", das Siebert-Löschner anlässlich des 60-jährigen Geburtstages mit viel Freude in Begleitung zum Klavier sang. Die neue Schule war eine "Schule im Grünen", in der Mädchen und Jungen in und mit der Natur lernten. Zudem war sie eine "Vorzeigeschule", sodass viele Besuchergruppen nach Grolland strömten und sie besichtigten.

Dann war die Klasse 4b an der Reihe, die einen plattdeutschen Sketch aufführte. Es folgte der von stürmischem Jubel begleitete Auftritt der Lehrer mit einer 50er-Jahre-Revue. Die Klassen 1a und b legten mit dem Lied "Pack die Badehose ein" nach und bekamen ebenfalls viel Beifall. Zum Schluss ihres Streifzuges hob Siebert-Löschner wichtige Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte hervor wie den Schülerlotsendienst, die vielen Theateraufführungen sowie den kleinen "Zoo", der einige Jahre Hühner, Hängebauchschweine, Puter und Gänse beheimatete.

Ganz entscheidend war der Aufbau von Kooperationsklassen, in denen gemeinsamer Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Schülern vorgesehen war. "Wir sind eine Schule für alle. Unsere Leitziele sind: Friedlich Miteinander leben, individuelle Fähigkeiten der Kinder fördern und Chancengleichheit gewährleisten!," sagte Siebert-Löschner freudestrahlend zum Abschluss ihrer Festrede. Sie versprach allen Besuchern: "Auch in Zukunft werden wir uns darum bemühen, dass es ihre Kinder und Enkel bei uns gut haben, dass wir eine lebendige, aufgeschlossene, vielseitig interessierte Schule sind und bleiben."

Beeindruckender Lehrerauftritt

Es war ein sehr gelungener festlicher Teil, wie die achtjährige Paula aus der 2a feststellte: "Es ist schön, dass es das ganze Fest gibt. Aber am meisten haben mir die Lehrer gefallen, weil sie so lustig verkleidet waren und mein Lieblingslied ,Que sera' gesungen haben." Auch ihre Freundin und Mitschülerin Lena (8) sah das so und freute sich schon darauf, draußen in der Hüpfburg zu toben und Popcorn zu essen. Der zwölfjährige Hendrik Pröhl, der seine Grundschulzeit ebenfalls in Grolland verbracht hat, fand besonders die Musik der Bläser- und Streicherklassen schön und "dass alle Klassen etwas Passendes aufgeführt haben." Seine Mutter Kirsten war beeindruckt vom Auftritt der Lehrer: "Sie haben das mit sehr viel Engagement gemacht." Für sie sei es ein großes Glück, dass sie alle drei Söhne auf die Grundschule geschickt hat: "Mein Mann und ich sagen immer, diese Schule ist das Beste, was Kindern passieren kann. Hier sind sie sehr behutsam aufgehoben, die Klassen sind

überschaubar und das Außengelände ist einfach toll."

Es ist wie eine "kleine Insel", ergänzte Klassenlehrerin Ursula Jung aus der 2a, die schon 22 Jahre an der Schule unterrichtet und sich sehr wohl fühlt. Dieses Gefühl erlebte Helma Reincken aus Grolland vor 60 Jahren schon, als sie 1950 eingeschult wurde: "Der Zusammenhalt und dass alle mitmachen, das war schon damals so und hat sich bis heute weitergetragen." Beim Blick in die Zukunft wünschte sich Christoph Mack, Lehrer am Förderzentrum der Grundschule, dass insbesondere die Inklusion ein voller Erfolg wird.

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